Niederbühler Frühapfel könnte Gärtner der Region begeistern

Rastatt (sl) – Ein leckerer Zufallsfund aus Klaus Herrmanns Garten hat die Marktreife erreicht. Ab nächstem Jahr kann man kleine Bäume der neuen regionalen Apfelsorte erwerben.

Für Apfelkuchen sehr geeignet: Der Niederbühler Frühapfel. Foto: Sebastian Linkenheil

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Für Apfelkuchen sehr geeignet: Der Niederbühler Frühapfel. Foto: Sebastian Linkenheil

Er ist knackig und saftig, schmeckt nicht zu süß und nicht zu säuerlich. Der Niederbühler Frühapfel ist einfach ein leckeres Obst. Als Zufallssämling hat der Niederbühler Klaus Herrmann den Baum hinter seinem Haus entdeckt und schon vor einiger Zeit die Anerkennung als Amateur-Sorte erreicht. Ab nächstem Jahr wird jeder Garten- oder Obstwiesenbesitzer den Apfel selbst anbauen können: Er hat die Marktreife erreicht.
Die alphabetische Liste der zugelassenen Apfelsorten, die das Bundessortenamt führt, ist 179 eng beschriebene Seiten lang. Auf Seite 111, zwischen „Niedauer“ und „Niederländischer Weißer Renette“ steht er nun, der Niederbühler Frühapfel. Zugelassen als Amateur-Sorte, darf er jetzt vertrieben werden. Beziehen kann man ihn künftig direkt über den Niederbühler Obst- und Gartenbauverein sowie über die Baumschule Bilger im Baden-Badener Stadtteil Steinbach. Allerdings erst im kommenden Jahr, denn die Jährlinge werden noch nicht abgegeben, erklärt Stefanie Bilger. Dafür müssen die Bäumchen erst zwei Jahre alt sein. Erhalten hat der Bilger-Hof den Apfelbaumnachwuchs zur Aufzucht durch Bernhard Unser. Der ist Vorsitzender des Niederbühler Obst- und Gartenbauvereins und kann den Niederbühler Frühapfel seit einiger Zeit selbst in seinem Garten ernten, mit einem Reis vom „Urbaum“ hat er einen seiner Apfelbäume hinterm Haus veredelt.

Kleines Bäumchen erhält seine Chance

Dieser „Urbaum“ allerdings, von dem alle Reiser zur Veredelung abstammen, steht ein paar Gehminuten weiter im Garten von Klaus Herrmann. Ein verwunschenes Idyll hinter dem Haus, in dem der 82-Jährige schon seit 60 Jahren wohnt. Dass dort vieles so wachsen darf, wie es der Natur gefällt, hat viel damit zu tun, dass der Frühapfel überhaupt das Licht der Welt erblicken konnte. „Wenn Sie einen englischen Rasen haben, gelingt ihnen so etwas natürlich nicht“, lacht Herrmann. Denn das Apfelbäumchen wuchs zufällig heran, ohne dass ihm ein Rasenmäher flugs den Garaus gemacht hätte. „Ich habe dann erkannt: Das ist kein Unkraut“, erinnert sich der Hobbygärtner, der den Niederbühlern auch als Holzschnitzer und passionierter Pilzsammler bekannt ist. Das Bäumchen durfte einfach wachsen. Es bekam seine Chance, auch wenn die ersten zwei, drei Äpfel noch nicht so recht überzeugten. Das ist nun schon über 20 Jahre her.

Fachmännischer Schnitt und Hilfe bei der Bürokratie

Dass inzwischen ein stattlicher Apfelbaum im Garten steht, ist auch Bernhard Unser zu verdanken, der ihm jährlich einen fachmännischen Schnitt verpasst. Den bürokratisch aufwendigen Weg zur Anerkennung beim Bundessortenamt begleitete indes ein weiterer Niederbühler Obst-Enthusiast: Wilfried Hangauer, der als Ingenieur in seinem Berufsleben schon einige Patente eingereicht hat. Eine Anerkennung als Amateur-Sorte reduzierte Aufwand und vor allem Kosten. Auf einen groß angelegten Vertrieb kommt es Klaus Herrmann und seinen beiden Mitstreitern in Sachen Frühapfel auch gar nicht an. Er soll regionale Spezialität bleiben.

Klaus Herrmann hätte dem Apfel auch seinen eigenen Namen geben können, wie das erfolgreiche Züchter schon getan haben. Er zeigte sich aber bescheiden und gab lieber seinem Heimatdorf Niederbühl die Ehre. „Es wäre aber schon schön, wenn es den Apfel in 100 oder 200 Jahren noch gibt und man sich dann noch an mich erinnert“, schmunzelt er.

Einfach lecker: Wilfried Hangauer, Klaus Herrmann und Bernhard Unser (von links) verkosten den Niederbühler Frühapfel direkt vom Ursprungsbaum. Foto: Sebastian Linkenheil

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Einfach lecker: Wilfried Hangauer, Klaus Herrmann und Bernhard Unser (von links) verkosten den Niederbühler Frühapfel direkt vom Ursprungsbaum. Foto: Sebastian Linkenheil

Auch Kindern schmeckt der Niederbühler Apfel

Der Anfang ist jedenfalls gemacht: Einige Reiser wurden schon an befreundete Garten- und Wiesenbesitzer verschenkt, auf der Niederbühler Hochzeitswiese plant Bernhard Unser, der auch Schnittkurse anbietet, eine Reihe Spalierobst mit verschiedenen Sorten. Dort soll der Niederbühler Frühapfel ebenfalls vertreten sein. Und dann finden sich im kommenden Jahr sicher Liebhaber, die sich kleine veredelte Bäumchen besorgen werden.

Am besten schmeckt der Niederbühler nämlich direkt vom Baum oder zumindest kurz nach der Ernte. Lange lagerfähig ist er nicht und eignet sich schon deshalb nicht als Supermarktapfel. Wilfried Hangauer hat übrigens festgestellt, dass seine Enkel in einen solchen Massenapfel einmal hineinbeißen und ihn dann liegenlassen. „Beim Nieberbühler Frühapfel wird der Teller mit den Schnitzen immer leer gegessen“, freut sich der Opa.

Vorzüglicher Apfelkuchen

Die Familien Unser und Hangauer haben auch schon mit dem Frühapfel in der Küche experimentiert: Apfelpfannkuchen und Apfelmus gerieten hervorragend. Und von der vorzüglichen Eignung für Apfelkuchen hat sich das BT im Hause Unser sogar persönlich überzeugt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
1. September 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 07sec

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