„Oase“ sanieren oder neue Kita bauen?

Muggensturm (sl) – In Muggensturm ist es fast eine Glaubensfrage geworden: Soll der Kindergarten „Oase“ saniert oder eine neue Kita gebaut werden? Am Montag, 21. Juni, entscheidet der Gemeinderat.

•Der Kindergarten „Oase“ Muggensturm liegt mitten im Wohngebiet. Ein Vorteil, wie der Elternbeirat findet. Foto: Sebastian Linkenheil

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•Der Kindergarten „Oase“ Muggensturm liegt mitten im Wohngebiet. Ein Vorteil, wie der Elternbeirat findet. Foto: Sebastian Linkenheil

Eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft der Kinderbetreuung in Muggensturm will der Gemeinderat in seiner öffentlichen Sitzung am Montag, 21. Juni, (Beginn: 18 Uhr) in der Wolf-Eberstein-Halle vornehmen. Es geht um die Frage, ob der Kindergarten „Oase“ in der Friedenstraße saniert und erweitert werden soll oder ob die Gemeinde einen Neubau im Gewerbegebiet Faisen Nord II anstrebt. Die Gemeindeverwaltung bevorzugt den Neubau.

Verwaltung plädiert für Neubau

Erhebliche Vorteile des Neubaus sieht man im Rathaus hinsichtlich des Raumangebots und der energetischen Ausrichtung. Die Planung sieht auf einem Grundstück an der Vogesenstraße ein nicht unterkellertes zweistöckiges Gebäude in einer ökologischen Hybridbauweise vor. Fotovoltaikanlage und Wärmepumpe sollen einen weitgehend CO2-freien Betrieb ermöglichen. Der neue Kindergarten soll über sechs gleichartige Gruppenräume verfügen, die alle Betreuungsformen von der Kleinkindbetreuung bis zu Regelgruppen und Ganztagesbetreuung flexibel und ohne Umbauten zulassen. Der Punkt ist dem Rathaus wichtig, weil durch die geplanten Neubaugebiete in den kommenden Jahren mit einem erheblichen Mehrbedarf zu rechnen ist. Die Planung sieht einen barrierefreien Aufzug vor sowie eine großzügige Koch- und Verteilküche, in der 250 bis 300 Essen – auch für andere Kitas – zubereitet werden können. Im Außenbereich sind Abstellplätze für Kinder- und Bollerwagen sowie Fahrräder, aber auch großzügige Parkplätze berücksichtigt.

In der viergruppigen „Oase“ sei die Flexibilität in der Nutzung der Gruppenräume dagegen stark eingeschränkt. Dort könne auch nur eine kleine Verteilerküche zur Versorgung der eigenen Kinder angelegt werden. Ferner habe man in der Corona-Pandemie gelernt, welch wichtige Rolle Entzerrung innerhalb eines solchen Gebäudes spielen kann. Dies sei in einem frei konzipierten Neubau einfacher umzusetzen. Und nicht zuletzt biete der Neubau die Möglichkeit einer modernen energetischen Ausrüstung, die bei der „Oase“ aufwendiger und mit vielen Kompromissen verbunden wäre, so die Sitzungsunterlagen.

Sanierung wurde fast fünf Millionen kosten

Aber auch hinsichtlich der Kostenabwägung plädiert das Rathaus für einen Neubau, der mit geschätzten 7,35 Millionen Euro zu Buche schlagen soll. In dieser Summe sind 380.000 Euro Mehrkosten für die Kochküche enthalten. Außerdem kann man einen Förderbetrag aus dem Bundesprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung“ von 840.000 Euro abziehen, sodass man auf einen Vergleichsbetrag von 6,13 Millionen Euro käme. Die Sanierung des rund 30 Jahre alten Kindergartens „Oase“ schätzt die Gemeinde auf 4,77 Millionen Euro. Die Vorteile des Neubaus sind aus Sicht der Verwaltung rund 29 Prozent Mehrkosten wert.

Im Frühjahr hatte der Elternbeirat Unterschriften gegen einen Abriss des Kindergartens „Oase“ gesammelt und sogar ein Bürgerbegehren angestrebt, das aber aus formalen Gründen nicht zustande kam (das BT berichtete). Die Eltern führten auch Argumente gegen den Standort Faisen ins Feld, insbesondere die viel befahrenen Straßen dort und die nahe Bahnlinie. Für die „Oase“ spreche dagegen die zentrale Lage in einem ruhigen Wohngebiet. Die Kindergartenleitung der „Oase“ bestätigte der Gemeinde Muggensturm indes in einem dem BT vorliegenden Schreiben, dass den Planungen für den Neubau aus pädagogischer Sicht grundsätzlich zugestimmt werden könne.

Ob die „Oase“ abgerissen werden soll, ist am Montag ausdrücklich nicht Gegenstand der Abstimmung. Die Entscheidung über die künftige Nutzung des Gebäudes soll später erfolgen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
17. Juni 2021, 09:40 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 36sec

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