Noch Luft nach oben

Baden-Baden (tt) – Im Fahrradklima-Test des ADFC schneidet Baden-Württemberg zwar überdurchschnittlich, aber nicht wirklich gut ab.

Neue Radwege bedeuten oft weniger Parkplätze – nicht in jeder Kommune ist der politische Wille dazu vorhanden, sagt der ADFC. Foto: Andreas Arnold/dpa

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Neue Radwege bedeuten oft weniger Parkplätze – nicht in jeder Kommune ist der politische Wille dazu vorhanden, sagt der ADFC. Foto: Andreas Arnold/dpa

Die Richtung stimmt, aber es bleibt noch sehr viel zu tun – so lautet das Fazit des Fahrradklima-Tests des ADFC für Baden-Württemberg. Der Fahrradklub hat am Montag die Ergebnisse auf Landesebene vorgestellt. Für den Test haben im Südwesten 26.600 Radfahrer die Situation in ihrer Kommune anhand von 27 Fragen eingeschätzt und auf einer Skala von eins bis sechs bewertet. Damit haben sich mehr Fahrradfreunde als je zuvor am Test beteiligt. Insgesamt wurde in 164 Kommunen die Mindestteilnehmerzahl erreicht, aus der sich aussagekräftige Ergebnisse herauslesen lassen, wie ADFC-Landeschefin Gudrun Zühlke berichtete. Auch das eine Rekordzahl – wobei es angesichts von über 1.000 Kommunen im Land auch noch jede Menge weiße Flecken auf der Fahrradklima-Landkarte gibt. Die Städte sind in fünf Kategorien unterteilt, von ganz groß bis ganz klein. In jeder Kategorie gibt es drei Medaillen für die Besten, macht insgesamt 18 – und davon gehen fünf nach Baden-Württemberg. Gold gab es für Karlsruhe bei den Städten von 200.000 bis 500.000 Einwohner. Dazu vier Bronzemedaillen, für Freiburg, Heidelberg, Konstanz und Rutesheim (Landkreis Böblingen).

Land kommt auf Note 3,83

Indes: Insgesamt kommt das Land nur auf eine Durchschnittsnote von 3,83 – was Zühlke zu der Bemerkung veranlasste: „Baden-Württemberg ist das Land, wo es am wenigsten schlecht ist.“ Immerhin, der Abstand zum Bundesschnitt vergrößert sich tendenziell. Selbst das Radler-Paradies Karlsruhe aber kommt insgesamt nur auf eine 3,1; lediglich Rutesheim schlägt sich mit einer 2,2 passabel. Diese beiden Kommunen führen zugleich die Südwest-Rangliste an, gefolgt von Sasbach (3,1) und Ötigheim (3,2). In die Top Ten schafften es auch Stutensee und Ettlingen (je 3,3). Am unrühmlichen Ende der Liste mit den schlechtesten Noten: Pforzheim (4,6) und Donzdorf (4,7) im Landkreis Göppingen. Die Rangliste der größeren Städte Mittelbadens führt Bühl (3,47) an, gefolgt von Rastatt (3,81), Baden-Baden (3,93) und Gaggenau (3,95). Nur 14 von 164 Kommunen landesweit blieben ohne Fünf im Zeugnis, 42 kamen mit einem Fünfer in den 27 Kategorien davon. Alle anderen haben mindestens zweimal mangelhaft, darunter die Vorzeigestadt Freiburg. Besonders gut schneidet das Land in den Kategorien „geöffnete Einbahnstraßen“, „Erreichbarkeit des Stadtzentrums“ und „Wegweisung“ ab. Besonders schlechte Zensuren gab es von den Radlern in den Kategorien „Radwegebreite“, „Falschparker“ und „Radverkehrsführung in Baustellen“. Zühlke sagt dazu: „Die letzten beiden Faktoren sind massiv sicherheitsrelevant, und zugleich braucht es keine Gesetze, um Abhilfe zu schaffen. Die Kommunen müssen hier sofort handeln.“

ADFC fordert Radgesetz

Um den Notenschnitt zu verbessern, fordert der ADFC von der neuen Landesregierung ein Radgesetz, „am besten eingebettet in ein Mobilitätsgesetz“. Zühlke: „Der Radverkehr ist eine Querschnittsaufgabe, die alle Ressorts betrifft, nicht nur das Verkehrsministerium.“ Deshalb brauche es ein Gesetz mit verbindlichen Ausbauzielen, das bindend sei. Denn bislang, so haben die Fahrradlobbyisten beobachtet, ist die Radbegeisterung in den Ministerien sehr unterschiedlich ausgeprägt. Zühlke: „Das Verkehrsministerium hat die Weichen gut und richtig gestellt, aber in anderen Häusern passiert nichts, oder die Bemühungen werden konterkariert.“ Allerdings sei die Fahrradförderung auch eine Frage des politischen Willens in den Kommunen. Mehr Radwege bedeuteten oft weniger Parkplätze – und dazu fehle mancherorts der Mut. Am Geld liege es allerdings nicht: „Die Fördertöpfe sind prall gefüllt, 90 Prozent Förderung sind möglich.“ So wartet man beim ADFC gespannt auf den nächsten Fahrradklima-Test in zwei Jahren. Den aktuellen umschreibt Zühlke mit den Worten: „Ein sehr durchwachsenes Ergebnis mit kleinen Lichtblicken.“ Es ist also noch Luft nach oben.


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