Ohne die Sprache funktioniert es nicht

Sinzhzeim (sga) – Homeschooling ist schwierig – erst recht, wenn man kein Deutsch versteht: Das Begegnungszentrum St. Vinzenz sucht nach ehrenamtlichen Helfern für zugewanderte Familien.

Oft eine überfordernde Situation: Zwischen Homeoffice und Haushalt müssen Eltern seit Monaten ihren Kindern bei Schulaufgaben helfen. Foto: Annette Riedl/dpa

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Oft eine überfordernde Situation: Zwischen Homeoffice und Haushalt müssen Eltern seit Monaten ihren Kindern bei Schulaufgaben helfen. Foto: Annette Riedl/dpa

Zuhause lernen und Hausaufgaben machen: Die derzeitige Situation ist für deutsche Schüler und ihre Eltern keine einfache. Für zugezogene Familien jedoch sieht es teilweise noch schlimmer aus. Denn der Alltag im Unterricht vor Ort ist nicht nur wichtig für die Bildung, sondern auch die beste Möglichkeit, soziale Kontakte zu suchen. „Keine gute Voraussetzung für Menschen, die sich hier in Deutschland erst noch etwas aufbauen müssen“, weiß Dominik Springmann.

Als Leiter des Begegnungszentrums St. Vinzenz in Sinzheim organisiert er unter normalen Umständen eine Hausaufgabenbetreuung für Grundschüler, die Teil von zugewanderten Familien sind. Unterstützung gibt es dabei von ehrenamtlichen Helfern, die bis zu drei Mal die Woche den Kindern bei ihren Schularbeiten zur Seite stehen.

„Die letzten Wochen gestaltete sich das natürlich schwierig“, denn zu hohe Inzidenzwerte und strenge Hygienevorschriften haben nicht nur die Organisation erschwert, „sondern verständlicherweise auch bei allen Beteiligten für Angst gesorgt“, weiß Springmann zu berichten.

Hausaufgabenbetreuung fällt seit Wochen aus

Also fiel in den vergangenen Wochen die Hausaufgabenbetreuung in dem Begegnungszentrum aus. „Nicht gut“, seufzt eine Ehrenamtliche aus Sinzheim traurig. Seit Anfang März kümmert sie sich in ihrer Freizeit privat um ein junges Mädchen, erledigt mit ihr die Hausaufgaben und hat auch sonst ein offenes Ohr für sie: „Es ist nicht nur wichtig, dass die Noten stimmen. Wir sprechen hier schließlich von Kindern, die schlussendlich erst mal Deutsch lernen müssen.“ Denn ohne Sprache, so die Ehrenamtliche, funktioniere nichts.

„Wie soll sich unser Nachwuchs außerdem in unserer Gesellschaft integrieren, wenn er aufgrund von Corona absolut keine Kontakte zu deutschen Familien hat?“ Teilweise fehle es bei den Kindern so sehr an einem sozialen Umfeld, dass ihnen einfache Dinge wie das Lachen oder andere Emotionen kein Begriff sind.

„Wie soll das auch gehen? Es ist ja kaum jemand da, der es ihnen erklärt. Die Eltern sprechen doch teilweise selbst nur brüchig unsere Sprache“, ärgert sich die Ehrenamtliche.

Das sehen auch Dominik Springmann und Michaele Schossier, Integrationsbeauftragte in Sinzheim, so: „Wir wollen versuchen, künftig wieder eine Hausaufgabenbetreuung anbieten zu können.“

Inzwischen stehe die Zahl der Geimpften, und auch die Inzidenzwerte würden sich in einem deutlich niedrigeren Bereich bewegen, so Schossier weiter. Und sie führt weiter aus: „Wir suchen Personen, die in dieser schwierigen Zeit die Kinder entweder direkt im Homeschooling oder aber im Rahmen der Hausaufgabenbetreuung im Begegnungszentrum St. Vinzenz unterstützen können.“

Ort und Zeit können laut Springmann individuell festgelegt werden. Selbstverständlich werde ein Hygienekonzept erstellt, um für die Sicherheit vor Ort zu sorgen. Dazu stehen unter anderem Masken, Plexiglasscheiben, CO2-Warngeräte sowie die üblichen Desinfektionsmittel zur Verfügung. Wer Interesse hat, kann sich direkt bei Dominik Springmann unter dominik.springmann@sinzheim.de melden.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
20. Mai 2021, 12:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 23sec

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