Oftmals nur reine Handarbeit möglich

Murgtal (stj) – Der Landschaftserhaltungsverband Rastatt hat die Aufgabe, die hiesige Kulturlandschaft zu schützen. BT-Redakteur Stephan Juch hat Geschäftsführerin Diana Fritz interviewt.

Schon mehr als zehn Hektar verbrachte Flächen haben Ehrenamtliche im Murgtal bisher der sogenannten Erstpflege unterzogen und sie wieder freigestellt. Unser Bild zeigt eine Aktion aus dem Jahr 2018 im Ätzenbachtal in Obertsrot. Foto: Stephan Juch

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Schon mehr als zehn Hektar verbrachte Flächen haben Ehrenamtliche im Murgtal bisher der sogenannten Erstpflege unterzogen und sie wieder freigestellt. Unser Bild zeigt eine Aktion aus dem Jahr 2018 im Ätzenbachtal in Obertsrot. Foto: Stephan Juch

BT: Frau Fritz, Wie hat sich das Projekt Landschaftspflege von Vereinen seit seinem Start entwickelt?

Diana Fritz: Seit vielen Jahren (schon vor Bestehen des Landschaftserhaltungsverbands) stellen Vereine an der Sommerseite in Bühl-Neusatz, am Engelsberg in Bühlertal, in Ötigheim, Kuppenheim und Sinzheim einen Antrag für Pflegemaßnahmen oder Amphibienschutz bei der Unteren Naturschutzbehörde. Diese Pflegemaßnahmen werden nach Vorgaben der Landschaftspflegerichtlinie mit Mitteln des Landes oder des Landkreises Rastatt bezuschusst. Von den Vereinen werden verbrachte Flurstücke freigestellt, teilweise wird von ihnen auch die Nachpflege (Mähen) in den Sommermonaten, um die Flächen langfristig offenzuhalten und zu artenreichen Wiesen zu entwickeln, übernommen oder es werden mobile Amphibienschutzzäune aufgestellt und betreut.

BT: Wann kam das Projekt ins Murgtal?

Fritz: Im Murgtal sind in den letzten Jahrzehnten viele Hektar Wiesenflächen durch Verbuschung verloren gegangen. Große Teile davon befinden sich auch in als FFH-Gebiet ausgewiesenen Bereichen, für die das Land Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung trägt. In diesen Gebieten sollen verbrachte Flächen wieder freigestellt werden und durch Mahd oder Beweidung langfristig offengehalten und wieder zu artenreichen Wiesen entwickelt werden.

Die Entbuschung eines größeren, zusammenhängenden Gebiets durch Vereine wurde 2017 erstmals in Reichental in Angriff genommen. Anders als in ebenen Regionen, wo solche Freistellungen von Flächen mit entsprechenden Maschinen durchgeführt werden können, ist in steilen Gebieten vor allem in Trockenmauerkomplexen oftmals nur reine Handarbeit bei den Arbeiten möglich. Daher kam der Gedanke auf, ähnlich wie schon an der Sommerseite in Neusatz oder am Engelsberg in Bühlertal, Vereinen die Möglichkeiten anzubieten, Erstpflegemaßnahmen durchzuführen und damit die Vereinskasse aufzubessern.

Reichental 2017 als Vorreiter

In Reichental haben sich mehrere Vereine gemeldet, die seitdem jedes Jahr im Herbst (Erstpflegemaßnahmen sind laut dem Naturschutzgesetz nur im Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 28./29. Februar erlaubt) im Oktober und November Entbuschungsarbeiten durchgeführt haben. So konnten im Gewann Steinacker/ Hail in Reichental bereits mehrere Hektar freigestellt werden, die während der Vegetationsperiode im Auftrag der Naturschutzbehörde beweidet und entsprechend nachgepflegt werden. Die Flächen haben sich seither sehr gut entwickelt, sind teilweise schon zu Grünland geworden, das mit Rindern und Schafen beweidet werden kann. In den letzten Jahren kamen dann immer mehr Vereine mit ähnlichen Maßnahmen dazu.

