Ohne einheitliche Linie

Karlsruhe (BNN) – Zwischen Lust und Vernunft: Die wenigsten Kultureinrichtungen nehmen Abschied von der Maske, obwohl sie dürften.

Appell an die Vorsicht: Während einige Theater noch an der Maskenpflicht festhalten, bauen andere auf die Vernunft ihrer Gäste. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Appell an die Vorsicht: Während einige Theater noch an der Maskenpflicht festhalten, bauen andere auf die Vernunft ihrer Gäste. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Maske gehört wie der Haustürschlüssel weiter zu den Dingen, die man beim Konzertbesuch nicht daheim liegen lassen sollte. Zwar sind die meisten allgemeinen Corona-Schutzregeln am 3. April gefallen, die Maskenpflicht aber ist noch nicht überall vom Tisch. Das gilt auch und besonders dort, wo man Schulter an Schulter einer kulturellen Veranstaltung folgt oder sich Zeit nimmt für Kunst oder Literatur in Museen, Galerien oder Bibliotheken.

Da nun die 3G-Kontrollen am Einlass weggefallen sind, hat auch das Virus wieder freien Eintritt. Und die Inzidenzen sind immer noch hoch. Deshalb hatte das Land Baden-Württemberg den staatlichen Kultureinrichtungen zwei Tage vor Ablauf der Vorschrift empfohlen, zu prüfen, ob sie über ihr Hausrecht die Pflicht zum Tragen einer medizinischen oder FFP2-Maske beibehalten können – und wollen. Das Ergebnis ist so unterschiedlich wie vorläufig.

Grundsätzlich darf jede Einrichtung von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und auf Masken bestehen. Viele Einrichtungen bleiben vorsichtig und halten mehr oder weniger streng an ihr fest. Andere bauen auf die Vernunft der Gäste. Das hängt vor allem damit zusammen, was geboten wird – und wo.

Kinos erheben keine Maskenpflicht: Bei Kinos ist die Lage klar: Die Lichtspielhäuser in der Region erheben keine Maskenpflicht: Vom Cineplex Pforzheim bis zur Schauburg Karlsruhe wird die Maske jetzt nur noch empfohlen. Tickets online kaufen, Maskenempfehlung und Grüppchen vermeiden sind die Devise. Und offenbar sind die meisten Filmfans selbst noch vorsichtig. „Bestimmt 90 Prozent der Gäste kommen mit Maske“, schätzt Herbert Born von der Schauburg.

Museen sind noch vorsichtig: So gilt im Badischen Landesmuseum für alle ab sechs Jahren weiterhin die Pflicht, mindestens eine medizinische Maske zu tragen. Auch Einrichtungen wie das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) oder die Städtische Galerie Karlsruhe verlangen vorerst weiter grundsätzlich das Tragen einer Maske. Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden nur bei Führungen. Das Schmuckmuseum Pforzheim bittet darum, verpflichtet aber niemanden.

Staatstheater machen vom Hausrecht Gebrauch: Bei Theatern hingegen kommt es auf den Einzelfall an: Wo der Atem stockt, steckt oft eine gute Darbietung klassischer Musik dahinter. Um ihr Publikum aber weiter mit gutem Gefühl durchatmen zu lassen, bleiben einige Theater bei der Maskenpflicht. So hält das Badische Staatstheater bis Ende April an ihr fest. Das Nationaltheater Mannheim sogar bis auf Weiteres und erklärt dies sowohl mit dem Infektionsgeschehen wie auch mit der Publikumsstruktur.

Festspielhaus und Theater Baden-Baden appellieren: Andere überlassen die Entscheidung den Gästen, appellieren aber: Das Festspielhaus Baden-Baden, wo am Samstag die Osterfestspiele beginnen, richtet ebenso wie das Theater Baden-Baden nur die Bitte an das Publikum, Masken zu tragen. Auch das Theater Pforzheim formuliert auf Plakaten beim Eintritt den Appell, während der Vorstellung eine FFP2-Maske zu tragen. Sorgen machen müsse sich niemand, so der kaufmännische Direktor Uwe Dürigen: „Die leistungsstarke Lüftungsanlage ist auf einen reinen Frischluftbetrieb und die konsequente Überwachung von Aerosolbildung umgestellt. Das sind optimale Voraussetzungen für einen sicheren Vorstellungsbesuch.“

Tollhaus steht vor Rockkonzert mit 1.400 Gästen: Und mal wieder so richtig abrocken? Toben? Schwitzen? Mitgrölen? Die Versuchung ist groß, wenn The Sisters of Mercy am Freitag im Tollhaus Karlsruhe zum guten alten „Temple of Love“ locken. „Mit Bühnennebel und allem, was das Vergnügen eines Rockkonzertes ausmacht“, sagt Pressesprecher Johannes Frisch. Zum ersten Mal seit langem erwartet das Haus ungefähr 1.400 Gäste im großen Saal. Der sei wie auch der kleine Saal spätestens seit der Pandemie mit einer sehr guten Lüftungsanlage in Betrieb. Dennoch setzt das Tollhaus auf die Vorsicht der Gäste und bittet darum, beim Veranstaltungsbesuch auch weiterhin medizinische Masken (am besten FFP2) zu tragen. Die Erfahrung zeige bisher laut Frisch: „Der überwiegende Teil kommt der Bitte nach.“

Alte Hackerei baut auf Tests statt Masken: Ganz anders verfährt die Alte Hackerei in Karlsruhe. Die Maske ist nicht das, was sich der Punk-, Metal- und Rock-Fan im Gesicht wünscht. Weshalb dort zuvor schon ohne Maske vor die Bühne durfte, wer die 2G-plus-Regel erfüllte. Und auch jetzt setzt die Hackerei auf frische Tests. „Wir appellieren an alle Gäste, sich weiterhin regelmäßig testen zu lassen, so wie das auch das Team der Alten Hackerei vor jeder Schicht weiterhin tun wird“, heißt es auf der Internetseite. „Nur so werden wir einen durchgehenden Betrieb gewährleisten können und die Hackerei offen halten.“

Ihr Autor

BNN-Redakteurin Isabel Steppeler

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Erstellt:
8. April 2022, 11:45 Uhr
Lesedauer:
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