Not macht erfinderisch

Rastatt (galu) – Es sind die kleinen Momentaufnahmen des Lebens: Kurioses, Schönes, Ärgerliches. „Lebensnah“ schreibt Lukas Gangl diese Woche über unentspannte Duschen.

Momentaufnahmen aus dem Alltag der BT-Redakteure sind unter der Rubrik „Lebensnah“ zu finden. Grafik: stock.adobe.com/Badisches Tagblatt

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Momentaufnahmen aus dem Alltag der BT-Redakteure sind unter der Rubrik „Lebensnah“ zu finden. Grafik: stock.adobe.com/Badisches Tagblatt

Nur noch fix duschen, dann bin ich bereit für den Tag – zumindest hatte ich mir das so gedacht, als ich mich kurz vor Weihnachten auf den Weg in mein Badezimmer machte. Eine Sache sollte mir jedoch einen Strich durch die Rechnung machen: die Halterung meines Duschkopfs. Das gute Stück hatte seine besten Zeiten schon bei meinem Einzug im letzten Februar lange hinter sich, erfüllte bis dahin aber noch seinen Zweck – dementsprechend stand eine Erneuerung dessen auch nicht auf meiner To-do-Liste. An diesem Tag wollte das kleine, marode Plastikteil aber nicht mehr. Und so landete der Duschkopf nach wenigen Minuten erst auf meinem Kopf und dann mit Vollgas auf meinem Fuß. Die bisher gute Laune des Tages war damit auch erst mal dahin. Kopf: tut weh, Fuß: tut weh, Haare: noch zur Hälfte einshampooniert.

Klar, man könnte jetzt hier die Brause auch einfach in die Hand nehmen und so weiterduschen. Aber ab einer gewissen Haarlänge und Anzahl an Haarpflegeprodukten ist das einfach unpraktisch, zumal das meditative Berieseln lassen für mich zum optimalen Duscherlebnis dazu gehört. Somit wäre das also keine Dauerlösung gewesen. Ein Ersatzteil besorgen ging ja nun auch nicht – die Baumärkte sind ja im Lockdown auch geschlossen. Zumal mangelnde handwerkliche Begabung eine Montage ohnehin nahezu unmöglich gemacht hätte. Eine sehr unentspannte Dusche später jedoch die rettende Idee: Panzertape und Kabelbinder aus dem Campinggepäck – selbst Höhe und Neigungswinkel bleiben durch die zugegebenermaßen sehr provisorische Konstruktion verstellbar. Der Tag – und zukünftige Duschgänge – somit vorerst gerettet, die Brust vor stolz geschwollen. Oder wie mein Vater zu sagen pflegt: „Dumm darf man sein, man muss sich nur zu helfen wissen!“

Lebensnah schrieb Daniela Jörger vor zwei Wochen über das Weihnachtsgefühl in Corona-Zeiten. Nora Strupp machte im Dezember außerdem das befreiende Gefühl einer entrümpelten Wohnung zum Thema ihres „Lebensnah“.

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Erstellt:
10. Januar 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 59sec

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