Notbetreuung: Baden-Württemberg geht einen Sonderweg

Stuttgart (bjhw) – Kitas und Schulen im Land sollen Schritt für Schritt wieder öffnen – allerdings nur, wenn die Corona-Infektionszahlen es hergeben.

Notbetreuung in einer Kita: In Baden-Württemberg soll ein Plan für eine langsame Öffnung her.Foto: Uwe Anspach/dpa

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Notbetreuung in einer Kita: In Baden-Württemberg soll ein Plan für eine langsame Öffnung her.Foto: Uwe Anspach/dpa

Seit Monaten versucht Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), aus dem Geleitzug der Länder bei der Umsetzung von vereinbarten Corona-Maßnahmen so selten wie möglich auszuscheren. Jetzt sorgt er für bundesweite Schlagzeilen.

Kretschmann skizzierte noch während der Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstagabend einen möglichen Sonderweg zur Öffnung von Kitas und Schulen am 1. Februar. Und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) machte umgehend öffentlich, dass sie Anfang Februar Kitas für die Betreuung in festen Gruppen ganz öffnen möchte und die Grundschulen für die Klassen eins und zwei. Ihre bisherigen Vorschläge sind dem Staatsministerium allerdings zu allgemein.

Eisenmann verlangt „Perspektive“ für Eltern

Warum geht Baden-Württemberg eigene Wege?

Eisenmann hatte schon vor dem Jahreswechsel eine rasche Rückkehr in Schulen und Kitas in Aussicht gestellt und verlangt seither, Familien zumindest „eine Perspektive“ zu eröffnen. Sie freue sich, so Kretschmanns Herausforderin bei der Landtagswahl am 14. März, dass jetzt eine Unterstützung „in dieser schwierigen Zeit“ möglich werde und verwies auf bereits vorgelegte Pläne. Ein entsprechendes Schreiben wurde vom Staatsministerium allerdings nicht als Entscheidungsgrundlage anerkannt. Es fehle „die Ausarbeitung und die Anleitung“, so Regierungssprecher Rudi Hoogvliet. Verlangt werden Details bis hin zum Transport der Kinder. Kretschmanns Vorgabe lautet: „Vorsichtig und Schritt für Schritt zu öffnen“. Allerdings nur, wenn es die Zahlen hergeben. Grundsätzlich ist das Land in einer besonderen Situation – insofern, als es anders als in Berlin, Brandenburg oder in Sachsen keine traditionellen Winterferien Anfang Februar gibt. Die werden andernorts dazu genutzt, Kitas und Schulen zumindest für eine weitere Woche geschlossen zu halten.

Wie sind die Reaktionen?

Für den Grundschulverband erkennt sein Vorsitzender Edgar Bohn an, dass die Kultusministerin aus den Erfahrungen nach dem ersten Lockdown Konsequenzen gezogen habe, als der Präsenzunterricht zuerst für Viertklässler wieder geöffnet wurde. Gerade die Kleineren seien „in ihren Lern- und Entwicklungsprozessen aber in besonderer Weise auf die Anwesenheit anderer Kinder und einer wertschätzenden Lehrkraft angewiesen“, so Bohn. „Mit der Bildung, die wir den Kindern heute vorenthalten oder ermöglichen, werden sie die Welt von morgen gestalten.“ Zugleich verlangen alle Bildungsverbände, die pandemische Situation zu beachten und den Wiedereintritt in die Schule nur bei einer entsprechenden Corona-Entwicklung zu ermöglichen.

Nachfrage nach Notbetreuung hoch

Wie läuft die Notbetreuung?

Auf ihrer jüngsten Wahlveranstaltung am Dienstag erklärte Eisenmann, es gebe Kitas und Schulen mit einer Beteiligung von bis zu 80 Prozent der Kinder. Sie frage sich, warum dann nicht auch geöffnet werden könne. Nach den Durchschnittszahlen aus ihrem Haus liegt „der Anteil der betreuten Kinder an der Gesamtzahl der regulär in der Grundschule unterrichteten Kinder zwischen zehn und 25 Prozent“. Es sei aber davon auszugehen, dass die Nachfrage kontinuierlich zunehmen werde.

Wann könnten die höheren Klassen in die Schulen zurückkehren?

Die gegenwärtigen Pläne des Kultusministeriums sehen vor, dass in weiterführenden Schulen der Fernunterricht bis Mitte Februar fortgesetzt werden soll, um ab 22. Februar ebenfalls in den Präsenzunterricht zu wechseln. Bereits informiert sind alle Schulleitungen unter anderem darüber, dass bei einem um mindestens vier Woche reduzierten Präsenzunterricht eine schriftliche Arbeit für die Notengebung ausreicht.

Wie kann versäumter Stoff nachgeholt werden?

Eisenmann erinnert daran, dass jede Schulkonferenz eigenverantwortlich über die Einführung von Unterricht auch am Samstag entscheiden kann, um mehr Zeit zum Lückenschließen zu haben. Sie werde prüfen, ob Angebote analog zu den Lernbrücken im vergangenen Sommer sinnvoll seien. „Aber dazu müssen wir erst wissen, wie lange Schulen geschlossen bleiben.“


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