OB: Alarmglocken müssen schrillen

Rastatt (ema) – Die Sieben-Tages-Inzidenz hat in Rastatt den Rekordwert von 328,5 erreicht. Aus Sicht von OB Hans Jürgen Pütsch müssen die Alarmglocken schrillen.

Das Testzentrum in der Reithalle ist nicht ausgelastet. Auf den Dörfern wird auch ein Angebot erwogen. Foto: Stadt

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Das Testzentrum in der Reithalle ist nicht ausgelastet. Auf den Dörfern wird auch ein Angebot erwogen. Foto: Stadt

Der drastische Anstieg der Corona-Infektionen in Rastatt findet kein Ende. Gestern meldete das Gesundheitsamt 42 Neuinfektionen in der Stadt, wodurch die Sieben-Tages-Inzidenz auf 328,5 geklettert ist. OB Hans Jürgen Pütsch will mittlerweile spezielle Beschränkungen allein für die Stadt nicht ausschließen.
„Bei den Menschen müssen die Alarmglocken schrillen“, mahnte der Rathaus-Chef gestern vor der Presse mehr Problembewusstsein bei den Bürgern an. Wer die Schutzmaßnahmen ignoriere, begehe „kein Kavaliersdelikt“. Pütsch kündigte an, dass der kommunale Ordnungsdienst angesichts des Pandemieausmaßes in stärkerem Maße eingreifen werde. An alle Bürger über 18 Jahre will der OB einen „Brandbrief“ schreiben mit der Aufforderung, die Regeln zu befolgen und sich testen zu lassen. An die Unternehmen appellierte Pütsch, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden und in Betrieben Tests zu ermöglichen.

„Testen, testen, testen“

In der aktuellen Situation gibt der OB vor allem die Parole „testen, testen, testen“ aus. Und da besteht offenbar noch Luft nach oben. Das am vergangenen Freitag eröffnete kommunale Testzentrum in der Reithalle ist noch nicht ausgelastet. Aktuell habe man eine Kapazität von 200 Testungen am Tag. Am Dienstag zählte man 193 Tests, am Mittwoch waren es 104. Pütsch vermutet, dass manche Bürger ihren online gebuchten Termin verstreichen lassen. Erwogen wird jetzt, abseits der Terminvereinbarung eine dritte Teststraße aufzumachen, um Bürgern ohne Anmeldung Zugang zu gewähren. Mit den Ortsvorstehern hat sich der Verwaltungschef darauf verständigt, weitere Testzentren in den Dörfern ins Auge zu fassen in Kooperation mit Ehrenamtlichen, Ärzten und Apothekern. Zu einem späteren Zeitpunkt hält es der OB für denkbar, das Testzentrum in ein Impfzentrum umzuwandeln.

Angesichts der drastischen Infektionszahlen speziell in der Stadt kann sich Pütsch vorstellen, dass das öffentliche Leben in Rastatt eingeschränkt wird. Der OB nannte eine Ausgangssperre und verschärfte Maskenpflicht; darüber sei man mit dem Gesundheitsamt im Gespräch. Eine Absage erteilt der OB einer flächendeckenden Schließung der Kitas.

Man dürfe niemanden in Sippenhaft nehmen, so der Rathaus-Chef. Das Infektionsgeschehen sei nach wie vor diffus; man habe keine eindeutigen Hotspots zur Erklärung der Entwicklung.

Pütsch kündigte einen Schulterschluss der mittelbadischen Oberbürgermeister und des Landrats an, um sich über Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung auszutauschen und Kräfte zu bündeln. Im Gemeinderat soll regelmäßig über die Pandemie-Entwicklung informiert werden; am Montag werden im Gremium Vertreter des Gesundheitsamts erwartet. An die Landes- und Bundespolitik richtete der OB den Appell, ein „Belohnungssystem“ für getestete Menschen zu schaffen. Starre Zahlen dürften nicht der einzige Maßstab sein für eine „Vorwärtsstrategie Richtung Öffnung“.


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