OB-Wahlkampf kann Zehntausende Euro kosten

Von Sarah Gallenberger, Nico Fricke, Karoline Scharfe

Baden-Baden (nof) – Wie finanzieren die Anwärter und Anwärterinnen auf den Chefsessel im Baden-Badener Rathaus ihren Wahlkampf? Wer lässt sich in die Karten gucken?

OB-Wahlkampf kann Zehntausende Euro kosten

Investition in die Zukunft: Die Wahlkampfbudgets der acht Kandidatinnen und Kandidaten für den Chefsessel im Rathaus sind recht unterschiedlich. Foto: Bernhard Margull

Roland Kaiser (Grüne) zeigt sich offen: „37.500 Euro kostet mein Wahlkampf. Davon stammen 7.500 Euro von den Grünen, 15.000 Euro aus Eigenmitteln und bei 15.000 Euro hoffe ich noch auf weitere Kleinspenden.“ Da gehe das Delta aber leider noch weit auseinander, „sodass mein Eigenanteil wohl noch steigen dürfte“, sagt Kaiser. Großspenden habe er nicht zu verzeichnen. „Ich habe nicht darum gebeten, und sie sind bislang auch nicht gekommen“, betont der Bewerber für den OB-Posten. „Ich finde, das wäre auch kein guter Start für einen OB.“ Dadurch entstehende Abhängigkeit sei einer erfolgreichen Politik nicht dienlich, schreibt er auf seiner Homepage, auf der er um Spenden bittet. „Das hat etwas mit meiner Philosophie zu tun und soll kein Angriff auf andere sein“, sagt Kaiser. „Wir haben die Kosten für den Wahlkampf einigermaßen gering halten können, weil mein Team viel Eigenleistung eingebracht hat.“ Kostenintensiv sei vor allem der Druck von Plakaten und Flyern.

„Nicht so hoch“ sind die Kosten für Agenturen bei Bettina Morlok (FBB), „da ich die Texte alle selbst schreibe“. Im Wesentlichen habe sie Firmen beziehungsweise Einzelpersonen aus der Region engagiert, doch der Wahlkampf kostet die Anwärterin trotzdem etwa 30.000 Euro – ein Betrag, der sich unter anderem aus den Druckkosten, dem Fotograf und der Website ergibt, außerdem ist für das Layout der Broschüre, Postkarten und Plakate sowie das Austragen selbiger Geld geflossen. Größere Finanzierungshilfen? „Ich bitte nur über die Website um Spenden“, so Morlok. Dort würden kleinere Beträge „in Höhe von circa fünf Prozent der Wahlkampfkosten“ eintreffen: „Vor allen Dingen von Bekannten aus Berlin, die es gut finden, dass ich kandidiere, aber keinerlei Bezug zu Baden-Baden haben.“ Somit finanziere sie ihren Wahlkampf selbst.

Ein bis zwei Euro pro Einwohner

„Ein bis zwei Euro pro Einwohner muss man nach der Faustformel investieren, um in einer Stadt wie Baden-Baden erfolgreich Wahlkampf machen zu können“, sagt Dietmar Späth (parteilos). In dieser Größenordnung bewege sich sein Budget – also mindestens 55.000 Euro. „Das muss man bereit sein, zu investieren, wenn man in so kurzer Zeit bekannt werden und gewinnen will. Das Risiko muss man eingehen.“ Weil er keinen Parteiapparat im Hintergrund habe, der finanziell aushelfe, „habe ich in Baden-Baden einige Unterstützer gesucht – und es sind viele geworden“. Viele Spender wollten nicht genannt werden, aber dass der Gastronom Mike Brandau dazu gehört, könne man ruhig sagen. „Das ist kein Geheimnis, und er hat sich ja auch schon öffentlich dazu geäußert“, sagt Späth. Von 20, 30 Euro bis hin zum „niedrigen vierstelligen Betrag“ reichten die Wahlkampfspenden. Auch Muggensturmer würden spenden, „aber nicht, um mich loszuwerden“. Seine Unabhängigkeit sieht der OB-Aspirant nicht in Gefahr. „Es gibt keine Vorteile“, betont Späth. Wie viel Geld für den Wahlkampf er am Ende aus eigener Tasche zahlen muss, wisse er noch nicht.

