Oberweier: Spende zurückgezogen

Gaggenau/Baden-Baden (tom) – Die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau nimmt die zugesagte Unterstützung für einen Aktionstag in Oberweier zurück.

Mit vielfältigen Aktionen macht die Bürgerinitiative auf ihre Anliegen aufmerksam, so wie hier im Juli vor der Badner Halle in Rastatt vor Beginn einer Sitzung des Kreistagsausschusses für Abfallwirtschaft. Foto: Thomas Senger/Archiv

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Mit vielfältigen Aktionen macht die Bürgerinitiative auf ihre Anliegen aufmerksam, so wie hier im Juli vor der Badner Halle in Rastatt vor Beginn einer Sitzung des Kreistagsausschusses für Abfallwirtschaft. Foto: Thomas Senger/Archiv

Unterstützt die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau die Bürgerinitiative „Stop Deponie Oberweier“? „Nein!“, betont man seitens des Instituts und verweist auf die eigene Satzung. Die Pressemitteilung zu dem „Familien-Aktionstag“ am Samstag, 25. September, die von der Initiative am Abend des 19. September verschickt wurde, hatte aber genau diesen Eindruck erweckt.

Denn als gemeinsame Veranstalter werden in dieser Mail ausdrücklich der Obst- und Gartenbauverein Oberweier und die Bürgerinitiative „Stop Deponie Oberweier“ genannt. „Eine Botschaft geht in die Luft / Familien-Aktionstag in Oberweier“ lautete die Überschrift der Pressemitteilung.

Luftballons werben für die Bürgerinitiative

Was ist geplant? „Ab 13 Uhr am Samstag öffnet der OGV die Kelter, um mit möglichst vielen Kindern mit ihren Eltern frischen Apfelsaft zu pressen“, steht in der Ankündigung. Und weiter: „Beim anschließenden Luftballonwettbewerb auf dem benachbarten Sportplatz darf der Saft dann gleich verkostet werden. Ab 15 Uhr steht dort das Team der BI ,Stop Deponie Oberweier‘ parat, um seine Botschaft in die Luft zu schicken. ,Kein Deponieneustart 2028‘ wird auf den Luftballons zu lesen sein, die von Schülerinnen und Schülern der Oberweierer Grundschule gestaltet worden sind.“ Die Ballons seien nicht im Schulunterricht bemalt worden, versicherte die Initiative gestern auf Nachfrage. Im Zehn-Minuten-Takt sollen bis zu 30 Ballons in den Himmel steigen. Weiter heißt es in dem Pressetext: „Den Siegern winkt eine Eintrittskarte für den Europapark Rust. Fragen rund um die Deponie werden vom Team der Bürgerinitiative kompetent beantwortet. Auch eine Spendenkasse wird aufgestellt sein, denn die BI ,Stop Deponie Oberweier‘ ist auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Der Familien-Aktionstag wird von der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau gesponsert.“

Auf BT-Anfrage erläuterte am Montag, 20. September, Jörg Bertsch den Sachverhalt aus Sicht der Sparkasse. Bertsch leitet deren Öffentlichkeitsarbeit. Am 2. September habe die Sparkasse vom Förderverein zur Heimatpflege Oberweier eine Anfrage bekommen, ob sie den Förderverein und den OGV bei der Ausrichtung des Familienaktionstags unterstützen wolle – zum Beispiel mit Sponsoring und Sparkassen-Logo auf den Rücksendekärtchen des Luftballonwettbewerbs.

„So was machen wir oft“, verweist Bertsch auf die Sponsoring-Aktivitäten der Sparkasse in der Region. Doch die Unterstützung politischer Arbeit – und die Arbeit der Bürgerinitiative muss man als politisch bezeichnen –, gehöre nicht zu den Zielen, denen sich die Sparkasse verpflichtet fühlt. Dies sei in der Satzung klar geregelt, betont Bertsch.

Unter dem Banner des Fördervereins

Aus dem Anschreiben des Fördervereins zur Heimatpflege sei aber in keinster Weise hervorgegangen, dass der „Familien-Aktionstag“ eine Plattform sei, auf der sich Bürgerinitiative präsentieren werde. Als Mitveranstalter sei lediglich der OGV Oberweier genannt worden.

Die Überraschung bei der Sparkasse ist nicht verwunderlich. Denn landauf, landab ist es sicher nicht jedem geläufig, dass sich die Bürgerinitiative „Stop Deponie Oberweier“ im Oktober 2020 und damit bald nach ihrer Gründung dem Förderverein zur Heimatpflege angegliedert hatte. Nicht zuletzt deshalb: Um unter dem Dach dieses Vereins Spenden für ihre Aktionen sammeln zu können.

Zuvor war die Arbeit des Heimatvereins eher unpolitisch: „Es wurden Keschte-Rallyes mit Schul- und Vorschulkindern veranstaltet ebenso wie zwei Adventsmärkte, die gerne besucht wurden“, berichtete das BT vor einem Jahr über die Aktivitäten des Vereins in den Jahren 2018 und 2019.

Bei der Versammlung im Oktober 2020 wurde sogleich Toni Böck in den Vorstand des Heimatvereins gewählt; er ist mit Dietrich Knoerzer einer der beiden Sprecher der Bürgerinitiative. Gabi Kabel, ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative, übernahm das Amt der Schriftführerin im Heimatverein. Nachfolger von Rosalinde Balzer im Amt des Vorsitzenden wurde Christian Barth, ebenfalls erklärter Gegner der Deponiepläne des Landkreises.

Am Montagnachmittag wandte sich die Bürgerinitiative noch einmal per Mail an die Redaktionen: Es habe ein „Missverständnis“ bezüglich des Sponsorings für den Familien-Aktionstag gegeben.

Auf BT-Nachfrage bestätigte anschließend Sparkassensprecher Jörg Bertsch: Das Institut habe die zugesagte Unterstützung des Aktionstags zurückgezogen, nachdem klar geworden sei, dass die Bürgerinitiative daran maßgeblich beteiligt ist. Gleichwohl, so Bertsch, werde man andere Aktivitäten im Keschtedorf sicher weiter wohlwollend begleiten: „Wenn der OGV Oberweier mal wieder was macht, dann werden wir uns das gerne ansehen und prüfen.“

Bericht zur Deponie Oberweier.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
21. September 2021, 12:38 Uhr
Lesedauer:
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