„Oberweier kein Standort für PFC-Deponie“

Gaggenau (tom) – Im BT-Interview mit Thomas Senger erläutert Wissenschaftler Dr. Hans-Peter Huppert seine Beweggründe, sich für die Bürgerinitiative „Stop Deponie Oberweier“ zu engagieren.

Hans-Peter Huppert. Foto: pr

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Hans-Peter Huppert. Foto: pr

Dies ist der zweite und letzte Teil des Interviews. Der erste Teil des Interviews steht hier.

BT: Herr Dr. Huppert, könnte eine ordnungsgemäß abgedichtete Deponie Oberweier zum Standort werden für PFC-haltigen Erdaushub?
Dr. Hans-Peter Huppert: Ich habe für die Bürgerinitiative Gaggenau-Oberweier eine Vorab-Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt, in der ich über 40 Konfliktschwerpunkte und zehn Ausschlusskriterien herausgearbeitet habe, weshalb Oberweier als Standort für eine PFC-Deponie ausscheiden muss. Sowohl massive fachliche als auch juristische Gründe sprechen gegen einen Deponieausbau. Sollte es tatsächlich zu einem Planfeststellungsverfahren kommen, wird das ein juristisches Mammutverfahren. Das Geld und die Zeit, die dafür aufgebracht werden müssen, sollte man sinnvoller ausgeben.
Positiv in diesem Zusammenhang ist, dass zwischen dem Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises (AWB) und der BI vereinbart wurde, diesen Sommer eine öffentliche Podiumsdiskussion zu organisieren, bei der alle Parteien am Tisch sitzen und ihre Standpunkte zur Sprache bringen können.

BT: Was empfehlen Sie: Was soll der Landkreis mit der PFC-Erde machen?
Huppert: Der Landkreis wäre gut beraten, sich nicht länger hinter dem Altstandort Oberweier zu verstecken, nur um eine offene Diskussion über neue Deponiestandorte im Kreis nicht führen zu müssen. Das PFC-Problem ist kein exklusives Problem der Menschen in Oberweier und Umgebung, sondern es betrifft gleichermaßen den gesamten Landkreis.
Deshalb muss der Standort gesucht und gefunden werden, der alle technischen und umweltrelevanten Auflagen erfüllt und von dem das geringste Gefährdungspotenzial in der Zukunft ausgeht. Gibt es diesen Standort im gesamten Kreis nicht, muss man eine interkommunale Zusammenarbeit beziehungsweise Lösung anstreben und auch hier endlich die „spätfeudale Kleinstaaterei“ im Bereich der kommunalen Abfallwirtschaft überwinden.

BT: Bis dieser Standort gefunden sein wird, werden Jahre, vielleicht Jahrzehnte, vergehen. Was soll der Landkreis in der Zwischenzeit mit der PFC-Erde machen?
Huppert: Mit oder ohne Oberweier wird sich an der Zeitschiene nichts ändern. Ein professionelles Standortsuchverfahren dauert nur wenige Monate; was danach kommt, kostet Zeit. Das trifft übrigens auch auf Oberweier zu. In Oberweier muss genauso ein langwieriges Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden, wie an jedem anderen neuen Standort. Aus diesem Grund plant der AWB Rastatt den Deponieneustart in Oberweier erst für 2028.

BT: Was soll bis dahin mit der PFC-Erde geschehen?
Huppert: Um die Zeit zu überbrücken, bis ein neuer Standort gefunden und genehmigt ist, könnte für die PFC-belastete Erde ein Zwischenlager eingerichtet werden.

„Die Bürger und das RP wurden getäuscht“

BT: Wo? Der Landkreis hat zwischenzeitlich die vorhandenen Bauschuttdeponien Bühl-Balzhofen, Durmersheim, Gernsbach und Rastatt ins Spiel gebracht.
Huppert: Ob einer dieser Standorte für ein temporäres Zwischenlager oder als Deponie für PFC-belastetes Erdreich in Frage kommt, muss in dem laufenden Standortsuchverfahren geklärt werden.
Der Landkreis muss sich jedoch an dieser Stelle die Frage gefallen lassen, warum man die letzten 22 Jahre nichts unternommen hat, um einen neuen Deponiestandort zu finden. Oberweier ist bereits seit 1999 faktisch voll, und die geplante Deponielaufzeit von 20 Jahren war 1999 abgelaufen. Warum hat man den Weiterbetrieb beziehungsweise den Ausbau der Deponie so lange vor sich hergeschoben, wenn Oberweier der angeblich am besten geeignetste Deponiestandort ist?

BT: Was denken Sie, warum?
Huppert: Wie bereits gesagt, wurde die Deponie Oberweier 1993 schon einmal mittels einer wahrscheinlich rechtswidrigen Plangenehmigung erweitert. In dem entsprechenden Genehmigungsantrag begründete damals das Landratsamt Rastatt die sogenannte „Laufzeitsicherung“ der Deponie mit der Behauptung, dass frühestens 1999 eine Nachfolgedeponie zur Verfügung gestellt werden könne. Heute wissen wir, dass es diese Nachfolgedeponie niemals gab. Mit dieser Behauptung wurden damals sowohl das RP Karlsruhe als auch die Bürger vor Ort getäuscht, weshalb man bislang das Thema Deponieausbau in Oberweier tunlichst vermieden hat.

Experte für Altlasten

Diplom-Geograph Dr. Hans-Peter Huppert (Jahrgang 1957) hat sich im In- und Ausland im Bereich Projektentwicklung und Altlasten einen Namen gemacht. Mit seiner damaligen Ingenieurgesellschaft UGB hat er auch Umweltverträglichkeitsstudien für die Papierindustrie erstellt. Sein jüngstes Buch von 2019 heißt „Die Sünden der Nachhaltigkeit – und die Macht des Nicht-Tuns“.


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