Kampagne gegen Motorradlärm startet in Forbach

Forbach (naf) – Kampagne gegen Motorradlärm startet in Forbach: Schilder sollen für rücksichtsvolles Fahren sensibilisieren.

Während der Polizeikontrollen werden die Motorräder unter anderem mit einem Schallmessgerät überprüft. Foto: Nadine Fissl

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Während der Polizeikontrollen werden die Motorräder unter anderem mit einem Schallmessgerät überprüft. Foto: Nadine Fissl

„Bei besserem Wetter würde es uns nicht gelingen, uns hier ungestört zu unterhalten.“ Dann wäre die Forbacher Bürgermeisterin Katrin Buhrke, wie sie selbst sagt, nur in den Pausen zwischen den laut vorbeirasenden Motorrädern zu verstehen. Die Forbacher Einwohner leiden unter der Lärmbelastung und sie sind nicht die einzigen. Abhilfe soll nun die neue Kampagne des ADAC in Baden-Württemberg „Bitte leise“ schaffen.

Mit Unterstützung des Innenministeriums und der Verkehrssicherheitsaktion „Gib Acht im Verkehr“ werden mehr als 200 Schilder in rund 100 Gemeinden aufgestellt – sie sollen für eine rücksichtsvollere Fahrweise werben. Aussagen wie „Respekt zeigen. Leise fahren“, „Bitte nicht röööhren“ oder „Leise fahren. Lärm ersparen!“ werden auf großflächigen Tafeln bald den Straßenrand zieren.

Dieses Schild steht seit Freitag an der L83 in Herrenwies. Foto: Nadine Fissl

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Dieses Schild steht seit Freitag an der L83 in Herrenwies. Foto: Nadine Fissl

Das erste wurde am Freitag unter anderem von Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz an seinem neuen Platz an der L83 in Herrenwies eingeweiht. „Die malerischen Straßen werden mit Rennstrecken verwechselt“, bedauert Hinz. „Und das zulasten Dritter. Das können und werden wir nicht akzeptieren“. Die neue Kampagne ist Teil des Fünf-Punkte-Plans des Landes. Dieser geht mit Kontrollen und Präventionsarbeit gezielt gegen Raserei und Lärm vorgeht. „Mit der Schilderkampagne bringen wir die Botschaften genau dahin, wo sie hingehören, nämlich an die Strecke, wo der Lärm entsteht“, betont die Landespolizeipräsidentin. Die Polizeibeamten seien unterdessen „bestens aufgestellt“, um unzulässige Manipulationen an den Motorrädern zu erkennen.

Polizei hat technische Veränderungen und Lärmbelastung im Blick

„Das ist unser täglich Brot“, bestätigt Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion im Präsidium Offenburg. Ab diesem Wochenende werden die Beamten verstärkt Kontrollen an den stark von Motorrädern befahrenen Strecken durchführen. Dabei betrachten sie nicht nur die Geschwindigkeit der Zweiräder, sondern nehmen auch technische Veränderungen und Lärmbelastung in den Blick. Vor allem Fahrzeuge, die bewusst manipuliert wurden, sollen so abgepasst werden. Ein Motorrad sei allerdings nicht zuletzt so laut oder leise, wie es der Fahrer steuert. „Jeder kann durch seinen Fahrstil erheblich auf die Geräuschentwicklung seines Fahrzeugs einwirken“, sagt Buhrke. Der ADAC appelliert aus diesem Grund, möglichst vernünftig, leise und umweltfreundlich zu fahren. Vor allem ein starkes und damit lärmintensives Beschleunigen direkt nach der Ortschaft sei im Sinne aller Anwohner zu vermeiden.

Forderung nach rücksichtsvoller Fahrweise

„Für überflüssigen Motorradlärm habe ich kein Verständnis“, äußert sich Innenminister Thomas Strobl, (CDU), der die Kampagne zwar unterstützt, die Einweihung allerdings kurzfristig nicht wahrnehmen konnte. So auch Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne): „Unser Ziel ist es auch, die Lärmverursacher zu sensiblisieren, denn dieser Lärm ist völlig unnötig“, schreibt er in einer Mitteilung und fordert eine rücksichtsvolle Fahrweise.

Eine Verbesserung erreiche man nur gemeinsam mit den Motorradfahrern wie Alfred Haas, Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik des ADAC Südbaden, ausführt. Drastische Fahrverbote sollten verhindert werden.

In den letzten 50 Jahren hat sich der Bestand der Motorräder in Baden-Württemberg laut ADAC fast verzwanzigfacht, 2020 waren insgesamt 699.000 Stück zugelassen. Für diese sind die L83 als Verbindungsstrecke im Murgtal sowie die B500 zwischen Baden-Baden und Ruhestein beliebte Fahrstrecken.

Dort seien nicht nur die Fahrweise der Motorradfahrer oder die Bauart der Fahrzeuge das Problem, sondern teilweise auch die Ortslage. „Durch die Schwarzwald-Topografie sind auch Gebiete von Lärm betroffen, die nicht unmittelbar an den Straßen liegen“, so Buhrke. Sie hofft auf Besserung, auch um in Zukunft keine E-Mails mehr von Touristen zu erhalten, die schreiben: „Es war wunderschön bei euch. Aber zu laut. Wir kommen nie wieder.“


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