Ohne Hofmann: KSC verliert 0:2 in Hannover

Hannover (BT) – Fußball-Zweitligist Karlsruher SC wartet mittlerweile seit fünf Spielen auf einen Sieg: Am Freitagabend verlor die Mannschaft von Trainer Christian Eichner 0:2 bei Hannover 96.

Kaum Torgefahr: Hannovers Keeper Ron-Robert Zieler wird von KSC-Kapitän Jérome Gondorf (links) und dessen Teamkollegen zu selten gefordert. Foto: Markus Gilliar /GES

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Kaum Torgefahr: Hannovers Keeper Ron-Robert Zieler wird von KSC-Kapitän Jérome Gondorf (links) und dessen Teamkollegen zu selten gefordert. Foto: Markus Gilliar /GES

In der Nachspielzeit wurde es noch einmal wild. Mittelfeldstratege Marvin Wanitzek gab plötzlich den Rechtsverteidiger, Abwehrhüne Daniel Gordon warf sich als Mittelstürmer ganz vorne in die langen Bällen. Es waren die letzten verzweifelten Angriffsversuche des Karlsruher SC, der kurz darauf brutal vor Augen geführt bekam, was ihm an diesem Freitagabend in Hannover fehlte. Die Gastgeber fuhren einen letzten Konter, den Maximilian Beier mit einem herrlichen Flachschuss ins lange Eck zum 2:0(1:0)-Endstand vollendete.

Beier und der andere Torschütze des Abends, Hendrik Weydandt (25.), hatten 96 zum nun fast sicheren Ligaverbleib geschossen und die Fans mit ihrem Team versöhnt. Während vor der Nordkurve die Laola-Welle auf- und abschwappte, sprach KSC-Trainer Christian Eichner bei Schiedsrichter Lasse Koslowski vor. Der hatte im ersten Durchgang ein Foul von Julian Börner an Fabian Schleusener, das man bei strenger Regelauslegung sogar als Notbremse hätte werten könne, übersehen.

Schleusener darf in der Spitze ran

Die Karlsruher, die ohne ihren gelbgesperrten Top-Torjäger Philipp Hofmann den Kasten von Ron-Robert Zieler zu selten ernsthaft in Gefahr brachten, rutschten durch die zehnte Saisonniederlage auf Rang elf der Tabelle ab. An diesem Samstag können zudem noch Jahn Regensburg und Hansa Rostock vorbeiziehen.

„Das war heute mal eine wichtige Prüfung für uns, ohne Philipp Hofmann zu spielen. Diese Erkenntnisse und Erfahrungswerte nehmen wir mit. Trotzdem bin ich ja Trainer und habe ein sehr anständiges Auswärtsspiel meiner Mannschaft gesehen“, meinte Eichner nach dem Spiel.

Auch Jérome Gondorf war nicht unzufrieden mit dem Auftritt seines Teams. Der KSC-Kapitän musste allerdings auch zugeben: „Am Ende wird eben in der Box abgerechnet und da waren wir letztlich, so ehrlich muss man sein, zu ungefährlich.“

Und so endete das Zweitliga-Debüt von Torhüter Niklas Heeger, der anstelle von Markus Kuster zwischen den Pfosten stand, mit einer Enttäuschung. Heeger war nicht der einzige Neue, den Eichner im Vergleich zum 2:2 gegen Ingolstadt in die Anfangsformation berufen hatte. Rechts hinten feierte Jannis Rabold sein Startelf-Debüt, den am Kopf verletzten Innenverteidiger Daniel O’Shaughnessy ersetzte Daniel Gordon und für Hofmann lief Kyoung-Rok Choi auf, der auf links begann. In der Spitze durfte Schleusener sein Glück versuchen.

Rund 14.000 Zuschauer hatten sich in der knapp 50.000 Fans fassenden HDI Arena eingefunden, darunter 650 aus Karlsruhe. Linton Mainas Solo nach acht Minuten, das durch eine ungenaue Hereingabe versandete, und Christoph Kobalds letztlich harmloser Kopfball im Anschluss an einen Eckball (11.) blieben hüben wie drüben für längere Zeit die einzigen Torannäherungen.

In der Offensive viel zu harmlos

Erst nach knapp 25 Minuten kam mehr Schwung in die Partie. Tim Breithaupt köpfte nach einer Flanke von Marvin Wanitzek knapp vorbei, ehe wenige Sekunden später die Gastgeber jubelten. Rabold und Benjamin Goller ließen Maina auf rechts zu viel Platz, dessen Hereingabe wuchtete Weydandt, von Kobald und Gordon nicht entscheidend gestört, per Kopf in die Maschen. Heeger war dabei chancenlos und hätte sieben Minuten später beinahe ein weiteres Mal hinter sich greifen müssen: Nach einer Karlsruher Ecke konterte 96 blitzsauber, Philipp Ochs bediente Beier, der frei vor dem KSC-Tor verzog.

Ähnlich leichtfertig ging Maina mit seiner Gelegenheit in der 41. Minute um. Den Ball, der ihm acht Meter vor dem Tor vor die Füße gefallen war, setzte er klar daneben. Auch bei Weydandts Kopfball-Aufsetzer kurz vor dem Pausenpfiff wäre mehr drin gewesen. Der KSC trat offensiv nur selten in Erscheinung. Ein zu hoch angesetzter Distanzschuss von Heise (28.) und ein Abschluss Schleuseners aus spitzem Winkel (33.) waren die besten Chancen zum Ausgleich.

Nach Wiederbeginn waren die Gäste um noch mehr Spielkontrolle bemüht und verzeichneten durch Wanitzek auch die erste Aktion im Sechzehner. Der Mittelfeldmann kam nach einem Freistoß im Strafraum aussichtsreich an den Ball, brachte diesen aber nicht an Zieler vorbei (51.).

Eichner stellt auf 4-4-2 um

Der musste acht Minuten darauf bei der bis dato besten Gelegenheit der Karlsruher nicht eingreifen. Philip Heise schickte Goller steil, der in der Mitte Schleusener bediente. Eine Grätsche von Ochs verhinderte schließlich das 1:1.

Der KSC wusste mit dem Übergewicht allerdings im letzten Drittel nicht viel anzufangen, was Eichner nach 72 Minuten zu seinem ersten Wechsel veranlasste. Malik Batmaz kam für Goller und gesellte sich in einem 4-4-2 zu Schleusener in den Sturm. Dieser vergab nach einer Flanke von Gondorf per Kopf die nächste Halbchance (75.).

In der Schlussphase setzte Eichner alles auf eine Karte und wechselte weitere vier Mal. Unter anderem kam U-19-Stürmer Stefano Marino zu seinem zweiten Einsatz bei den Profis.

Es half alles nichts mehr. Während die Karlsruher Angriffe versandeten, machten die Gastgeber mit der letzten Aktion des Spiels den Deckel drauf. Beier hatte bei einem Konter viel Platz, wurde von Kobald nicht richtig angegriffen und versenkte den Ball im langen Eck (90.+3). „Das ist Qualität, wenn ich an das zweite Tor denke. Das ist großartig gemacht“, meinte Eichner zu Beiers Maßarbeit.

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Marius Bücher

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Erstellt:
29. April 2022, 23:07 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 44sec

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