Ohne hohe Erlöse „wäre das eine Katastrophe gewesen“

Baden-Baden (naf) – Die Obst- und Gemüsebauer in Baden-Württemberg steigern 2020 ihren Gesamtumsatz trotz Pandemie-Jahr und Mengenrückgängen. Trotzdem hofft man nun auf einen besseren Saisonstart.

Unverzichtbar: Auch während der Pandemie ist man hierzulande auf Saisonarbeiter angewiesen. Foto: Jens Büttner/dpa

© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Unverzichtbar: Auch während der Pandemie ist man hierzulande auf Saisonarbeiter angewiesen. Foto: Jens Büttner/dpa

Witterungs- und marktbedingt haben sie immer mit Herausforderungen zu kämpfen. Doch das vergangene Corona-Jahr stellte die genossenschaftliche Obst- und Gemüsewirtschaft vor ganz neue Schwierigkeiten. „Getragen von einer ermutigenden Wertschätzung durch die Bevölkerung“ habe man diese jedoch „gut gemeistert“, sagt Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands.

„Die Menschen haben erkannt, dass regionale Landwirtschaft einen Wert an sich darstellt“, betont Glaser. Während der Pandemie hätten viele zuhause gekocht und dabei häufig auf frische und regionale Lebensmittel gesetzt – zum Vorteil der hiesigen Erzeuger. Vor allem der Anfang der Pandemie hatte ihnen herbe Verluste eingebracht. „Insbesondere im Frühjahr konnte nicht immer die komplette Ernte gesichert werden“, so Glaser, „die fehlenden Saisonkräfte aus dem Ausland haben Spuren hinterlassen.“ Auch Hans Lehar, geschäftsführender Vorstand der Obst- und Gemüse-Vertriebsgenossenschaft Nordbaden, betont die „enormen Kosten“, die im vergangenen Jahr auf die Betriebe zukamen, beispielsweise durch das Einfliegen von Saisonarbeitern. „Wenn der höhere Erlös vom Markt nicht möglich gewesen wäre, wäre das eine Katastrophe gewesen“. Damit sich das nicht wiederholt, sei man wegen der Erntehelfer im Gespräch, insbesondere mit dem Wirtschaftsministerium. „Stabilität und Berechenbarkeit“ braucht die Branche, so Glaser. Bisher sei man „trotz Corona mit einem blauen Auge davon gekommen“, ergänzt Lehar.

Gesamtumsatz um vier Prozent gestiegen

Insgesamt 211.000 Tonnen Obst haben die genossenschaftlichen Erzeugermärkte 2020 verkauft: Das sind knapp 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Gemüsewirtschaft verzeichnet Mengenrückgänge von rund 12 Prozent. Trotzdem konnten die Umsätze gesteigert werden, sowohl beim Obst – um 16 Prozent – als auch beim Gesamtumsatz – um vier Prozent. Damit belief sich der Gesamtumsatz auf 511 Millionen Euro, in Baden auf 267 Millionen Euro (0,3 Prozent weniger als im Vorjahr).

Die Rückgänge seien vor allem den Äpfeln geschuldet: Rund 30.000 Tonnen (minus 14 Prozent) wurden weniger vermarktet als 2019. Weitere Rückgänge gibt es bei den Zwetschgen (minus 26 Prozent) sowie den Erdbeeren (minus 5 Prozent). Auf einem historisch niedrigen Niveau lag außerdem die Absatzmenge beim Spargel – mit 4.700 Tonnen rund 14 Prozent unter dem des Vorjahres. „Ernte- und Krisenbeginn fielen zusammen“, erinnert Glaser. Außerdem hatte die Landwirtschaft 2020 zusätzlich im dritten Jahr in Folge mit einem sehr trockenen Sommer zu kämpfen. „Das Klima verändert sich, das wird ein elementares Thema bleiben“, sagt Lehar und betont, dass besonders Sonderkulturen damit zu kämpfen haben. Die vergangenen tiefen Temperaturen mit durchgängigen Frostperioden hätten den Böden nun allerdings gutgetan – die Erwartungen an das laufende Obst- und Gemüsejahr seien positiv. „Jetzt wird es darauf ankommen, dass die Politik auch genügend Spielraum gibt“, so Glaser mit Blick auf ausstehende, bundesweite Entscheidungen.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.