OB-Wahl in Stuttgart: Schreier kämpft weiter

Stuttgart (bjhw) – Würde Marian Schreier neuer Stuttgarter Oberbürgermeister, hätte er das auch einer strategischen Neuausrichtung seiner Südwest-SPD zu verdanken.

OB-Kandidat Marian Schreier. Foto: Tom Weller/dpa

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OB-Kandidat Marian Schreier. Foto: Tom Weller/dpa

Als nach mageren Wahlergebnissen für die SPD die Mandate für Landes- und Bundestagabgeordnete immer weniger wurden, nahmen eine Handvoll Strategen vor ein paar Jahren die Kommunen in den Blick.

Seither gab es immer wieder Überraschungserfolge dank gezielter Kandidatenauswahl, einschlägiger Seminare und Betreuung im Wahlkampf. 2015, in Tengen, hat der damals 25-jährige Schreier die Unterstützung durch die Partei gern angenommen, 2020 in Stuttgart zählt er auf neue Partner und nennt sich einen Vertreter der „progressiven Mitte“.

Deutschlands jüngster Bürgermeister

Schleswig-Holstein machte den Anfang. Als Abgeordnete aus dem Land 2007 im Großraum Kiel unterwegs waren, berichteten Sozialdemokraten aus dem hohen Norden, wie sie per Inserat („Auf ins Rathaus“) auf Bürgermeistersuche gehen. Seither wurden mehr als zwei Dutzend Rathäuser mit Genossen besetzt.

In Baden-Württemberg ist man noch nicht so weit, obwohl es durchaus schon Erfolge gab. Erich Holzwarth ist der zuständige Referent in der Landesgeschäftsstelle, er entwickelt passende Konzepte und kann inzwischen auf jahrelange Erfahrung bauen. Sein Rezept: „Konkurrenten abklopfen, Strategie entwickeln, Haushaltsplan lesen, Resturlaub und Ersparnisse einsetzen.“

Auf diese Weise wurde Schreier vor fünf Jahren Deutschlands jüngster Bürgermeister in der 4.600 Einwohner zählenden Gemeinde im Landkreis Konstanz. Fürs Rathaus habe er sich entschieden, erzählte er wenig später beim SPD-Landesparteitag in Singen, weil er „gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern gestalten kann“. Jetzt will er mehr.

Keine Unterstützung aus eigener Partei gewünscht

Am Freitag saß der Kandidat an einem Hochtisch in angemieteten Räumen der „Design Offices“ in der Stuttgarter Innenstadt. Er erzählt noch einmal vom Wahlabend und von den gescheiterten Versuchen, dem CDU-Spitzenreiter Frank Nopper mit einer gemeinsamen Kandidatur der „ökosozialen Mehrheit“ entgegenzutreten. Persönlich angreifen wolle er niemanden. Viel mehr Informationen herausrücken will er allerdings auch nicht, denn Inhalte zur Ausrichtung der Kampagne würden in der nächsten Woche präsentiert – „aber wir legen morgen schon wieder in allen 23 Stadtbezirken los“.

Kritiker werfen Verbindungen zu „Operation Libero“ vor

Auf wen er dabei setzen darf, ist unklar. Ein Teil der Kreis-SPD steht hinter dem gebürtigen Stuttgarter, ein anderer Teil nicht. Schreier will ohnehin weder finanzielle noch organisatorische Unterstützung von seiner Partei, was interne Kritiker erst recht auf den Plan ruft, die ihm eine Nähe zur Schweizer finanzkräftigen und einflussreichen „Operation Libero“ nachsagen.

Eine „zivilgesellschaftliche Initiative“ aus der Schweiz sei das, kontert Schreier, weitergehende Verbindungen gebe es nicht. Einer der geistigen Väter der Initiative, David Schärer, sitzt ihm allerdings bei der Pressekonferenz am Freitag gegenüber und nennt Schreier „einen Kunden wie jeder andere auch“ für seine Züricher Werbeagentur. Im Schreier-Unterstützerteam, dem „Sounding Board“, sitzen allerdings auch andere Vertreter der Initiative, darunter der frühere Schweizer Botschafter in Berlin, Tim Guldimann.


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