Bühlertals Bürgermeister Hans-Peter Braun im BT-Gespräch

Bühlertal (fvo) – Bühlertals Bürgermeister Hans-Peter Braun spricht mit BT-Redakteur Franz Vollmer über Lerneffekte durch Corona und die ehrgeizigen Ziele 2021.

„Mir fehlt oft der persönliche Kontakt“: Bühlertals Bürgermeister Hans-Peter Braun. Foto: Franz Vollmer

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„Mir fehlt oft der persönliche Kontakt“: Bühlertals Bürgermeister Hans-Peter Braun. Foto: Franz Vollmer

Normal ist anders. Diese Erfahrung und diesen Befund musste auch die Gemeinde Bühlertal im vergangenen Jahr auf einschneidende Weise machen. Was allerdings nichts am Tatendrang von Bürgermeister Hans-Peter Braun ändert. BT-Redakteur Franz Vollmer sprach mit dem 62-jährigen Amtsinhaber (seit 2008) über die ehrgeizigen Ziele für 2021 und über die Lerneffekte in Zeiten von Corona.

BT: Herr Braun, die Hoffnung ruht auf der gegenüberliegenden Rathausseite, in Form eines Kunstwerks namens „H-O-P-E“. Was sind Ihre Hoffnungen für 2021?
Hans-Peter Braun: Mein großer Wunsch ist natürlich, dass die Pandemie sehr stark zurückgeht, auch wenn ich, ehrlich gesagt, derzeit noch nicht so richtig dran glauben mag. Ich hoffe, dass wir in Bühlertal nicht in größerer Form vom Virus betroffen werden und noch strengere Hygienemaßnahmen und Vorkehrungen ergreifen müssen. Viel mehr an Wünschen braucht es nicht.

BT: Dem Coronavirus wird gerne das Potenzial als Spaltpilz unterstellt. Können Sie das unterschreiben?
Braun: Auf Bühlertal bezogen kann ich dies nicht bestätigen. Wenn ich mich mit unseren Bürgerbeauftragten unterhalte, die ja direkten Kontakt mit unseren Bürgerinnen und Bürgern pflegen, glaube ich schon, dass wir ein gutes Miteinander in Bühlertal haben. Davon bin ich auch fest überzeugt.

BT: Ist der Bühlertäler in Sachen Moral etwas resistenter als der Rest der Welt?
Braun: Mein Eindruck ist jedenfalls, dass die Mitbürgerinnen und Mitbürger bislang verantwortungsvoll mit dem Thema umgegangen sind. Die Menge an infizierten Personen ist überschaubar. Das kann sich jedoch schnell ändern. Ich denke, wir sind bisher gut durch die schwierige Pandemiezeit gekommen.

„Menschen sehnen sich nach Natur“

BT: Wie groß ist denn der Spaßfaktor, in diesen Zeiten eine Gemeinde zu leiten?
Braun: Da ich stets auf den Abstand achte, um weder infiziert zu werden noch selbst zu infizieren, fehlt sehr oft der persönliche Kontakt. Gerade bei Jubiläen von älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern konnten immer wieder interessante Gespräche geführt werden. Da konnte man als Bürgermeister durch eigene Präsenz vor Ort doch vieles erfahren und in Einzelfällen auch entsprechend reagieren. Trotzdem galt es, die eigentlichen, geplanten Aufgaben in üblicher Weise anzugehen und auf den Weg zu bringen.
Gerade für die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger tat es mir leid, dass die Adventsfeier Mitte Dezember nicht durchgeführt werden konnte. Auch das Vereinsleben ist praktisch zum Erliegen gekommen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht, wenn die Pandemiezeit überstanden ist und die Vereine ihren Betrieb wieder geordnet aufnehmen können. Verschiedene Gruppen werden es dabei sicherlich schwer haben, wieder in die Gänge zu kommen.

BT: Haben Sie denn auch positive Erfahrungen in der Pandemie gemacht, die man für später mitnehmen kann?
Braun: Sicherlich hat der Digitalisierungsprozess in vielen Bereichen rasant an Fahrt gewonnen. Davon profitieren auch wir in der Verwaltung enorm. Sowohl im Sommer bei unseren Ausflugszielen wie den Gertelbacher Wasserfällen oder dem Engelsberg mit der Naturparkaugenblickrunde haben wir enorm an Tagestourismus zugenommen. Die Menschen sehnten sich in diesen Wochen nach Aufenthalten und Bewegungen in der Natur. Auch jetzt im Advent konnten wir in Bühlertal mit dem Tal der 1 000 Lichter eine weitere Anlaufstation für Spaziergänge im Freien bieten. Auch davon wurde von Menschen aus Nah und Fern unter Einhaltung der Vorgaben sehr reger Gebrauch gemacht.

