Obelisk nun in bester Gesellschaft

Gernsbach (vgk) – Ein historischer Stein des 2015 sanierten Metzgerbrunnens ist seit Dienstag mit dem Heiligen Nepomuk und historischen Wasserrohren in einem Schaufenster der Altstadt zu bestaunen.

Dr. Ulrich Schumann von der Weinbrenner-Gesellschaft (links) und Architekt Bernd Säubert, in dessen Haus der Stein nun seinen Aufenthalt hat. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Dr. Ulrich Schumann von der Weinbrenner-Gesellschaft (links) und Architekt Bernd Säubert, in dessen Haus der Stein nun seinen Aufenthalt hat. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Das ehemalige Forstamt auf der linken Seite fast am Ende der Hauptstraße, die durch die Gernsbacher Altstadt führt, das Kornhaus am Marktplatz und der Metzgerbrunnen vor dem Marienhaus haben eins gemeinsam: Sie wurden nicht nur von Friedrich Weinbrenner entworfen, sondern auch gebaut. Der badische Bauinspektor und Architekt verlieh nach dem verheerenden Stadtbrand von 1798 der Altstadt ihr im Kern noch heute gültiges Aussehen.

Der Metzgerbrunnen wurde 2015 einer gründlichen Sanierung unterzogen. In diesem Rahmen wurde der alte Sandsteinobelisk gegen ein Replikat ausgetauscht. Bisher lagerte das Original in der Bauhofgärtnerei. Seit Dienstag steht der Stein im Schaufenster der Gebäude Hauptstraße 28 bis 30.

An dieser Stelle befindet er sich gemeinsam mit dem Heiligen Nepomuk und zwei Wasserrohren, Originalteilen des Marktplatzbrunnens, in guter Gesellschaft. Bis zur Verwirklichung eines Lapidariums (Lapis „Stein“), einer Steinsammlung, wie vom Arbeitskreis für Stadtgeschichte angedacht, verbleiben die markante Brunnensäule und die beiden anderen Leihgaben der Stadt Gernsbach gut sichtbar für alle hinter Schaufensterglas. Die Initiative für den Transport der Steinpyramide durch Bauhofmitarbeiter ergriffen der Arbeitskreis und die Weinbrenner-Gesellschaft Karlsruhe gemeinsam.

Kleines Objekt Friedrich Weinbrenners erstes großes Werk

Der Präsident der Weinbrenner-Gesellschaft, Dr. Ulrich Schumann, bedankte sich am Dienstag für die Unterstützung der Stadt und für die schnelle Problemlösung. Es sei wichtig, dass der Stein an einen trockenen Ort gebracht werden konnte. Ebenso mache die Unterbringung direkt neben dem Kornhaus Sinn. Die Fläche und das Schaufenster stellte Architekt Bernd Säubert zur Verfügung. Den Gebäudeeigentümer nannte Schumann einen „Liebhaber und Bewahrer historischer Architektur“.

Schumann führte weiter aus, dass das kleine Objekt Weinbrenners erstes großes Werk gewesen sei. Der Stadtbrand von 1798 war für den bekannten badischen Baumeister eine gewaltige technische Herausforderung, die mithilfe von zahlreichen Beteiligten in den darauffolgenden Jahren bewältigt werden konnte. „Entstanden ist ein neuer Stadtteil, der sich organisch in die Altstadt einfügt“, analysierte Schumann. Unter anderem konzipierte Weinbrenner die Anton-Rindenschwender-Pyramide in Gaggenau, die Marktplatz-Pyramide in Karlsruhe und Schloss Rotenfels. Der badische Bauinspektor brachte Elemente des Landschaftsgartens in die Stadt, die Öffnung derselben zur Natur hin. „In Gernsbach probierte der Planer und Baumeister dies aus und sicherte somit der Stadt einen Platz in der Weltgeschichte der Kultur“, erläuterte Schumann Weinbrenners Intentionen.


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