Sponsoren oder Eigenmittel?

Peter Görtzel (parteilos) hat bei der offiziellen Kandidatenvorstellung im Kurhaus am Montag frei heraus und mit einem Schmunzeln von seinem quasi „nicht existenten Wahlkampf“ berichtet, „weil ich dafür einfach kein Geld habe“. Spritkosten von Köln nach Baden-Baden seien angefallen. Übernachten könne er bei Freunden. Geldspenden habe er nicht bekommen, „aber dafür ein Buch-Geschenk“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Unabhängigkeit sei ihm wichtig, betont er.

Weniger in die Karten schauen lässt sich Margret Mergen (CDU). Trotz ihrer Zugehörigkeit zur CDU trete sie auch diesmal parteilos an, „da nehme ich sowieso keine Spenden an“. Und auch unabhängig davon könne sie sagen: „Ich finanziere alles selbst.“ Private Spender gebe es somit auch nicht, „aber wenn meine Schwester mir sagt, sie übernimmt die Kosten für ein Paket der Schokolinsen, die ich verteile, nehme ich das gerne an“. Alles in allem rechne sie mit einem Euro pro Wahlberechtigten. „Teuer“ seien vor allem Druckprodukte, weil dabei unter anderem Grafiker und Fotografen involviert seien. Ebenfalls als große Position auf ihrer Kostenliste zählt Mergen die Plakate auf, und „wirklich sehr teuer“ seien die Poster, die sie an den Bushaltestellen habe aufhängen lassen.

Stefan Bäuerle (parteilos) finanziert seinen Wahlkampf nach eigener Aussage selbst. Er habe knapp 2.000 Euro in Wahlplakate und seine Website investiert – das Geld komme von seinem Privatkonto. Außerdem habe er wegen des Wahlkampfes etwa 4.000 Euro Verluste gemacht. „Ich kann ja nicht mehr arbeiten“, sagt er. Seine Limousine bleibe derzeit in der Garage. Von Sponsoren hält Bäuerle nichts. „Ich bin der Meinung, dass der Oberbürgermeister eine neutrale Person sein muss“, sagt er. Sponsoren versprechen sich seiner Auffassung nach häufig eine Gegenleistung. Das gefährde die Neutralität des Rathauschefs. „Meine Unabhängigkeit ist mir am wichtigsten“, sagt Bäuerle.

Peter Hank wird von der Partei „Die Basis“ und der Bürgerinitiative „Aufrecht: Freidenken“ unterstützt. Beide finanzierten unter anderem die Drucksachen für seinen Wahlkampf – das sind etwa Plakate. Hanks Team bestehe aus zehn Leuten, sagte er. Dazu kämen noch Wahlkampfhelfer, die an den Ständen wechselten. Einige der Helfer arbeiteten ehrenamtlich. Andere Kosten wie Wahlstände und Transportgelder zahle Hank selbst. „Ich weiß nicht, wie viel ich bisher genau investiert habe“, sagt er. Obwohl er Parteimitglied sei, fühle er sich frei. „Ich bin ein freies Individuum“, sagt Hank. Allerdings agiere er nach den Grundprinzipien der Partei.

Für den Wahlkampf von Rolf Pilarski stellten unter anderem der FDP-Kreis- und Landesverband Gelder bereit. Die müsse er zurückzahlen, wenn er gewählt werde, sagt Pilarski. Zudem habe er etwa fünf Spenden von Privatpersonen aus dem Umfeld der FDP bekommen – wie viele es genau seien, wisse er bis dato nicht. Eine der Geldsummen betrage etwa 1.000 Euro, der Rest liege im Hunderterbereich. Dennoch fühlt sich Pilarski unabhängig. Er sei Rentner und damit finanziell abgesichert. „Meine Spender vertreten auch die gleichen politischen Ansichten wie ich“, sagt er. Darum sei die Unterstützung unproblematisch. Das Geld fließt unter anderem in seine Internetseite und Visitenkarten. Zudem ließ Pilarski 5.000 Prospekte drucken, die er noch verteilen will. Auch zwei Anzeigen will er schalten. „Ich verzichte aber auf Plakatierung“, sagt Pilarski. Sein Budget belaufe sich auf etwa 3.000 Euro. Mehr als 1.000 Euro habe er bereits ausgegeben.