Noch ein Jahr warten auf Radlerbrücke

Weisenbach (mm) – Die „unendliche Geschichte“ geht weiter: Radler müssen noch ein Jahr warten, bis sie das Teilstück der „Tour de Murg“ zwischen Weisenbach und Hilpertsau gefahrlos befahren können.

Die Radler auf der „Tour de Murg“ müssen sich weiter gedulden. Der  Brückenbau  zwischen Weisenbach und Hilpertsau verzögert sich. Foto: Raimund Götz

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Die Radler auf der „Tour de Murg“ müssen sich weiter gedulden. Der Brückenbau zwischen Weisenbach und Hilpertsau verzögert sich. Foto: Raimund Götz

Seit Februar 2020 sind die Arbeiten für die neue Radlerbrücke im Gange. Derzeit ist es allerdings eher ruhig auf der Baustelle, der Kran ist abgebaut. Bauherrin ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Land Baden-Württemberg. Dieses wiederum wird vertreten durch das Regierungspräsidium Karlsruhe.

Bereits seit 2005 ist der Lückenschluss bei Weisenbach ein verkehrs- und kommunalpolitisches Dauerthema. Die Radler müssen dort ein Teilstück auf der Bundesstraße 462 fahren, ehe sie wieder auf die „Tour-de-Murg“-Strecke zurückkehren können.

In den vergangenen eineinhalb Jahren wurden auf beiden Murgseiten die Widerlager, Pylonenfußpunkte und Abspannblöcke errichtet. Auf der Gernsbacher Seite ist eine Stützwand zur Sicherung der Bundesstraße entstanden. Zudem wurden auf der Weisenbacher Murgseite „In den Höfen“ gemeindeeigene Stellplätze sowie die Radwegzuführung fertiggestellt. Derzeit werden auf der Weisenbacher Seite noch der Kolkschutz, der die Fundamente vor der Erosion durch die Murg schützt, sowie Erdarbeiten ausgeführt, informiert das RP. Diese Arbeiten sollen noch im Oktober 2021 vollständig abgeschlossen werden.

Übergabe im September 2022

Trotz des Baufortschritts könne die Freigabe der Radwegbrücke nicht mehr, wie planmäßig vorgesehen, in diesem Jahr erfolgen, sondern voraussichtlich erst im September 2022. Als Gründe für die Verzögerung nennt das RP im Wesentlichen Hochwasser, die bei der Planung noch nicht bekannten geologischen Verhältnisse, die für die Tragwerksplaner sehr komplexe Geometrie der s-förmigen Brücke sowie die derzeit herrschende Materialknappheit am Rohstoffmarkt, insbesondere für Stahl.

Die Bauarbeiten waren stark abhängig vom Wasserstand der Murg. Durch vermehrte Regenfälle kam es mehrfach zu starken Anstiegen des Pegelstands, die Baugrube wurde überflutet, Gründungs- sowie Betonarbeiten mussten eingestellt werden. Nach Abklingen des Hochwassers waren Aufräumarbeiten und Ausbesserungen erforderlich. So mussten Anfang des Jahres die Verschleißschicht der Baustraße und die Furt durch die Murg erneuert werden.

Hartes Felsgestein

Eine weitere Hürde war das überdurchschnittlich harte Felsgestein. Die Gründung des neuen Bauwerks erfolgt durch in den Granit eingebundene Bohrpfähle im Murgvorland. Die angetroffene extreme Härte erschwerte die Bohrarbeiten deutlich. Weiter stellte laut RP die komplexe Geometrie der Radwegbrücke die Planer vor eine enorme Aufgabe. Um die Standsicherheit des komplizierten s-förmigen Grundrisses der Brücke zu gewährleisten, sei ein größerer Aufwand erforderlich als angenommen.

Aufbauend auf den Ausführungsplänen werden die zur Produktion der Stahlbauteile benötigten Werkstattpläne erarbeitet. Die momentane, unter anderem durch die Corona-Pandemie bedingte Materialknappheit am globalen Rohstoffmarkt führe zu verlängerten Lieferzeiten. Insbesondere sei der erforderliche Stahl betroffen. Die langen Lieferzeiten verzögern die Fertigstellung der Bauteile (Überbau, Pylone und Geländer) außerordentlich.

Neuer Zeitplan

Der neue Zeitplan sieht den Einhub des Stahlüberbaus im Mai 2022 vor. Anschließend erhält der Überbau eine Betonplatte. Zusätzlich werden die restlichen Straßenbauarbeiten zum Anschluss des Bauwerks an den Radweg ausgeführt. Nach Abschluss dieser Arbeiten könne die Brücke voraussichtlich im September 2022 dem Radverkehr übergeben werden.

Die Verzögerung beeinflusst auch die Baukosten. So haben Planungen und die statischen Berechnungen einen erhöhten Stahlbedarf gegenüber dem Entwurf ergeben. Die konkrete Kostensteigerung könne derzeit noch nicht näher beziffert werden, so das RP auf BT-Anfrage. Zu Baubeginn waren Kosten in Höhe von rund 6,3 Millionen Euro veranschlagt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Markus Mack

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Erstellt:
30. September 2021, 17:50 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

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