Noch mehr Müll als sonst

Gaggenau/Gernsbach (ham) – Die Quote an „Müll“ liegt bei Altkleidercontainern mit rund 70 Prozent schon ohnehin hoch. Nun sammelt sich der Müll während der Pandemie auch noch vor den Boxen.

„Der Umwelt zuliebe“? Ein Altkleider-Container der Ulmer Firma Glaeser Textil in Bad Rotenfels ist überfüllt, weshalb manche ihre Säcke davor hinwerfen. Foto: Metz

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„Der Umwelt zuliebe“? Ein Altkleider-Container der Ulmer Firma Glaeser Textil in Bad Rotenfels ist überfüllt, weshalb manche ihre Säcke davor hinwerfen. Foto: Metz

„Faircollect“ steht oben auf dem Schuh- und Kleidercontainer in Bad Rotenfels. Mancher mag mit hehrer Absicht hingefahren sein, um Textilien zu spenden – doch angesichts der gefüllten Sammelbox verlieren einige die Nerven und werfen ihre blauen, weißen und grünen Plastiksäcke achtlos vor den Container, anstatt sie wieder mitzunehmen und daheim bis nach der Corona-Krise einzulagern.
Auch wenn der Altkleidercontainer neben einem Getränkemarkt nicht zu denen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gehört, kennt Horst Neuendorf das leidige Problem allzu gut. Erst vor ein paar Tagen rief der Ortsverein zusammen mit dem Ottenauer DRK die Bevölkerung dazu auf, keine Altkleider mehr in die Container zu werfen. Der Abnehmer, die Firma Terec aus Renchen, könne in Zeiten der Pandemie diese nicht mehr im üblichen Turnus von drei bis vier Wochen leeren.

„Ich bin schon relativ sauer“, gesteht DRK-Chef Neuendorf, als er gerade am Gaggenauer Rettungszentrum ankommt und „wieder ein Sack vor der Haustür steht. Ich weiß nicht, ob die Leute es nicht verstehen wollen oder nicht verstehen“. Ungeachtet der klaren Bitte muss er sich zusätzlich mit „täglich zwei Anrufen“ herumplagen, bei denen ihn Bürger fragen, ob das DRK Kleiderspenden abhole. „Ich sage dazu klar: Nein!“, betont Neuendorf und verweist auf das systemrelevante und deshalb für den „Publikumsverkehr“ gesperrte Rettungszentrum.

Die Kleiderkammer könne deshalb aktuell selbst unter Schutzmaßnahmen keine Textilien und Schuhe an Bedürftige abgeben. Weil der Altkleidercontainer vor dem Rettungszentrum mehr im Fokus steht als die anderen in der Stadt, um die sich die Terec kümmert, ist hier die Situation besser.

Gute Quote bei der „Direktannahme“

Optimal ist allerdings nur die „Direktannahme“ beim DRK, weil sich hier keiner traut, minderwertiges Material mitzubringen. „Das ist ein großer Vorteil, dass wir den Leuten Hinweise geben können“, weiß Neuendorf und bezeichnet so die „Quote der wiederverwertbaren Artikel als sehr gut. Deshalb haben wir auch normalerweise eine gut ausgestattete Kleiderkammer“.

Das Material in den ansonsten von der Terec verwalteten Containern, für die sie einen Obolus an das DRK entrichtet, ist hingegen meist von zweifelhafter Güte: „30 Prozent kann verwertet werden, 70 Prozent ist Müll“, verweist Neuendorf auf „untragbare Kleidung wie völlig zerrissene Hosen bis hin zu Stoffresten. Manche scheinen die Altkleidercontainer mit der grauen Tonne zu verwechseln.“ Ja, derlei sorgt zu allem Überfluss dafür, dass die brauchbaren Stücke oft „zerstört werden“, beklagt der Ortschef entstehende „hohe Kosten für Müllentsorgung“.

Etwas erfreulichere Lage in Gernsbach

Etwas erfreulicher gestaltet sich die Lage murgaufwärts, versichert Volker Hildenbrand. Der Ortsverband in Gernsbach habe zwar rund ein halbes Dutzend Container über die Stadt verteilt stehen, nach denen der Verein „regelmäßig schaut. Doch die meisten geben ihre Sachen im DRK-Haus Am Bachgarten ab“. So habe das Rote Kreuz zwar „trotzdem manchmal Schrott vor dem Haus liegen oder im Container, was ärgerlich ist, aber es hält sich in Grenzen“, wünscht sich der DRK-Vorsitzende, „dass das hoffentlich so bleibt.“

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Erstellt:
5. April 2020, 15:10 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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