„Offene Mühle“ weckt große Erwartungen in Gernsbach

Gernsbach (ueb) – Bis 2023 sollen in der Brückenmühle bis zu 26 Wohnungen verschiedener Größe entstehen. Die Pläne rufen bei den Bürgern ein positives Echo hervor.

Großes Interesse zeigen vor allem Gernsbacher am aktuellen Zustand der Brückenmühle und daran, was aus ihr werden soll. Foto: Dagmar Uebel

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Großes Interesse zeigen vor allem Gernsbacher am aktuellen Zustand der Brückenmühle und daran, was aus ihr werden soll. Foto: Dagmar Uebel

Sein Anblick bestimmt seit Jahrhunderten das Gernsbacher Stadtbild: Der Gebäudekomplex der Brückenmühle, schon auf Kupferstichen des 19. Jahrhunderts abgebildet, ist auch heute noch durch seine Größe, seine Nutzung und seine Geschichte unübersehbar. Statt traditionellem Altstadtfest hatte sie am Wochenende, seit Jahren leer stehend und optisch längst kein Glanzpunkt mehr, ihre Türen und auch manche Fenster für Besucher weit geöffnet.

In Führungen durch das Gebäude und die Siloanlagen, einer Ausstellung im Foyer und während eines kurzen virtuellen Rundgangs per Video erfuhren Interessierte viel über die Geschichte des Hauses. Was jedoch noch mehr interessierte, waren die Pläne für die zukünftige Nutzung.

Vergleich mit Dornröschenschloss

Mit einem Dornröschenschloss verglich Bürgermeister Julian Christ in seiner Begrüßungsrede das Haus an der Stadtbrücke. Zwar habe der Schlummer nicht märchenhafte einhundert Jahre gedauert, aber immerhin jahrzehntelanges, zähes Ringen bis zu seiner geplanten Erweckung. Und auch der Prinz, um im Bilde zu bleiben, war während der stündlichen Führungen am Samstag und Sonntag vor Ort. Investor Bernd Frank, Vertreter des in Baden-Baden ansässigen Immobilienunternehmens Stenner & Frank, geriet während der Führungen durch den Gebäudekomplex nahezu ins Schwärmen, als er die Attraktivität der Altstadt, die Infrastruktur und die gute Verkehrsanbindung der Stadt heraushob. Zugleich versicherte er, dass der Bedarf an Wohnraum im Murgtal groß sei, und sich das Gebäude der Brückenmühle trotz jahrelangem Leerstand in baulich bemerkenswert gutem Zustand für eine baldige Nutzung befinde. Und mit einem kleinen Seitenblick zu Christ gab er seiner Hoffnung Ausdruck, dass alle zuvor erforderlichen bürokratischen Vorgänge recht schnell vorankommen mögen, um das zeitlich eng gesteckte Ziel der Fertigstellung auch erreichen zu können.

Während die wegen Corona zahlenmäßig klein gehaltenen Gruppen über die Weitläufigkeit der Räume staunten, war dem Investor die Freude über die sich dadurch ergebenden Nutzungsmöglichkeiten anzuhören. Bis zu 26 Wohnungen verschiedener Größe sollen bis 2023 in den beiden Obergeschossen und auch im Dachgeschoss entstehen. Das Erdgeschoss böte dann für Gewerbetreibende und die Gastronomie vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Galerien, Arkaden zur Hofstätte, Terrassen im Erd- und Obergeschoss offenbarte der dicht umlagerte Vorentwurf. Und auch der bisher fensterlose Turm würde zu einem Wohnhaus mit ganz besonderem Charme. Von da aus böte sich aus beachtlicher Höhe aus großen Fenstern und von Balkonen aus ein wunderbarer Blick auf die Murg, die Stadt und hinauf bis zu den Höhen des nahen Schwarzwalds.

Parkmöglichkeiten in der Diskussion

Da aber nicht alle Bewohner nur fußläufig unterwegs sein werden, stand im Gespräch mit Frank und Christ bald auch die Frage der Parkmöglichkeiten im Raum. Mit der Zusicherung, dass neben zahlreichen Stellmöglichkeiten für Fahrräder kostenlose Stellplätze für je ein Auto pro Wohneinheit geschaffen würden, dafür die Potenzen des nahen Färbertorplatzes eingeschlossen.

Wer sich auch ohne Führung für die Geschichte des Hauses interessierte, erhielt in der Ausstellung im Foyer in ausgestellten Zeitungsartikeln über geschichtliche Abläufe des Hauses und einer kleinen Bildergalerie einen Vergleich historischer bildlicher Darstellungen des Gebäudes. Dieser reichte vom Jahr 1800 bis zum Jahr 1950. Darauf unverkennbar das damals unverputzte und farblose Gebäude in seinen bekannten Ausmaßen und auch unverkennbar mit dem angebauten Turm. Was auf diesem Foto auch auffällt, ist der üppige Blumenschmuck auf der damaligen Stadtbrücke.

Der wird bleiben, das Haus sich verändern. Was aber auch bleiben wird, sind die historischen Siloanlagen und der hohe energetische Wert, der im Komplex vorhandenen Turbinen zur Stromerzeugung und Einspeisung ins Netz. Unter Nutzung der Murg erzeugen die Anlagen seit 1973 in jährlich etwa 8.500 Stunden Betrieb beachtliche 300.000 bis 500.000 Kilowattstunden Strom.

Einweihung zum Altstadtfest 2023?

Große Pläne, schöne Pläne und für Gernsbach ein Gewinn, darin waren sich alle Besucher einig. Und mit einem Augenzwinkern äußerten einige die Vermutung, dass der Umbau am 3. Septemberwochenende 2023 mit einem Fest beendet sein möge. Wie 1975, als der Abschluss der Verschönerungsarbeiten am Gebäude der Brückenmühle und die Fertigstellung des Fußgängerüberwegs zum Färbertorplatz zur Grundidee eines ersten Gernsbacher Altstadtfestes geführt hatte.


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