„Olaf“-Rufe, enttäuschtes „Ohh“ und viel Erleichterung

Baden-Baden/Rastatt/Bühl (BT) – Die Parteien und ihre Wahlpartys in Mittelbaden: Dort zeigte sich ein wahrer Gemischtwarenladen an Reaktionen. Das BT hat Eindrücke und Reaktionen gesammelt.

Nicht ganz zufrieden blicken die Grünen im Baden-Badener „Amadeus“ auf die Leinwand. Foto: Anne-Rose Gangl

© Anne-Rose Gangl

Nicht ganz zufrieden blicken die Grünen im Baden-Badener „Amadeus“ auf die Leinwand. Foto: Anne-Rose Gangl

Dass es bei der CDU keine rauschende Wahlparty werden würde, war angesichts der Umfragewerte schon vorher klar. Fast emotionslos nehmen die Mitglieder der CDU-Kreisverbände Baden-Baden und Rastatt daher die erste Hochrechnung zur Bundestagswahl 2021 entgegen. Rund 60 Unterstützer des mittelbadischen Bundestagsabgeordneten Kai Whittaker haben sich im Baden-Badener „Rantastic“ in eher familiärer Atmosphäre – zwei kleine Kinder krabbeln auf dem Boden – am Wahlabend getroffen, um sich gemeinsam die ARD-Berichterstattung auf einer Videoleinwand anzusehen. Nur eine CDU-Wahlkämpferin lässt sich bei der Rede von Spitzenkandidat Armin Laschet zu spontanem Applaus hinreißen.

CDU-Abgeordneter Kai Whittaker (mit Maske) mit seinen Unterstützern. Foto: Tobias Symanski

© Tobias Symanski

CDU-Abgeordneter Kai Whittaker (mit Maske) mit seinen Unterstützern. Foto: Tobias Symanski

Erleichterung, als die ersten Auszählungen im Wahlkreis Rastatt eintrudeln. „Es sieht ganz gut aus“, sagt Sabine Arnold, CDU-Stadtverbandsvorsitzende in Gaggenau. Kai Whittaker hat bei den Erststimmen die Nase vorn und wird damit erneut direkt in den Bundestag einziehen. Das primäre Ziel der Partei in Mittelbaden sei also erreicht.

Zufrieden mit dem SPD-Ergebnis: Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek und Jonas Weber. Foto: Frank Vetter

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Zufrieden mit dem SPD-Ergebnis: Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek und Jonas Weber. Foto: Frank Vetter

Freude und Erleichterung, von 60 Sozialdemokraten: Bei der Wahlparty der Bundestagsabgeordneten Gabriele Katzmarek im Rastatter „Zaystübl“ dauert es bis zur ersten Hochrechnung, bis die Sektkorken knallen. Landtagsabgeordneter Jonas Weber meint: „Wir haben die Chance, auf Platz eins zu landen. Danke für euren Einsatz im Wahlkampf“, sagt er zu den Genossen. Noch vor der ersten Hochrechnung zeigt er sich zuversichtlich, die neue Bundesregierung stellen zu können und zu zeigen, „dass wir es besser können. Die Union muss in die Opposition.“

Euphorische Jusos heben „Olaf, Olaf“-Rufe an. Der SPD-Fraktionschef im Rastatter Gemeinderat, Joachim Fischer, strahlt: „So ein Tag, so wunderschön wie heute.“ Er unterstreicht mit Blick auf die Landtagswahlergebnisse, die SPD habe das „Triple“ geschafft.

Die Symbolpflanze der Grünen, die Sonnenblumen, zieren die Tische im „Amadeus“ in Baden-Baden, wo sich Bündnis 90/Die Grünen zur Wahlparty treffen. Die Aufregung unter den zahlreichen Besuchern löst sich nach einem enttäuschten „Ohhh“, als um 18 Uhr die ersten Wahlprognosen einlaufen. Das Wunschergebnis von 20 Prozent ist nicht erreicht, dennoch hält sich die Enttäuschung in Grenzen. „Es ist das beste Ergebnis, das die Grünen bei Bundestagswahlen in den vergangenen Jahren erhalten haben“, sagt Kreisvorsitzende Birgit Gerhard-Hentschel. „Einerseits ist es ein gutes Ergebnis, aber mir ist es zu wenig und eine Katastrophe für den Klimaschutz“, so Hans-Peter Behrens, Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Baden-Baden. Als „bitteren Erfolg“ bezeichnete der Rastatter Grünen-Kreisrat Manuel Hummel das Ergebnis. Selbst nach zwei heißen und trockenen Sommern sowie der Flutkatastrophe an der Ahr hätten die Menschen noch immer nicht begriffen, dass hinsichtlich des Klimaschutzes etwas getan werden muss, so Hummel.

FDP-Wahlkämpfer blicken gespannt auf die ersten Ergebnisse der Bundestagswahl. Foto: Ulrich Philipp

© Ulrich Philipp

FDP-Wahlkämpfer blicken gespannt auf die ersten Ergebnisse der Bundestagswahl. Foto: Ulrich Philipp

Gemischte Reaktionen zeigen die etwa 70 FDP-Anhänger im Café der Kunsthalle in der Kurstadt, als die erste Prognose einläuft. Jubel kommt erst bei der Mitteilung auf, dass es eine linksgerichtete Koalition voraussichtlich nicht geben wird. „Ich bin erleichtert, dass eine Koalition aus SPD, Linken und Grünen nicht zum Zuge kommt. Mit dem Ergebnis der FDP bin ich zufrieden“, sagt der frühere Bundestagsabgeordnete Olaf Feldmann. „Ich freue mich auf die Verhandlungen, mit wem auch immer. Wir warten auf Angebote“, sagt der Baden-Badener Stadtrat René Lohs. Und Wahlkampfleiter Lutz Jäckel erklärt: „Wichtig war für uns ein zweistelliges Ergebnis. Wir haben immer noch Luft nach oben. Ich hoffe auf Jamaika, wir sollten unbedingt eine Regierungsbeteiligung suchen, nur so können wir auch gestalten.“

Gedämpfte Stimmung bei der Wahlparty der Linken in Bühl. Foto: Natalie Dresler

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Gedämpfte Stimmung bei der Wahlparty der Linken in Bühl. Foto: Natalie Dresler

Verhaltene Stimmung herrscht bei der Wahlparty von Die Linke in der „Gutsschänke da Scattu“ in Bühl. Die Enttäuschung ist in den Gesichtern zu lesen – mit fünf Prozent will sich keiner der 14 Teilnehmer zufrieden geben. „Das ist ja noch sehr bescheiden, leider“, kommentiert Thomas Hörth, der seit zwölf Jahren Parteimitglied ist. „Ich hoffe, dass es sich noch nach oben und nicht nach unten korrigiert.“ Sein Horrorszenario für den Ausgang der Wahl: „Wenn wir rausfliegen.“ Camille Zaccaria hatte sich um die acht Prozent erhofft, dementsprechend bewertet sie die vorläufigen Zahlen als „sehr enttäuschend“ – vor allem, weil sich die Fraktion im Wahlkampf ihrer Einschätzung nach „präsenter“ gezeigt habe als bei jeglichen Wahlen zuvor. „Wir haben unser Bestes gegeben.“


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