BT: Wenn Fördergelder im Spiel sind, hört man oft Klagen über zu viel Bürokratie. Wie läuft das in diesem Fall?

Fritz: Meist schlägt der LEV entsprechende Flächen in den einzelnen Ortschaften vor und betreut die Vereine dann bei der Antragstellung, die für die Fördergelder notwendig ist. Die Anträge werden dann je nach Förderkulisse (FFH-Gebiet, Landschaftsschutzgebiet, Mindestflur etc.) bei der Unteren Naturschutzbehörde oder beim Landwirtschaftsamt gestellt.

BT: Die Beteiligung hat im Corona-Jahr spürbar zugenommen im Murgtal.

Fritz: Da der Unteren Naturschutzbehörde in diesem Jahr ausreichend Landesmittel für Pflegemaßnahmen zur Verfügung standen, wurden im Laufe des Jahres noch weitere Vereine für Pflegemaßnahmen gewonnen. Durch die fehlenden Einnahmen wegen abgesagter Vereinsfeste war auch bei weiteren Vereinen ein verstärktes Interesse an Landschaftspflegemaßnahmen vorhanden.

Ausnahmslos schwierige Flächen

BT: Wo genau?

Fritz: Es wurden Flächen in Hundsbach, Gausbach, Langenbrand, Reichental, Obertsrot, Lautenbach und Loffenau freigepflegt, die in Zukunft im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde beweidet oder gemäht werden. Viele dieser Vereine haben auch für das kommende Jahr bereits ihr Interesse an weiteren Pflegearbeiten bekundet, und es werden dafür neue Anträge gestellt.

Bei den Pflegeflächen handelt es sich ausnahmslos um schwierige Flächen, die steil und schwer zugänglich sind. Es müssen teilweise Trockenmauern oder große Steinriegel überwunden werden, um überhaupt auf die Fläche zu gelangen. Ein großes Lob an alle Vereinsmitglieder, die sich an den Landschaftspflegearbeiten beteiligt haben und die Flächen tipp-top gepflegt haben.

BT: Wie viele Vereine haben sich bisher daran beteiligt?

Fritz: Im Murgtal waren diesen Herbst elf Vereine aktiv. Dabei sind ganz unterschiedliche Gruppierungen wie Musikvereine, Narrenzünfte, Motorradclubs etc. im Einsatz.

BT: Wie viele Flächen (Hektar) konnten bislang durch dieses ehrenamtliche Engagement entbuscht und für die Folgepflege durch Tierhalter vorbereitet werden?

Fritz: Mittlerweile sind es mehr als zehn Hektar.

BT: Wie findet der Landschaftserhaltungsverband die geeigneten Flächen, wie sieht die Vorgehensweise aus?

Fritz: Zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde wird versucht, zum einen die ausgewiesenen FFH-Gebiete (auch entsprechend der Vorgaben der Managementpläne) zu entwickeln, aber auch geschützte Biotope, wertvolle Wiesen und Trockenmauerkomplexe etc. zu pflegen und zu erhalten. Wenn sich die dafür notwendigen Arbeiten für örtliche Vereine anbieten und sich ein Verein in diesem Ort findet, der die Arbeiten durchführen möchte, dann kann der Verein einen Antrag stellen.

BT: Wie wird die ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder vergütet?

Fritz: Die Vereine bekommen eine Aufwandsentschädigung entsprechend den Vorgaben der Landschaftspflegerichtlinie.

BT: Gibt es ein zeitliches Limit für diese Form der Landschaftspflege? Wie geht es damit in Zukunft weiter? Flächen dürfte es ja noch zur Genüge geben.

Fritz: Wenn es sich um Erstpflegearbeiten handelt, werden diese von den Vereinen in der Regel im Oktober und November durchgeführt, da im Dezember Kassenschluss für die bewilligten Geldmittel des jeweiligen Jahres ist. Ansonsten gibt es, wenn genug Fördergelder auch in Zukunft zur Verfügung stehen werden, kein zeitliches Limit.


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