Nostalgie-TV mit Thomas Gottschalk

Mainz (wys) – Mit drei Shows würdigt der Entertainer die „Hitparade“, die 90er Jahre und das Jubiläum von „Wetten, dass..?“

Thomas Gottschalk moderiert die nostalgische Schlagerparty „50 Jahre ZDF-Hitparade – Die Zugabe“. Foto: Stefan Gregorowius/SWR

Thomas Gottschalk moderiert die nostalgische Schlagerparty „50 Jahre ZDF-Hitparade – Die Zugabe“. Foto: Stefan Gregorowius/SWR

Der 50. Geburtstag der Kultsendung „Hitparade“ ist zwar schon zwei Jahre her – doch die Jubiläumsshow lockte 2019 so viele Zuschauer vor den Bildschirm, dass das ZDF jetzt nachlegt: Thomas Gottschalk moderiert am 10. Juli die nostalgische Schlagerparty „50 Jahre ZDF-Hitparade – Die Zugabe“mit Stars wie Roland Kaiser oder Bülent Ceylan. In der Show plaudert der Sonnyboy mit zahlreichen Gästen über die Musik von damals, über Schlaghosen und Koteletten und nicht zuletzt über Dieter Thomas Heck (1937-2018), der die legendäre Sendung am 18. Januar 1969 aus der Taufe gehoben hatte.

„Hier ist Berlin!“: Mit diesen Worten begrüßte Heck vor 50 Jahren die Zuschauer zur ersten Ausgabe der „Hitparade“, in der Roy Black „Ich denke an dich“ trällerte, Karel Gott „Weißt du wohin?“ sang und Bata Illic „Mit verbundenen Augen“ schmachtete. Diese Musik galt schon damals als unzeitgemäß, denn im 1965 gestarteten „Beat-Club“ von Radio Bremen traten derweil schon angesagte englischsprachige Bands wie „The Who“ auf. Heck verteidigte sein Konzept: „Wir leben in einem Land, wo man Deutsch spricht, warum soll man nicht auch Deutsch hören“ – der Erfolg gab ihm recht.

25 Millionen Zuschauer zu Glanzzeiten

Die Zuschauer liebten den Schlagermix zum Mitsingen, zu ihren Glanzzeiten schalteten bis zu 25 Millionen Zuschauer pro Folge die Show ein. In vielen guten Stuben hieß es samstagabends: „Nach dem Bade Hitparade“. Das Mikrofon von Dieter Thomas Heck hatte ein langes Kabel, und Costa Cordalis hatte Schweißflecken auf dem Hemd: Aus heutiger Sicht steht die „Hitparade“ für die gute alte vordigitale Zeit. Dabei wird vergessen, dass die Show damals progressiv war, denn sie war bunt (das Farbfernsehen gab es erst seit zwei Jahren) und wurde live gesendet. Die „Hitparade“ war eine Erfolgssendung zwischen Kult und Kommerz. Die Umsätze der Plattenindustrie schnellten nach jeder Folge in die Höhe, die Show war das ultimative Karrieresprungbrett für Schlagersänger.

Nach 183 Ausgaben das Ende von Heck

Das Publikum durfte aus den vorgestellten Songs den Sieger wählen, und es war kein Geheimnis, dass die Plattenfirmen auf die Abstimmung Einfluss nehmen wollten, indem sie die Fanclubs mobilisierten. Schnellsprecher Heck, der als Kind im Krieg bei einem Bombenangriff verschüttet worden war und danach lange stotterte, musste sich gar die Frage gefallen lassen, ob er bestechlich sei.

Jahrelang machten in der Kultshow Interpreten wie Katja Ebstein, Roland Kaiser oder Peter Maffay mit ihren oft schnulzigen Liebesliedern die vorderen Plätze unter sich aus. Doch dann kam die Neue Deutsche Welle: 1983 stand die Band „Trio“ mit dem anzüglichen „Anna – Lass mich rein, lass mich raus“ auf Platz eins und drehte den Fans der Heile-Welt-Schlager eine lange Nase. Später verlor die Show ihren Nimbus, nach 183 Ausgaben gab Heck die Moderation der „Hitparade“ ab: 1985 übernahm Viktor Worms, 1990 folgte ihm Uwe Hübner. Bis 2000 schleppte das ZDF das Format mit wechselnden Konzepten durch, nach 368 Ausgaben war dann Schluss. Eine Neuauflage bei RTL2 war 2011 nur kurzlebig.

Thomas Gottschalk präsentiert die Jubiläumsshow vor einer originalgetreu rekonstruierten Studiokulisse. Am 24. Juli feiert der 71-Jährige eine weitere Nostalgierevue, „Gottschalks große 90er Show“ im ZDF. Am 4. November steht schließlich eine einmalige Neuauflage von „Wetten, dass..?“ zum 40. Geburtstag des Showklassikers auf dem Programm, ebenfalls mit Gottschalk.


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