Nur mit „guten Geistern“ zu bewältigen

Baden-Baden (kie) – Unsicherheiten und Umplanungen sind derzeit wegen der Corona-Pandemie auch im Kulturbetrieb an der Tagesordnung. Unter anderem ist der Kartenvorverkauf betroffen.

In Theater- und Konzertsälen heißt es derzeit abwarten. Noch ist unklar, was die für Donnerstag angekündigte Ministerpräsidentenkonferenz für die Kultur- und Veranstaltungsbranche beschließen wird. Foto: Georg Wendt/dpa

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In Theater- und Konzertsälen heißt es derzeit abwarten. Noch ist unklar, was die für Donnerstag angekündigte Ministerpräsidentenkonferenz für die Kultur- und Veranstaltungsbranche beschließen wird. Foto: Georg Wendt/dpa

Werden Theater- und Konzertabende in Zukunft noch stattfinden können? Oder wird der Kampf gegen die vierte Corona-Welle zu weiteren Einschränkungen oder gar einem Lockdown des Kulturbetriebs führen? Vieles ist im Vorfeld der für Donnerstag angekündigten Ministerpräsidentenkonferenz noch unklar; in der Veranstaltungsbranche heißt es deshalb abwarten. Doch die Situation hat bereits konkrete Auswirkungen auf den Kartenvorverkauf.

Erst vor einer Woche war mit dem Erreichen der Alarmstufe II die 2G-plus-Regelung und eine Reduzierung der Sitzplätze auf 50 Prozent der Kapazitäten im Kulturbereich eingeführt worden. Im Festspielhaus Baden-Baden ging so das bereits ausverkaufte Konzert von Max Raabe erneut in den Vorverkauf mit der Hälfte der Eintrittskarten. Wie Rüdiger Beermann, Kommunikationsdirektor des Festspielhauses erklärt, brächten besonders die Zuschauerbeschränkungen derzeit einen „erheblichen Mehraufwand“ mit sich, gerade bei gut besuchten Veranstaltungen.

Umprogrammierungen und intensive Beratungen am Telefon

Ohne die „hilfreichen und guten Geister“, die in den Call-Centern und an den Vorverkaufskassen sitzen, sei das alles momentan nicht zu schaffen: „Man sieht sie nicht, doch sie leisten Großes: von der raschen Umprogrammierung von 2.500 Plätzen im Webshop bis zum intensiven Beratungsgespräch am Telefon.“ Zu bewältigen sei die derzeitige Situation nur mit „einem hervorragenden Teamgeist, aber auch mit Geld und viel Planungs-Energie“. Die entstandenen Kosten könnten derzeit noch nicht benannt werden. „Im Moment sehen wir nur, wie viele Einnahmen in unserer Hochsaison entgehen. Das ist wie in anderen Branchen ein Jammer“, so Beermann.

Auch Johannes Tolle, Geschäftsführer von Reservix, teilt mit, dass die erneuten Restriktionen für viele der 7.500 Veranstalter-Kunden des Freiburger Ticketing-Unternehmens „große finanzielle, teils existenzbedrohende Ausfälle“ bedeuteten. Gegenüber den Ticketkunden arbeiteten die Service-Bereiche ebenfalls „erneut mit Hochdruck an den erforderlichen Verlegungen oder Rückabwicklungen vieler Veranstaltungen“.

Der Mehraufwand sei „erheblich“ – und wird bei Reservix zusätzlich strukturell erschwert, wie Tolle ausführt: Denn solange vom Veranstalter kein offizieller Auftrag vorliege, könne das Unternehmen als Dienstleister nicht eigenverantwortlich einen Termin ändern. „Obwohl durch die immense Belastung unserer Service-Bereiche einige Rückmeldungen derzeit deutlich länger dauern, reagieren die meisten Ticketkäufer verständnisvoll“, so Tolle. Das Festspielhaus-Publikum reagiert laut Beermann „grandios“ und „geduldig“. Die Nachfrage nach Tickets sei unterschiedlich groß, aber nach wie vor vorhanden. „Ohne dieses Publikum wäre die Situation psychisch für viele von uns nicht zu schaffen.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
1. Dezember 2021, 19:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 10sec

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