„Offensive Hilfe“ für Familien

Rastatt (ema) – Nach einem Krisengespräch im Landratsamt soll den Opfern des mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs im Wintersdorfer Kindergarten möglichst zügig geholfen werden.

Die Aufarbeitung der Pein soll den Kindern zügig ermöglicht werden. Foto: dpa

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Die Aufarbeitung der Pein soll den Kindern zügig ermöglicht werden. Foto: dpa

Die Opfer des mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs durch einen 50-jährigen Erzieher im katholischen Kindergarten St. Michael Wintersdorf sollen zügig eine therapeutische Behandlung bekommen. Es dürfe nicht sein, dass die üblichen Wartezeiten von neun bis zwölf Monaten bei Kinderpsychologen eine sofortige Hilfe vereiteln, erklärte Kreis-Sozialdezernent Stefan Biehl im BT-Gespräch.

Biehl moderierte am Donnerstag ein Krisengespräch im Landratsamt, an dem unter anderem Vertreter von Jugendamt, katholischer Kirche, Beratungsstellen, Stadt Rastatt sowie Ortsvorsteherin Daniela Schneider teilnahmen. Die Teilnehmer hätten sich darauf verständigt, dass man offensiv auf die Eltern wegen Hilfsangeboten zugehe. „Da ist vor allem der Träger gefordert“, sagt Biehl. Einige Familien würden bereits Hilfe der Vereine Feuervogel (Rastatt), Cora (Baden-Baden) und der psychologischen Beratungsstelle des Landkreises in Anspruch nehmen. Neben der Wartezeit bei den Therapeuten müsse man auf den Umstand reagieren, dass nicht alle Jugendpsychologen auf kleine Kinder spezialisiert seien, so Biehl. Deshalb werde vor allem die katholische Kirche therapeutische Hilfe mit Fachkräften organisieren und gegebenenfalls externe Therapeuten verpflichten. Auch an die Erzieherinnen müsse man denken, die ja weiterarbeiten und erst mal damit klarkommen müssten, was der in dieser Woche verhaftete Kollege verbrochen hat.

Eltern kündigen

Reagieren müssen Kita-Träger und Stadt Rastatt auch auf Abmeldungen in der Wintersdorfer Einrichtung, die mit ihrem deutsch-französischen Zug konzeptionell eine Sonderstellung in der Rastatter Kita-Landschaft einnimmt. Deshalb müsse man in anderen Einrichtungen nach Plätzen schauen. Das Problem: Die Stadt ringt seit Jahren mit Platzknappheit. Biehl zufolge müsse man notfalls mit Ausnahmegenehmigungen arbeiten; das Landesjugendamt habe Unterstützung angeboten.

Nach Auskunft der Stadtverwaltung haben bereits zehn Eltern signalisiert, die Kita wechseln zu wollen. „Die Stadt und die katholische Kirche unterstützen jene Eltern und Kinder bei einem Kita-Wechsel, die persönlich belastet sind oder aber kein Vertrauen mehr in die Wintersdorfer Einrichtung haben“, heißt es aus dem Rathaus. Stadt und Kirche seien bemüht, schnellstmöglich einen Ersatzplatz für diese Kinder in Rastatt zu finden. Auch der Kommunalverband Jugend und Soziales habe Unterstützung angeboten. Angedacht ist, dass vorübergehend einzelne Gruppen um einen Platz erweitert werden.


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