„Auch in schwierigen Situationen Ruhe bewahren“

BT: In Ausnahmephasen wächst man meist auch in seiner Kompetenz. Haben Sie etwas für sich dazugelernt?
Braun: Dazugelernt vielleicht insofern, als man versuchen muss, auch in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren. Bestimmte Vorgänge gilt es sicherlich noch besser zu kommunizieren und Grenzen aufzuzeigen.

BT: 2020 war das Jahr vieler Opfer, Einschränkungen und Absagen etwa bei den Weintagen, aber auch das Jahr herausragender Leistungen. Gibt es für Sie irgendwelche Helden?
Braun: Ich finde, man muss eigentlich allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern danken, die sich in irgendeiner Form in unserer Gemeinde ehrenamtlich und uneigennützig in dieser schwierigen Zeit einbringen. Froh bin ich vor allem, dass wir im Seniorenzentrum mit derzeit 47 Plätzen und über 20 betreuten Wohnungen die Krise bis jetzt unbeschadet überstanden haben. Dies ist sicherlich dem umsichtigen Handeln der Verwaltung des Pflegeheimes, der Pflegedienstleitung sowie den Pflegerinnen und Pflegern zu verdanken. Da bedurfte es eines enormen Einsatzes, um diese schwierige Aufgabe so zu bewältigen. Ob man da von Helden sprechen kann, möchte ich so nicht bewerten. Es gilt jedenfalls allen ein besonderes Dankeschön für ihren Einsatz.

BT: Hauptprojekt 2021 wird sicherlich die Sanierung des Bühlot-Bads sein. Wie ist da der Zeitplan, wann fällt der Startschuss?
Braun: Wir hatten Anfang Dezember die erste Submissionsrunde, in der wir circa 85 Prozent der gesamten Bausumme ausgeschrieben hatten. Das ungeprüfte Ergebnis sieht ganz gut aus, denn wir liegen mit den abgegebenen Angeboten circa 460.000 Euro unter den veranschlagten Kostenberechnungen. Die Arbeiten werden in der ersten Januarsitzung des Gemeinderates vergeben. Im März wollen wir dann konkret mit den Abriss- und Bauarbeiten beginnen. Wir planen zur Badesaison 2022 das Schwimmbad zu eröffnen.

Startschuss im Frühling: Die Abrissarbeiten beim Bühlot-Bad sollen im März beginnen, die ersten Arbeiten noch diesen Monat vergeben werden. Foto: Bernhard Margull

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Startschuss im Frühling: Die Abrissarbeiten beim Bühlot-Bad sollen im März beginnen, die ersten Arbeiten noch diesen Monat vergeben werden. Foto: Bernhard Margull

BT: Dann wollen Sie also die ersten Bahnen ziehen?
Braun: Das würde ich mir wünschen. Der Bauzeitenplan sieht die Fertigstellung im Mai vor. Auch wenn in den Bauabläufen oftmals einige Tücken stecken, bin ich zuversichtlich, dass wir den Eröffnungstermin einhalten.

BT: Ein Großthema – zumindest emotional – wird sicherlich die Tempo-30-Debatte in Sachen L 83 bleiben. Wie ist hier der Sachstand?
Braun: In diesem Punkt werde ich mit den Fraktionen weitere Gespräche führen. Die einen wollen Tempo 30, die anderen „freiwillig 40“, wieder andere wollen das Parken auf der Straße zur Geschwindigkeitsreduzierung. Da werden sicherlich noch viele Gespräche mit beteiligten Behörden zu führen sein. Derzeit sieht die Straßenverkehrsbehörde jedenfalls keine Möglichkeit, Tempo 30 in Bühlertal anzuordnen.

BT: Mit einer baldigen Einigung ist also nicht zu rechnen?
Braun: Wir werden das Thema weiter diskutieren, aber an eine Umsetzung im Jahr 2021 glaube ich derzeit nicht.

BT: Und was sind die weiteren Projekte, die einen 2021 auf Trab halten werden?
Braun: Zum einen wollen wir 2021 den An- und Umbau des Feuerwehrgerätehauses fertigstellen. Das ehemalige Postgebäude in der Hauptstraße 145 sowie das ehemalige Restaurant Parkstuben in der Liehenbachstraße stehen zur Sanierung an. Während im Postgebäude zwei Wohnungen im Rahmen der städtebaulichen Sanierung modernisiert werden, wird das Anwesen Parkstuben zu einer Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert. Weitere Themen sind die Umgestaltung der Parkanlage beim Haus des Gastes, der Beginn eines weiteren Sanierungsabschnittes der Dr. Josef-Schofer-Schule, die Digitalisierung beider Grundschulen, die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes für Bühlertal und vieles mehr. Der Katalog an Aufgaben ist jedenfalls prall gefüllt.

