Offene Fragen bei Acherner Nordtangente

Achern/Bühl (BT) – Die Acherner Stadtverwaltung treibt ein viele Millionen Euro teures Straßenbauprojekt voran: Zur Anbindung des geplanten Klinikneubaus soll eine Tangente entstehen.

Hinter der Bahnlinie erstreckt sich die Freifläche, auf der die Klinik entstehen soll. Diese wird über die sogenannte Nordtangente an den Verkehr angebunden. Foto: Roland Spether

© pr

Hinter der Bahnlinie erstreckt sich die Freifläche, auf der die Klinik entstehen soll. Diese wird über die sogenannte Nordtangente an den Verkehr angebunden. Foto: Roland Spether

Spätestens zur 2028 anvisierten Eröffnung des neuen Acherner Klinikums auf dem Brachfeld, einer acht Hektar großen Freifläche zwischen Tennisclub und Gymnasium, soll sich auf der sogenannten Acherner Nordtangente erstmals der Verkehr schlängeln. Die Stadt erhofft sich von der zwischen 25 und 40 Millionen Euro teuren Infrastrukturmaßnahme, einer direkten Verbindung der Kreisstraßen 5309 und 5308 (Acherner Hauptstraße/Sasbacher Straße), nicht nur eine spürbare Entlastung der Innenstadt um mehrere Tausend Fahrzeuge am Tag. Vor allem soll der Klinikneubau möglichst verkehrsgünstig erschlossen werden und – im Falle von Krankentransporten – eine schnelle Verbindung zur Autobahn ermöglichen. Durch die Anbindung an die L87a besteht ferner eine verkehrstechnisch gute Erreichbarkeit des ebenfalls mit Klinikrestrukturierungsplänen befassten Nachbarlandkreises Rastatt. Achern könnte eines Tages von seinem neuen Standort profitieren.

Auf ihrem Weg kreuzt die Tangente die Berliner Straße und setzt sich bis zur Sasbacher Straße fort. Dadurch entstehen nicht nur Möglichkeiten einer Anbindung an das Sasbacher Gewerbegebiet, sondern auch an ein späteres Wohngebiet. Politisch vom Tisch scheint hingegen eine in der Vergangenheit einmal diskutierte Weiterleitung bis nach Sasbachwalden.

Die Tangente verläuft sowohl auf Acherner als auch Sasbacher Gemarkung. Da es sich um eine Kreisstraße handeln wird, ist auch der die Unterhaltungslast tragende Landkreis im Boot. Achern allerdings übernimmt die sogenannte Bauleitplanung für das Projekt. Dafür wurde ein entsprechender Vertrag entworfen, der unter anderem die Kostenverteilung regelt. Sowohl der Acherner als auch der Sasbacher Gemeinderat haben dem Vertragswerk in zeitgleich veranstalteten Sitzungen Ende Juni zugestimmt. Aber erst, wenn auch die Gremien des Ortenaukreises grünes Licht erteilt haben, folgen die Unterschriften. Frühestens am 5. Oktober kann sich der Umwelt- und Technikausschuss des Kreistags mit dem Thema „Tangente“ befassen. Eine Tagesordnung für dessen nächste Sitzung steht aber noch nicht fest, wie eine Sprecherin des Landratsamts auf Anfrage erklärte.

Brücke oder Unterführung?

Nach wie vor völlig offen ist laut dem Acherner Bürgermeister Dietmar Stiefel die Frage, wie die Tangente an die B3 angebunden wird und ob sie unter oder über den bestehenden Bahngleisen verlaufen wird. Zwar wäre eine Unterführung teurer, „für uns würde sie sich allerdings wegen der wesentlich geringeren Beeinträchtigung des Landschaftsbilds deutlich besser vermitteln lassen“. Wesentliche Bedeutung, so Stiefel, komme hier den Stellungnahmen von Bund und Bahn in der Beteiligung zu den Bauleitplänen zu, „die warten jetzt auf unsere Planungskonzepte“.

Auch die Beibehaltung eines bereits weiter südlich bestehenden Anschlusses an die B 3 steht zur Debatte. „Dass man beide lässt, ist unwahrscheinlich“, so Stiefel. Aber auch für diese Entscheidung sei der Bund zuständig.

In der Vergangenheit ebenfalls diskutiert wurde die künftige ÖPNV-Anbindung des Klinikums. Im Bereich des Gymnasiums gebe es bereits eine Bushaltestelle. Man werde später vermutlich versuchen, mehr Linien anzubinden. Außerdem könnte die bestehende Haltestelle künftig näher an das Krankenhaus heranrücken. Theoretisch wäre Stiefel zufolge sogar eine Bahnanbindung möglich, zumal ein geeignetes Stumpfgleis dafür bereits vorhanden sei. „Ich halte das zwar für unwahrscheinlich, aber es lohnt sich, darüber nachzudenken. Das Landratsamt unterstützt uns dabei, aber die Entscheidung fällt die Bahn.“

37 Grundstücke müssen erworben werden

Und wie geht es mit den Planungen für die Nordtangente nun weiter? Derzeit, so Stiefel, liefen verkehrstechnische Untersuchungen. Es gehe dabei etwa um die künftige Breite der Straße und darum, auf welcher Seite der geplante Radweg verlaufen solle. Man sei hier in ständigem Austausch mit dem Landkreis. Außerdem längst im Gang sind Umwelt- und lärmschutzrechtliche Untersuchungen. Insgesamt seien zwischen 30 und 40 Behörden beteiligt. „Ich hoffe, dass wir im laufenden Jahr schon erste Zwischenfazite erhalten.“ Flächennutzungsplan und die verschiedenen für das Vorhaben benötigten Bebauungspläne sollen dem Baubürgermeister zufolge dann möglichst parallel entwickelt werden.

Ein großes Fragezeichen steht auch noch hinter dem Flächenverbrauch der 1,5 Kilometer langen Baumaßnahme. Stiefel kann dazu noch keine konkrete Aussage machen. Jedenfalls rund 37 Grundstücke stehen entlang der Strecke zum Erwerb durch die Stadt an. „Die Gespräche laufen sehr gut, ich bin optimistisch“, sagt Stiefel.

Der Acherner Bürgermeister geht davon aus, dass es bereits im Jahr 2024, spätestens aber 2025 zum ersten Spatenstich für den Bau der heiß ersehnten Tangente kommen wird.

Ihr Autor

Martin Egg

Zum Artikel

Erstellt:
23. August 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 08sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.