Nur zögerliche Umstellung auf Bio

Ein Apfelbaum auf einer Streuobstwiese: Die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden hat zuletzt abgenommen. Foto: Arne Dedert/dpa

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Ein Apfelbaum auf einer Streuobstwiese: Die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden hat zuletzt abgenommen. Foto: Arne Dedert/dpa

„Im Idealfall“, wie es heißt, könnten es sogar 40 Prozent sein. Jetzt hat das Agrarministerium neue Zahlen für Baden-Baden und Rastatt vorgelegt, die zeigen, dass in beiden Kreisen auf dem Weg dahin keine einfachen Jahre bevorstehen. Derzeit sind insgesamt 550 Betriebe erfasst, von denen gerade mal 30 ökologisch arbeiten, 2016 waren es 24 von 653. Dementsprechend schrumpft die landwirtschaftlich bewirtschaftete Fläche.

Spargel und Wein, Obst, Gemüse, Kartoffeln, Hühner und Eier: Die Palette der Produkte ist vielfältig, die Nachfrage steigt ständig. Unter dem Gesichtspunkt der Biodiversität beschreibt Peter Hauk, der Minister für den ländlichen Raum, die beiden Kreise gerade zu poetisch. „Der hohe Anteil an Streuobstbäumen von der Rheinebene über die Vorbergzone bis in die Höhen des Schwarzwaldes und die kleinräumigen Strukturierungen, wie im Murgtal mit extensiven Weideflächen für Schafe und Ziegen, Hecken und Strauchstrukturen, stellen wertvolle Lebensräume dar“, so beantwortet der gelernte Förster eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Thomas Hentschel und Hans-Peter Behrens.

Insgesamt nehmen die Anbauflächen ab

Die Statistik zur Umstellung auf Öko spricht allerdings eine andere Sprache. Gerade die überhaupt erst 2018 eingeführte getrennte Erfassung der Fördersummen verdeutlicht die Verhältnisse. In die konventionelle Landwirtschaft in Rastatt und Baden-Baden sind 2019 insgesamt 6,1 Millionen Euro geflossen, an die ökologischen Betriebe weniger als 600.000 Euro. Und für beide Bereiche nimmt die Fläche ab, seit 2016 im Landkreis Rastatt um 136 Hektar und in Baden-Baden um sechs. Aber nicht nur in der Rheinebene, auch sonst im Land ist der Nachholbedarf in Sachen Bio erheblich. Nicht einmal 15 Prozent der Fläche ist bisher bei der zuständigen Öko-Kontrollbehörde als biologisch bewirtschaftet gemeldet. Und den größten Sprung hat nicht Grün-Schwarz, sondern die grün-rote Vorgängerregierung zu verantworten.

Agrarhilfen wurden erhöht

Bis zum Machtwechsel 2011 lag der Anteil unter zehn Prozent, 2016 bereits bei 13. Ein Jahr zuvor wurden die Agrarhilfen für Biobauern zudem kräftig erhöht. Seither bekommen Landwirte nach Umstellung auf Bio für zwei Jahre fast das Doppelte der bisherigen Förderung und nach Ablauf dieser Zeit noch bis zu 20 Prozent mehr als 2014. Der Aktionsplan Bio ist Hauk zufolge weiterentwickelt und rückt noch stärker die Wertschöpfungskette als Ganzes in den Fokus. Ein umfangreiches Bündel von Maßnahmen solle „die Rahmenbedingungen für die Höfe verbessern sowie den Einstieg in ökologischen Landbau und ökologische Lebensmittelwirtschaft sowie die Vermarktung der Produkte erleichtern“.

Ihr Autor

Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
25. Dezember 2020, 12:50 Uhr
Lesedauer:
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