Ötigheimer Pfarrer tauscht Kanzel mit der Bühne

Ötigheim (as) – Ötigheims Pfarrer Erich Penka spielt auf der Freilichtbühne im „Haus von Montevideo“ mit. Sein Faible für Schauspielerei hat ihn vor 24 Jahren ins Telldorf geführt.

Den Papst hat er schon gemimt, nun folgt der Pastor: Pfarrer Erich Penka wirkt auf der Freilichtbühne in „Das Haus in Montevideo“ mit. Foto: Frank Vetter

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Den Papst hat er schon gemimt, nun folgt der Pastor: Pfarrer Erich Penka wirkt auf der Freilichtbühne in „Das Haus in Montevideo“ mit. Foto: Frank Vetter

Der Ötigheimer Pfarrer ist den Volksschauspielen seit Gründungszeiten eng verbunden. Schließlich rief der Ortsgeistliche Josef Saier 1906 die Freilichtbühne ins Leben, die er bis 1955 leitete. Bis heute ist der Ortspfarrer satzungsgemäß Vorsitzender des Theatervereins – seit 1997 Erich Penka. Der von Jugend an schauspielernde Theologe übernimmt im Pandemie-Jahr nun erstmals eine „mittelgroße Rolle“ auf der Freilichtbühne. Voraussichtlich am 13. Juni ist er erstmals als Pastor in der Komödie „Das Haus in Montevideo“ zu sehen.

Für den 64-Jährigen, der in der Vergangenheit auch schon als Statist bei „My Fair Lady“ der „Passion“ oder auf der Kleinen Bühne im Stück „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“ zu sehen war, schließt sich damit gewissermaßen ein Kreis. Denn sein Faible für die Schauspielerei, das er als Ministrant in Ispringen entdeckt hat, führte ihn vor 24 Jahren ins Telldorf, wie er erzählt. Der damalige Personalchef im erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg, Robert Zollitsch, erinnerte sich aufgrund der Vakanz im Telldorf an den Studenten, der zusammen mit anderen im Priesterseminar die Tradition des Theaterspielens wiederbelebt hatte.

Eine „herausfordernde Aufgabe“

So kam Penka 1997 nach Ötigheim und wurde Vorsitzender des Volksschauspiel-Vereins – eine „herausfordernde Aufgabe“, wie er selber sagt. Wobei die Corona-Pandemie in jeglicher Hinsicht eine besondere Herausforderung darstelle.

Dadurch kam er auch zu seiner Rolle: Weil der Theaterverein vorsorglich mit zwei komplett getrennten Ensembles arbeitet und durch die wegfallende Möglichkeit von Mehrfachbesetzungen deutlich mehr Personal benötigt, sprang Penka in die Bresche.

Dass er nun den Pastor spielt (in der anderen Besetzung übernimmt Kurt Tüg die Rolle), mache es nur bedingt leichter, sagt Penka. Denn er solle ja nicht sich selbst spielen, sondern die Rolle verkörpern. Wie diese angelegt ist, habe das Team mit Regisseur Matthias Götz zunächst in vielen Online-Leseproben erarbeitet. Seit es wieder möglich ist, werden einzelne Szenen zu zweit auf der Freilichtbühne einstudiert. Bei einer ersten Durchlaufprobe (mit Masken) am vorletzten Mai-Wochenende wurden sie erstmals zusammengefügt.

Die Probentermine sind für den Pfarrer, der beruflich oft abends, an den Feiertagen und Wochenenden eingespannt ist, auch zeitlich eine Herausforderung. Das schnelle „Umschalten“ bereite ihm mit zunehmendem Alter mehr Mühe, stellt Penka fest – aber die Schauspielerei mache immer noch großen Spaß. Dass er seine Rolle dabei teils ganz anders angelegt hat als Kurt Tüg, habe ihn selbst überrascht, erzählt er und stellt fest: „Es sind eben unterschiedliche Interpretationen möglich“.

„Bin es gewohnt, in der Öffentlichkeit zu stehen“

Mittlerweile habe er auch den Text drauf, sagt Penka. Anfangs habe der Regisseur manchmal gefrotzelt, das sei „sehr frei nach Curt Goetz interpretiert“, wenn der Pfarrer bei Textpassagen improvisierte. Was gerade ihm noch ein wenig Übung abverlangt, ist das laute Sprechen auf der Bühne. „Vielleicht liegt es daran, dass die Akustik in den Weinbrenner-Kirchen eine andere ist, da gibt es mit Mikrofon eher eine Rückkopplung, wenn ich lauter spreche“, vermutet er.

Immerhin: Lampenfieber habe er nicht. „Ich bin es gewohnt, in der Öffentlichkeit zu stehen und beobachtet zu werden, das beunruhigt mich nicht“, sagt er. Planmäßig hat Penka am 13. Juni seinen ersten Bühneneinsatz, vor möglichst vollem Haus. So voll, wie es dann coronabedingt eben sein darf, hofft er als Vorsitzender der Volksschauspiele auch mit Blick auf die Einnahmen nach der komplett abgesagten Saison 2020. Ob er mit berufsbedingt gutem Draht nach oben da nicht was machen kann? „Ein paar Gebete könnten helfen“, meint er verschmitzt, „geschadet haben sie jedenfalls noch nie“.

Geplante Vorstellungen von „Das Haus in Montevideo“ auf der Freilichtbühne Ötigheim sind am 12., 13., 20. und 27. Juni, 4. und 11. Juli, 1. und 8. August jeweils um 14 Uhr. Eintrittskarten gibt es im Internet oder unter (0 72 22) 96 87 90.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
6. Juni 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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