Nur vier Leugen bis Baden-Baden

Baden-Baden (hez) – Die Kopie eines römischen Meilensteins, der vermutlich zwischen den Jahren 213 und 217 zwischen Steinbach und Sinzheim aufgestellt wurde, steht beim Bahnhof in Oos.

In einer kleinen Grünanlage gegenüber dem Ooser Bahnhof steht die Kopie eines römischen Meilensteins. Foto: Henning Zorn

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In einer kleinen Grünanlage gegenüber dem Ooser Bahnhof steht die Kopie eines römischen Meilensteins. Foto: Henning Zorn

Auf ihre glanzvolle römische Vergangenheit weist die Stadt Baden-Baden in Oos hin. In einer kleinen Grünanlage gegenüber dem Bahnhofsgebäude steht – von Reisenden meist unbemerkt – die Kopie eines großen römischen Meilensteins.
Gefunden wurde das Original des sogenannten Leugensteins bereits im Jahre 1586 an der alten Römerstraße zwischen Steinbach und Sinzheim. Darauf wird die Entfernung nach Aquae (Baden-Baden) mit vier Leugen angegeben. Eine Leuge (altes gallisches Längenmaß) entsprach etwa 2,2 Kilometern.

Solche Steine dienten als amtliche Entfernungsanzeiger entlang der Fernstraßen des Römischen Reiches. Die runden Säulen auf quadratischem Sockel trugen eine Inschrift, zu deren festen Bestandteilen die Kaisertitulatur sowie die Distanzangabe zum nächsten Verwaltungszentrum gehörten.

Wörtlich heißt es in der Inschrift: „Unter dem Imperator Caesar Marcus Aurelius Antoninus, dem Frommen und Glücklichen, dem Erhabenen, dem Sieger über die Parther und Briten, dem obersten Priester, Vater des Vaterlandes, viermaligen Konsul, Prokonsul (hat) die Stadtgemeinde Baden (diesen Stein errichtet).“

Aufstellung um 213 nach Christus

Da hier verwiesen wird auf den herrschenden Kaiser Caracalla, kann man davon ausgehen, dass der Meilenstein zwischen 213 und 217 nach Christus aufgestellt worden ist. Veranlasst wurde das von der „Civitas Aquensis“, also dem politischen Gemeinwesen des Bezirks Baden-Baden, das in dieser Inschrift vom eigentlichen Ort Baden-Baden („Aquae“) unterschieden wird.

Diesen Meilenstein hat man nach seiner Entdeckung an verschiedenen Orten präsentiert. Zunächst soll er auf dem Staufenberg (Merkur) aufgestellt worden sein, dann musste er im Garten des hiesigen Jesuitenkollegs (heute Rathaus) als Fußgestell einer Sonnenuhr dienen. 1804 schaffte man den Meilenstein in die neue Antiquitätenhalle am Marktplatz. Nach deren Abbruch wurde das fast 700 Kilogramm schwere steinerne Relikt aus römischen Zeiten in die Sammlung des Großherzogs in Karlsruhe eingegliedert. Später wanderte es in die Bestände des Badischen Landesmuseums.

Original im Deutschen Historischen Museum in Berlin

2002 trat der Meilenstein seine bislang letzte Reise an. Sie führte ihn als Leihgabe nach Berlin ins Deutsche Historische Museum, dessen damaliger Generaldirektor diesen steinernen Zeugen der Antike am Oberrhein einst in Karlsruhe bei einer Sonderausstellung gesehen hatte und davon begeistert gewesen war.

Aber so ganz ist dieser Meilenstein nicht aus Baden-Baden verschwunden. So befindet sich ein Abguss in der Sammlung des Stadtmuseums im Alleehaus. Eine weitere Kopie wurde 1981 auf Wunsch von Oberbürgermeister Walter Carlein am Leopoldsplatz aufgestellt. Bei der Umgestaltung des Platzes nach der Eröffnung des Michaelstunnels hat man sie dann abgeräumt und im Bauhof verstaut – bis das Gartenamt eine neue Verwendung fand. Nach der Neugestaltung der Grünanlage gegenüber dem Ooser Bahnhof im Jahr 2000 wurde hier dann auch die Meilenstein-Kopie untergebracht.

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Erstellt:
8. Juni 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 20sec

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