OB-Wahl in Baden-Baden: Wer bleibt im Rennen?

Baden-Baden (nof) – Nach dem ersten Wahlgang in Baden-Baden stellt sich die Frage, wer als OB-Kandidat im Rennen bleibt. Fest steht: Rolf Pilarski, Stefan Bäuerle und Peter Görtzel steigen aus.

Will sich weiter auf sich und seine Pläne für die Kurstadt konzentrieren: Dietmar Späth hier mit seiner Frau Susanne. Foto: Andrea Fabry

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Will sich weiter auf sich und seine Pläne für die Kurstadt konzentrieren: Dietmar Späth hier mit seiner Frau Susanne. Foto: Andrea Fabry

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Seit Sonntagabend steht fest, dass die Baden-Badener noch einmal an die Urnen müssen, um ihr neues Stadtoberhaupt zu wählen. Spannend ist die Frage, wie viele der acht Kandidatinnen und Kandidaten im Rennen bleiben. Im Lager der Grünen und der CDU muss man sich nach dem überraschend schlechten Wahlergebnis erst mal sammeln. Andere Bewerber haben mittlerweile ihren Rückzug bekannt gegeben.

Ob sie mit dem Ergebnis von 24,7 Prozent überhaupt in einen zweiten Wahlgang gehen möchte, darüber ist Amtsinhaberin Margret Mergen (CDU) unschlüssig. Auch am Tag danach zeigte sie sich enttäuscht. „Ich habe in den vergangenen acht Jahren viel bewegt und hätte auch für die kommenden Jahre tolle Konzepte für diese Stadt“, sagte sie. „Doch Herr Späth konnte mit seiner Art wohl mehr Menschen begeistern.“ Sie berate sich nun mit ihrem Team und ihrem Mann, ob sie ihre Kandidatur fortsetze. Es hänge auch „vom Gesamtbild ab“ – also davon, wie sich Mitbewerber Roland Kaiser (Grüne) entscheiden.

Dieser wiederum hatte am Montag auch noch zu knabbern. „Der Abstand zu Herrn Späth ist schon sehr groß“, meinte er. Er habe mit Mergen telefoniert, aber auch mit anderen Bewerbern, ließ er durchblicken, dass Absprachen laufen. Den ganzen Tag über sprachen die Grünen, wie es weiter geht. Auch für den Dienstag waren Beratungen angesetzt. „Erst danach werden wir entscheiden“, so Kaiser.

Bisher keine neuen Bewerber in Sicht

Stefan Bäuerle (parteilos) hat im Gespräch mit dieser Zeitung mitgeteilt, dass er an einem zweiten Wahlgang nicht mehr teilnehmen werde. Er sei aber gespannt, ob Margret Mergen zugunsten von Roland Kaiser zurückziehe. Ähnlich äußerte sich Kandidat Peter Görtzel (parteilos), der gestern ebenfalls seinen Rückzug ankündigte. „Ich war am Sonntag nicht der große Verlierer, sondern gemessen am betriebenen finanziellen Aufwand sicher der Gewinner“, sagte Görtzel. Er werde den zweiten Wahlgang nun aus der Ferne beobachten, wolle aber auch weiterhin einen Blick auf Baden-Baden haben – vielleicht für die OB-Wahl in acht Jahren.

Auch OB-Kandidat Rolf Pilarski (FDP) steigt aus: „Drei Prozent sind eine klare Aussage des Wahlvolks. Ich werde die Lehren daraus ziehen und meine Kandidatur beenden“, teilte er auf Facebook mit. Peter Hank (Die Basis) hingegen will auf jeden Fall nochmals antreten. Das hatte er schon am Sonntag gesagt. Bettina Morlok (FBB) war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Wie erwartet, konnte sich am Sonntag keiner der Aspiranten auf den begehrten Chefsessel im Rathaus der Kurstadt im ersten Wahlgang durchsetzen. Überraschend kam hingegen für viele Beobachter das Ergebnis: Wo ein enger Dreikampf zwischen Amtsinhaberin Margret Mergen (CDU), Roland Kaiser (Grüne) und dem Muggensturmer Bürgermeister Dietmar Späth (parteilos) erwartet worden war, konnte sich Herausforderer Späth mit 39,6 Prozent der Stimmen klar absetzen. Mergen (24,7) und Kaiser (24,0) folgten auf den Plätzen zwei und drei. Die fünf anderen Kandidaten landeten alle im einstelligen Bereich.

Wer nicht schriftlich zurückzieht, steht weiter zur Wahl

Nun haben die verbleibenden Bewerber noch einmal knapp zwei Wochen Zeit, um auf sich und ihre politischen Ziele aufmerksam zu machen und zu werben. Die Neuwahl findet am Sonntag, 27. März, statt. Wer aussteigen möchte, sollte sich beeilen, denn bis Mittwoch, 16. März, müssen sich die OB-Kandidaten darüber im Klaren sein, ob sie ihren Hut weiter im Ring lassen. Wer seine Bewerbung an diesem Tag bis 18 Uhr nicht schriftlich zurückzieht, steht erneut auf dem Wahlzettel.

Am Donnerstag, 17. März, trifft sich dann der Gemeindewahlausschuss ab 9 Uhr morgens, um das Ergebnis des ersten Wahlgangs von Sonntag festzustellen und zu entscheiden, ob neue Bewerber zugelassen werden. Denn nach dem ersten Wahlgang dürfen sich weitere Interessenten für das Amt des OB ins Spiel bringen, die bislang noch nicht in Erscheinung getreten sind. Auch über deren Reihenfolge wird der Wahlausschuss entscheiden.