„Wir haben ein sehr gutes Miteinander“

BT: Dabei können Sie – wie die jüngste Haushaltsaufstellung zeigt – auf konstruktive Mitarbeit zählen.
Braun: Ja, ich denke, wir haben ein sehr gutes Miteinander zwischen Verwaltung und Gemeinderat. Und das ist für mich auch ganz entscheidend. Sicherlich werden wir uns aufgrund der Anzahl und der Vielfältigkeit der Aufgaben auch die Hilfe und Mitwirkung von außen einkaufen.

BT: Dafür hat die Verwaltung binnem Kurzem namhafte Wechsel auf zwei Leitungsposten zu verzeichnen, erst im Hauptamt und jetzt mit dem Weggang von Kämmerin Bettina Kist. Sorgt so was für Unruhe oder ist das einfach natürliche Fluktuation?
Braun: Zunächst mal finde ich es hervorragend, wie sich Markus Brügel als Nachfolger von Frank Bühler im Hauptamt zurechtfindet. Gerade in der Pandemiezeit stellen diese Anforderungen für ihn und seine Mitarbeiterinnen im Hauptamt eine besondere Herausforderung dar. Auch bei Tobias Polley als Nachfolger für Bettina Kist bin ich zuversichtlich. Ich bin davon überzeugt, dass er seine Fähigkeiten in hervorragender Weise umsetzt und ein würdiger Nachfolger für Bettina Kist sein wird. Man muss ihm dabei für eine Eingewöhnungsphase auch Zeit geben. Fluktuationen gibt es in jedem Betrieb.

„Ein Vollsortimenter wäre ganz wichtig“

Das Lebensrad dreht sich immer weiter. Die Verantwortlichen müssen deshalb immer wieder schauen, welche Lösungen für den Betrieb die Beste ist.

BT: Stehen noch weitere Personaländerungen an?
Braun: Auch bei der Leitung des Bauamtes wird es altersbedingt in absehbarer Zeit, voraussichtlich im Jahr 2022, wohl einen Wechsel geben. Welche Lösung – intern oder extern – es geben wird, werden verschiedene Gespräche mit sich bringen. Ein über 30-jähriger Erfahrungsschatz geht auf alle Fälle verloren.

BT: Herr Braun, auf was sind Sie denn stolz in diesem Jahr?
Braun: Ehrlich gesagt, hatte ich noch gar nicht groß Zeit, darüber nachzudenken oder zurückzublicken. Man steckt zu sehr in der täglichen Arbeit. Ich denke aber, die große Aufgabe der Pandemie ohne zusätzliches Personal bewerkstelligt zu haben, kann uns in der Verwaltung mit Stolz erfüllen.

BT: Sehen Sie die Gemeinde also gut aufgestellt?
Braun: Alles in allem habe ich schon das Gefühl. Die zum Haushalt 2021 und im Rechnungsergebnis vorgestellten Zahlen belegen dies ja auch.

BT: Wie optimistisch sind Sie, dass man in Sachen Nahversorgung weiter vorankommt – Stichwort Edeka-Markt?
Braun: Ich würde mir wünschen, dass es zwischen Grundstückseigentümer und Betreiber bald zu einem Abschluss kommt und die Gemeinde die planungsrechtlichen Schritte in die Wege leiten kann. Der Ausbau des bisherigen Lebensmittelmarktes zu einem Vollsortimenter wäre für Bühlertal schon wichtig. Nicht nur von den Bühlertälern, auch von außerhalb würde dieses Angebot mit Sicherheit sehr gut angenommen. Ich bin zuversichtlich, dass es in den kommenden Wochen ein positives Ergebnis geben wird.

BT: Bei so viel Aufgaben: Wie entspannen Sie persönlich denn von der Arbeit? Etwa mit Sport?
Braun: Leider zu wenig (lacht). Meine Frau und ich versuchen aber, ein bis zweimal die Woche spazieren zu gehen. Am Wochenende klappt das eigentlich immer. Darüber hinaus stehen in der Regel ebenfalls an den Wochenenden Gartenarbeiten an, die mich dazu zwingen, gesundheitsfördernde Bewegungen zu machen. Diese machen mir auf der anderen Seite aber immer wieder Spaß – einfach sich in freier Natur zu bewegen.

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Erstellt:
8. Januar 2021, 14:00 Uhr
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