Örtliche Corona-Zahlen nicht mehr relevant?

Rastatt (ml) – Das Landratsamt Rastatt hat die Veröffentlichung der Corona-Fallzahlen nach Orten eingestellt. Die seien nicht mehr relevant. Das stößt teilweise auf Unverständnis.

Im Rastatter Landratsamt hält man die Veröffentlichung der örtlichen Corona-Fallzahlen für nicht mehr nötig. Symbolfoto: Jochen Denker/Archiv

Im Rastatter Landratsamt hält man die Veröffentlichung der örtlichen Corona-Fallzahlen für nicht mehr nötig. Symbolfoto: Jochen Denker/Archiv

Die Infektionszahlen steigen wieder, auch die Krankenhauseinweisungen und die Auslastung von Intensivstationen nehmen zu. Vor diesem Hintergrund appellieren Ärzte und Politiker an die Selbstverantwortung der Bürger, sich vorsichtig zu verhalten. BT-Leser Matthias Kühn aus Ötigheim ist dazu bereit. Doch ihm fehlen nun aktuelle Zahlen über die Lage in seinem Umfeld. Das Landratsamt Rastatt, dessen Gesundheitsamt für den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden zuständig ist, hat die Veröffentlichung der Corona-Fallzahlen nach Orten eingestellt. Seit vergangener Woche gibt es auf der Homepage der Kreisverwaltung nur noch einmal wöchentlich – jeden Freitag – eine Übersicht, in der die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen, die Sieben-Tage-Inzidenz und die Zahl der verstorbenen Patienten aufgelistet wird – unterschieden nach Kreis Rastatt und Baden-Baden. Zudem werden dort die landesweite Hospitalisierungsinzidenz sowie die Zahl der in baden-württembergischen Intensivstationen behandelten Covid-Patienten aufgeführt, die entscheidend für mögliche Beschränkungen sind.

Genau damit begründet Benjamin Wedewart, Pressesprecher des Landkreises, auch die Reduzierung der veröffentlichten Zahlen. Da die Inzidenzen der Kreise keine Auswirkungen mehr auf mögliche Beschränkungen hätten, mache es auch keinen Sinn, die bisher veröffentlichten Zahlen weiter zu publizieren. Für Kühn geht diese Argumentation am Thema vorbei. Ihm geht es nicht um landesweit gültige Verordnungen, sondern um die Möglichkeit, das eigene Verhalten an das Infektionsgeschehen vor Ort anpassen zu können. Monatelang lieferte das Rastatter Gesundheitsamt dafür die nötigen Daten – zunächst montags bis freitags, zuletzt immerhin noch dienstags und freitags. Den veröffentlichten Tabellen konnte man unter anderem die Gesamtzahl der Corona-Fälle und auch die derzeit aktiven Fälle entnehmen – aufgeschlüsselt nach den einzelnen Kommunen. Diese Daten werden den Bürgern nun ebenso nicht mehr zur Verfügung gestellt wie die Übersichten über die Altersgruppen der Infizierten sowie der Verstorbenen.

Wichtige Daten für das eigene Verhalten

Doch gerade die örtlichen Kennzahlen sind für Kühn wichtig, um das eigene Verhalten anpassen zu können. Im Falle eines Ausbruchsgeschehens sollten die Bürger eines Ortes informiert sein, um vor allem ältere oder vorerkrankte Einwohner schützen zu können, etwa durch den kurzfristigen Verzicht auf Einkäufe oder Zusammenkünfte. Auch Markus Ziegler aus Baden-Baden kann nicht nachvollziehen, dass die örtlichen Zahlen an Bedeutung verloren haben sollen. „Diese zweimal wöchentlich einsehbare Tabelle war für uns als Familie eine überaus wichtige Informationsquelle, um die Gefährdungslage in unserem Nahbereich einschätzen zu können. Beispielsweise haben wir anhand der Höhe der Infiziertenzahlen im Ort entschieden, ob wir unser Kind in den Kindergarten schicken oder lieber zu Hause lassen. Für weitere Mitglieder unserer Familie, die aufgrund einer Autoimmunerkrankung durch eine Impfung nicht ausreichend geschützt oder nach einer Krebstherapie geschwächt sind, war diese Tabelle ebenfalls eine wichtige Informationsquelle, auf Basis derer sie ihr Verhalten ausgerichtet haben“, berichtet Ziegler in einem Schreiben an das Landratsamt, in dem er um die weitere Veröffentlichung der örtlichen Zahlen bittet. Ohne Erfolg.

Landkreis verweist auf Datenschutz

Wedewart verweist auf mögliche Probleme mit dem Datenschutz, da es vor allem in kleineren Gemeinden zu Stigmatisierungen von Infizierten kommen könne. Gleichzeitig unterbindet das Landratsamt die Veröffentlichung der örtlichen Zahlen nicht ganz, sondern nimmt sie nur nicht mehr selbst vor. Nach Auskunft des Pressesprechers habe die Kreisverwaltung die Bürgermeister per Mail darüber informiert, dass die Stadt- und Gemeindeverwaltungen die Zahlen für ihren Ort weiterhin veröffentlichen können. Diese werden nämlich weiterhin vom Gesundheitsamt ermittelt und den Rathäusern zur Verfügung gestellt. In benachbarten Landkreisen hat man auch weiterhin mit einer Veröffentlichung keine Probleme, Karlsruhe und Offenburg informieren weiterhin täglich über das örtliche Infektionsgeschehen. In Mittelbaden gibt es auch weiterhin immerhin noch den Service des Landesgesundheitsamts, das täglich im Internet über die Neuinfektionen, mögliche Todesfälle und die Sieben-Tage-Inzidenz informiert – bezogen auf das Gesamtgebiet der Kreise Rastatt und Baden-Baden.

Ihr Autor

BT-Redakteur Markus Langer

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Erstellt:
27. Oktober 2021, 15:26 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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