Potenzielle neue Kandidaten sollten aufs Gaspedal treten, denn bis Mittwoch, 16. März, um 18 Uhr müssen sie sich erklärt haben und auch in Vorleistung getreten sein, denn für sie gilt: Ein Bewerbungsschreiben und 100 Unterstützerunterschriften sind einzureichen. „Das Wahlamt arbeitet bereits auf Hochtouren, um den zweiten Wahlgang vorzubereiten“, sagte Stadtpressesprecher Roland Seiter: „Die Wahlhelfer sind informiert, es gibt auch eine Urlaubssperre. Das ist eine Mammutaufgabe – auch um die Stimmzettel zu drucken und die Wahlinformationen rechtzeitig zu verschicken.“ Neue Kandidaten hätten sich bislang aber noch nicht im Rathaus gemeldet, sagte Seiter am Montagmittag auf Nachfrage dieser Zeitung. Auch die für Neuanmeldungen notwendigen Formulare seien noch nicht nachgefragt worden.

Bei der Neuwahl am Sonntag, 27. März, wird es auf jeden Fall einen Sieger geben, denn anders als beim ersten Wahlgang reicht dann die einfache Mehrheit: Wer die meisten Stimmen bekommt, wird neuer Oberbürgermeister von Baden-Baden.

Späth will „weiter Gas geben“

Den Wahlausgang in Baden-Baden beobachten derweil nicht nur die Bewohner der Kurstadt genau, sondern vermutlich auch die Einwohner von Muggensturm. Denn vom Votum in Baden-Baden hängt auch ab, ob sich die Landkreis-Kommune bald auf die Suche nach einem neuen Schultes machen muss. In Baden-Baden weitere 14 Tage Gas geben will nämlich Dietmar Späth, der klare Sieger des ersten Wahlgangs. „Das muss ich mit dem Tagesgeschäft als Bürgermeister in Muggensturm kombinieren. Aber das klappt“, sagte er auf Nachfrage dieser Zeitung. Gespräche mit anderen Kandidaten über deren möglichen Rückzug werde er nicht führen. „Ich habe mich die ganze Zeit nur auf mich konzentriert, und das wird auch so bleiben“, so der 58-Jährige.

In Muggensturm hätten ihm am Wahlabend und am Montagmorgen schon viele gratuliert. Er freue sich darüber und spüre auch große Dankbarkeit bei den Muggensturmern für die zurückliegenden fast 29 Jahre seiner Tätigkeit. „Aber natürlich blutet mir auch ein bisschen das Herz angesichts dessen, dass der Abschied aus Muggensturm greifbar wird – das wäre ja seltsam, wenn es nicht so wäre“, so Späth.

Denjenigen Baden-Badenern, die auf seinen Sieg im ersten Wahlgang mit Blick auf die Finanzierung seines Wahlkampfs mit Spendengeldern auch von Unternehmern aus der Gastronomie mit Skepsis registriert haben, versprach er, trotzdem unparteiisch zu bleiben. „Ein möglicher OB Späth macht keine Unterschiede zwischen den Menschen“, sagte er.

Kommentar von Harald Holzmann: Die Drähte glühen längst

Der Schock scheint tief zu sitzen: Amtsinhaberin Margret Mergen denkt doch tatsächlich ernsthaft darüber nach, ob es überhaupt noch Sinn macht, am 27. März beim zweiten Wahlgang anzutreten. Wer das am Tag vor der Wahl vorhergesagt hätte, der hätte nur mitleidiges Lächeln geerntet. Und auch der knapp drittplatzierte Bürgermeister Roland Kaiser hält sich mit klaren Aussagen zurück. Der Abstand sei schon sehr groß zu Dietmar Späth, sagt er. Deshalb wolle er sich noch Zeit lassen. Aber wie auch immer sich Mergen und Kaiser entscheiden, eins ist ziemlich sicher: Im Hintergrund glühen längst die Drähte. Denn es gibt nicht wenige in der Kurstadt, die unbedingt verhindern wollen, dass der Mann aus Muggensturm ans Ruder kommt im Baden-Badener Rathaus. Sie sorgen dafür, dass in den sozialen Medien Filme und Fotos kursieren, die den Kandidaten aus Muggensturm bei einem Wochenendausflug der Zeitschrift „Playboy“ nach Mallorca im Jahr 2018 zeigen.

Und sie schüren die Angst davor, dass gemeinsam mit Späth auch diejenigen Menschen Einfluss auf die Stadtpolitik bekommen könnten, die seinen Wahlkampf finanziert haben. Einen unguten Einfluss. Das böse Wort von der „Mafia im Rathaus“ macht seit Sonntag die Runde. Eine Horror-Vorstellung, die das Zeug dazu hat, CDU und Grüne in der Kurstadt zu einem gemeinsamen Vorgehen zu bewegen. Was bei den meisten inhaltlichen Themen ein Ding der Unmöglichkeit ist, könnte nun also klappen. Kein Wunder: Es geht schließlich um die Macht im Rathaus. Doch was immer geschieht: Das letzte Wort haben am 27. März eben wieder nicht Stadträte oder Parteigremien und glücklicherweise auch nicht die sicher nicht nur von hehren Absichten durchdrungenen späthschen Wahlkampf-Finanziers, sondern alleine die Bürger in der Kurstadt. Und die haben eine Abneigung gegen taktische Spielchen.

Ihr Autor

Nico Fricke und Harald Holzmann

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Erstellt:
14. März 2022, 11:25 Uhr
Aktualisiert:
14. März 2022, 16:06 Uhr
Lesedauer:
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