Ötigheim vor der Corona-Spielzeit

Ötigheim (as) – Freiluft-Theater mit Hygienekonzept und als Modellprojekt des Landes, wie geht das? Die Volksschauspiele Ötigheim machen es vor. Am Samstag ist Premiere in mehrfacher Hinsicht.

Zugangsschleusen vor dem Eingang: Der Theaterbesuch findet unter strengen Hygieneregeln statt. Immerhin 875 Zuschauer sind dank des Modellprojekts erlaubt. Foto: Tüg

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Zugangsschleusen vor dem Eingang: Der Theaterbesuch findet unter strengen Hygieneregeln statt. Immerhin 875 Zuschauer sind dank des Modellprojekts erlaubt. Foto: Tüg

„Die Anspannung steigt täglich“, sagt Maximilian Tüg, geschäftsführender Vorstand der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ), den 12. Juni fest im Blick. Denn kommenden Samstag beginnt nicht nur die Theatersaison 2021 mit der Komödie „Das Haus in Montevideo“, sondern die Freilichtbühne feiert Premieren vor, auf und hinter der Bühne.

Verantwortlich dafür ist – wie könnte es derzeit anders sein – die Corona-Pandemie. Dass ein strenges Hygienekonzept zu beachten sein wird, ist keine Überraschung. Darauf bereiten sich die Verantwortlichen seit Monaten vor – mit Stücken, die keine Massenszenen beinhalten und keine Zuschauermassen anlocken oder kompletten Doppelbesetzungen, die getrennt geprobt haben.

875 Zuschauer zugelassen

Zudem sind die VSÖ auch Modellprojekt des Landes mit Blick auf die Öffnung von Freiluft-Theatern (das BT berichtete). Positiver Effekt dabei: Es sind 875 statt der laut aktueller Corona-Verordnung erlaubten 250 Zuschauer zugelassen. „Das entspricht rund 25 Prozent Auslastung“ , sagt Tüg, der allerdings für Samstag nicht mit voller Belegung rechnet. Denn zunächst war der Kartenvorverkauf auf 250 Tickets begrenzt. Um auch kurzfristige Buchungen möglich zu machen – Verkäufe an der Tageskasse sind coronabedingt nicht möglich – wurde dieser Tage aber der Onlineshop um die Möglichkeit erweitert, das Ticket direkt aufs Handy zu laden.

Das Gelände öffnet 90 Minuten vor Veranstaltungsbeginn. Zugang ist nur über den großen Parkplatz und eine dort aufgebaute Schleuse möglich, erläutert Tüg. Die Anreise ist mit dem Pkw und öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Gesperrt werden allerdings der Fußweg an der Kapelle und der Stationenweg (Kreuzweg). Da deutlich weniger Zuschauer erwartet werden als zu normalen Zeiten, rechnet er auch nicht mit einer „Ballung“ am Eingang.

Getestet, geimpft oder genesen

Einlass erhalten nur getestete, genesene oder geimpfte Personen. „Die Bescheinigung über einen Test darf zu Beginn der Veranstaltung nicht älter als 24 Stunden sein“, erläutert Tüg weiter. Auf dem Weg zum Haupteingang werden die entsprechenden Nachweise überprüft. Dort können Theaterbesucher sich zudem über die Luca-App oder den Luca-Schlüsselanhänger zur Kontaktnachverfolgung registrieren. Ansonsten muss ein Formular ausgefüllt werden.

Maskenpflicht bis zum Sitzlpatz

Es besteht generelle FFP2-Maskenpflicht ab dem Zuschauerparkplatz. Die Maske darf nur am Sitzplatz abgenommen werden. „Auch die Darsteller müssen auf dem Weg von und zur Bühne Maske tragen“, erläutert Tüg, „zudem müssen sie vor und nach jedem Auftritt die Hände desinfizieren“.

Auch im Zuschauerbereich stehen Desinfektionsspender, „die dürfen gerne rege genutzt werden“, so Tüg. So soll ein potenzielles Infektionsrisiko über berührte Gegenstände minimiert werden.

Die Requisiten bei „Der kleine Horrorladen“ werden zudem mit einem Spezialgerät desinfiziert. Jeder Darsteller hat außerdem sein eigenes Kostüm und seine persönlichen Schminkutensilien. „Teilen wie in der Vergangenheit manchmal üblich, ist nicht möglich“, sagt der geschäftsführende Vorstand. Die Stücke seien zudem mit Abstand inszeniert.

Bewirtung direkt am Sitzplatz


Für die Zuschauer gilt: Kein Flanieren im Foyer, der Sitzplatz darf nur für den Toilettengang verlassen werden (für besseren Sitzkomfort werden Sitzkissen empfohlen) und die Bewirtung erfolgt direkt am Platz. „Die Vereine laufen mit kleinen Servicetrolleys durch die Reihen“, erklärt Tüg – ähnlich wie im Zug oder im Flugzeug. Da jede zweite Reihe frei bleibt, sei das gut machbar. Es besteht Maskenpflicht, während man bedient wird.

Zu allen Gästen, die außerhalb des eigenen Haushalts leben, ist mindestens 1,50 Meter Abstand zu halten. Im Sitzbereich der Zuschauersäle sollte man möglichst Rücken an Rücken aneinander vorbeigehen. Die Pausen können Besucher auf den Sitzplätzen verbringen.

Große Vorfreude

Im Rahmen des Modellprojekts werden zudem Fragebögen an die Zuschauer verteilt, die nach den beiden Modell-Wochenenden vom Freiburger Institut für Musikermedizin ausgewertet werden. Alle hoffen nun, dass sich keine Auffälligkeiten bei den Inzidenzen und dem Infektionsgeschehen beobachten lassen. Nach zwei Wochen erhält das Sozialministerium, das das Modellprojekt finanziert, dann einen Zwischenbericht. Ähnlich wie jüngst beim Europa-Park werden auf Grundlage dessen dann Maßgaben für die Öffnung aller Freiluft-Theater im Land erwartet.

„Wir hoffen, dass wir an alles gedacht haben“, beschreibt Tüg sein persönliches „Premierenfieber“, während sich die Darsteller vor allem auf den Kontakt zum Publikum freuen – wenn auch unter ganz neuen Bedingungen.

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Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
9. Juni 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 07sec

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