Oberweier: Protest gegen Deponiepläne

Gaggenau (er) – Zur ersten Informationsveranstaltung hatte die im Oktober gegründete Bürgerinitiative „Schluss mit der Deponie“ die Bevölkerung von Oberweier und umliegender Ortschaften eingeladen.

Rund 250 Zuhörer verfolgen die Informationsveranstaltung auf dem Sportplatz in Oberweier. Foto: Elke Rohwer

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Rund 250 Zuhörer verfolgen die Informationsveranstaltung auf dem Sportplatz in Oberweier. Foto: Elke Rohwer

215 Teilnehmer fanden sich unter Einhaltung des Hygienekonzepts auf dem grünen Rasen des Sportgeländes neben der Eichelberghalle ein, weitere 35 Bürger hatten sich am Rand in Richtung Friedhof positioniert.

„Vor vier Wochen hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich einmal bei einer Informationsveranstaltung hier auf der Tribüne stehen werde. Doch bei der Ortschaftsratssitzung am 14. Oktober in der Gaggenauer Jahnhalle hat sich das schlagartig geändert. Die Sitzung erinnerte an eine Theateraufführung. Wir waren das Publikum. Die Redner saßen vorne und gaben ihre einstudierten Sätze wieder. Nur Eintritt hat es keinen gekostet“, sagte Toni Böck, Mitglied der Bürgerinitiative: Bei der Sitzung haben wir im Rahmen der vom Landkreis Rastatt in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie von Plänen erfahren, zu denen wir in aller Deutlichkeit sagen: Wir sind dagegen.“ Jedem solle nach dieser Veranstaltung klar sein, um was es konkret geht und was jetzt zu tun ist. „Damit schaffen wir die Basis für weitere Aktionen.“ Die Deponie „Hintere Dollert“, die in weiten Teilen von einem Flora-Fauna-Habitat (FFH), umgeben ist, solle auf keinen Fall vergrößert werden. „Wir wollen, dass die Befüllung der Deponie planmäßig bis 2028 abgeschlossen wird.“

Ortsvorsteher Michael Barth zeigte sich erfreut über die vielen Zuhörer und appellierte an die Verantwortlichen der kommunalen Politik: „Wir wollen die PFC-Last des Landkreises nicht tragen! Und ich sage in aller Deutlichkeit: Der Ortschaftsrat ist einstimmig gegen die Deponierung von PFC-Böden in Oberweier. PFC ist hochgiftig und noch nicht ausreichend erforscht. Wir in Oberweier wollen nicht die Versuchskaninchen für PFC-Deponierung sein!“

Böck forderte die Bevölkerung von Muggensturm auf, sich der Bürgerinitiative anzuschließen. „Muggensturm und Oberweier nutzen gemeinsame Trinkwasserquellen. Wenn die PFC-Deponierung kommt, dann ist auch das Wasserschutzgebiet in Richtung Muggensturm betroffen.“

Baubeginn für 2027 geplant

Anschließend trat Dietrich Knoerzer, Mitglied der Bürgerinitiative, ans Mikrofon. Er wies auf das Naturschutzgebiet hin, das die Deponie in großen Teilen umgibt, und gab einen Überblick über den Zustand der Übergangsdeponie, den unsortierten Altmüll der 60er-Jahre und die nicht vorhandene Basisabdichtung. Anschließend ging er auf das für die PFC-Lagerung angedachte Areal hinter dem Wertstoffhof ein und eine damit verbundene Gefährdung durch Sickerwasser und oberflächliche Abschwemmung bei Starkregen. Des Weiteren informierte er über die geplante dreispurige Zufahrt innerhalb der Deponie.

Ein weiterer Punkt war das zunehmende Verkehrsaufkommen, sowohl während der Bauphase als auch während der Befüllungsphase. „Wir sprechen hier von 125 bis 208 Lkw im Monat und 45.000 bis 75.000 Lkw in 30 Jahren“. „Das ist eine schwierige Situation. Wir müssen uns so schnell wie möglich organisieren“, appellierte er an die Zuhörer gerichtet.

Anhand einer Zeitleiste erläuterte Toni Böck die geplanten Entwicklungsstufen für das PFC-Vorhaben. Nach der Entscheidungsphase soll ab Mai 2021 das Planfeststellungsverfahren folgen, 2027 soll die zweijährige Bauphase starten und von 2030 bis 2046 soll mit der Befüllung mit PFC-belasteten Böden begonnen werden. „Das Thema wird uns also auf jeden Fall 40 Jahre beschäftigen.“

„Nicht deponieren, sondern sanieren“

Anschließend traten Irene Merkel, Mitglied der Bürgerinitiative, und Gastredner Dr. Ulrich Schumann von der Bürgerinitiative „Sauberes Trinkwasser für Kuppenheim“ ans Rednerpult. Im Dialog äußerte sich Schumann entsetzt über die geplante PFC-Deponierung in Oberweier. „Es ist ein Skandal, dass Baden-Württemberg es nicht schafft, das PFC-Problem in den Griff zu bekommen. Deponieren ist die falsche Herangehensweise. Vielmehr müssen die Böden saniert werden. Das ist natürlich wesentlich teurer, als die Böden einzupacken und zu lagern.“ Schumann bewertete weder die vorgesehene Folienschicht noch eine mögliche Betonwanne als sicheren Schutz vor dem hochgiftigen, synthetischen PFC. Er sprach von fehlender Informationstransparenz der politisch Verantwortlichen. Auf Merkels Frage, wie sich die Bevölkerung gegen das Projekt zur Wehr setzen könnte, riet Schumann: „Eine Bürgerinitiative zu gründen war ein wichtiger Schritt. Jetzt geht es darum, das Thema in die Öffentlichkeit zu schaffen, und zwar auf allen Kanälen.“

Innerhalb der kommenden zwei Wochen möchten die Organisatoren eine Bürgerbefragung zur Zukunft der Deponie durchführen. Außerdem sind Begehungen der Deponiegrenzen geplant, unter anderem mit Landtagsabgeordneten. Die Organisatoren bitten um Unterstützung im Förderverein sowie um Spenden.

Dietrich Knoerzer bei seinem Vortrag. Foto: Elke Rohwer

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Dietrich Knoerzer bei seinem Vortrag. Foto: Elke Rohwer


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