Olli Dittrich schlüpft in die Rolle von Peter Trump

Baden-Baden (red) – Als Peter Trump, fiktiver deutscher Cousin des scheidenden US-Präsidenten, ist Olli Dittrich in der ARD zu sehen. Im Interview spricht der Comedian über seine neue TV-Persiflage.

Olli Dittrich schlüpft für die TV-Persiflage in die Rolle des fiktiven deutschen Cousins von US-Präsident Donald Trump. Foto: Wolcke/beckground tv/WDR

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Olli Dittrich schlüpft für die TV-Persiflage in die Rolle des fiktiven deutschen Cousins von US-Präsident Donald Trump. Foto: Wolcke/beckground tv/WDR

Seine ebenso komischen wie klugen Persiflagen sind Kult: Jedes Jahr kurz vor Weihnachten nimmt Olli Dittrich in seinem „TV-Zyklus“ das Programm auf die Schippe. In „House of Trumps – Peter, ein deutsches Geheimnis“ (17. Dezember, 23.50 Uhr, ARD) schlüpft der Comedian in die Rolle des fiktiven deutschen Cousins von US-Präsident Donald Trump: Günther Jauch, der sich selber spielt, führt als Politjournalist ein Exklusivinterview mit dem auffällig blonden Rentner aus Hessen. Im Interview mit Cornelia Wystrichowski spricht Olli Dittrich über seine neue TV-Persiflage und was ihn am Fernsehen stört.

BT: Herr Dittrich, in Ihrer neuen TV-Persiflage spielen Sie einen deutschen Cousin von Donald Trump namens Peter. Der scheidende US-Präsident hat ja bekanntlich familiäre Wurzeln in der Pfalz…

Olli Dittrich: Peter Trump, geboren 1948, hat nichts mit der pfälzischen Linie zu tun. Er stammt aus Würmeling in Hessen und ist der einzige Sohn des US-Airforce-Piloten Phil Trump, der nach dem zweiten Weltkrieg in Wiesbaden-Erbenheim stationiert war, dort die Bauerstochter Cilly Schreiber kennengelernt und geheiratet hat. In den Jahren 1954 bis 1959 war dann Donald bei seinem deutschen Cousin immer wieder mal im Sommerurlaub. Alles natürlich frei erfunden, aber so wasserdicht bis in die zweite Generation zurück ausgetüftelt mit Stammbäumen, Erlebnissen und Historien fiktiver Personen, dass es absolut wahr sein könnte.

BT: Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen?

Dittrich: Natürlich stand die Aktualität, die anstehende US-Präsidentschaftswahl, zunächst im Vordergrund und die Überlegung, ob und wenn ja wie man sich dem für ein Format nähern könnte. Aber ohne einfach eins zu eins die zigste Gag-Parodie auf Donald Trump zu machen. Das läge mir auch gar nicht, das können andere besser – ich habe nach einem ganz eigenen Dreh gesucht.

BT: Und dabei kamen Sie auf seine deutsche Verwandtschaft?

Dittrich: Donald Trump selbst hat sich ja in Statements mehrfach unterschiedlich und komplett falsch zu seinen deutschen Vorfahren geäußert – mal stammte sein Vater angeblich aus Deutschland, mal war er Schwede. Tatsächlich war der aber waschechter Amerikaner, nur seine Großeltern väterlicherseits waren emigrierte Deutsche, mütterlicherseits Schotten. Also dachte ich: Wenn Trump selbst seine Familiengeschichte schon falsch wiedergibt, dann können wir das erst recht. Mit einem erfundenen Familienmitglied. Das gäbe uns einen Mechanismus in die Hand, Storys aus einer Zeit zu erzählen, über die von Donald Trump wenig bekannt ist. Von jemandem, den keiner kennt, der uns diesen egomanen, machtkranken, korrupten und durchaus kriminell veranlagten Charakter näherbringen kann – aus Kindheitstagen.

„Wir haben ihn endlos studiert“

BT: Haben Sie Donald Trump zur Vorbereitung genau studiert?

Dittrich: Wir haben ihn endlos studiert, allein schon, weil wir natürlich wahre Begebenheiten aus seinem Werdegang mit Fiktionalem verknüpfen – in Bild und Ton. Donald Trumps illustre Geschichte beginnt ja keineswegs mit der Präsidentschaft. Aber je tiefer man da einsteigt, desto absurder wird die Vorstellung, dass so jemand tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten werden konnte.

BT: Ist der fiktive Cousin Peter ein ähnlicher Typ wie Donald Trump?

Dittrich: Peter hat eigentlich gar nichts von alledem und mit Donald wenig gemein. Außer die Haare natürlich. „Das liegt in der Familie“, sagt Peter. „Ein harmloser, genetischer Defekt, nennt sich Hypertrichose – Überbehaarung. Überspringt auch mal eine Generation. Ich hab’s, der Donald hat’s und noch ein paar andere aus der amerikanischen Linie. Großmutter Elisabeth aus Kallstadt soll auch so einen Mords-Donnerputz gehabt haben.“

Lange Vorbereitungszeit nötig

BT: Sie gelten als akribischer Humor-Arbeiter. Wie viel Zeit steckt in der Vorbereitung der einzelnen Folgen der Reihe?

Dittrich: Wir tüfteln in der Regel ein viertel- bis halbes Jahr daran – von der ersten Idee bis zum letzten Tag im Schneideraum. Und ich bin Gott sei Dank nicht allein. Mit Produzent Marcus Foag, Co-Autor Claudius Pläging und dem Journalisten Julian Amershi für die Reportage-Teile hatte ich ein Spitzenteam um mich herum.

BT: In Ihrer Mockumentary-Reihe parodieren Sie Fernsehgenres. Wie beurteilen Sie die aktuelle Fernsehlandschaft, welche Entwicklung fällt Ihnen besonders auf?

Dittrich: Dass man die meisten interessanten Sachen nur noch zu sehen bekommt, wenn man entweder bis in die Nacht aufbleibt, einen Account anlegt oder extra bezahlt. Und dass eine Unterhaltungsshow offenbar nur dann funktioniert, wenn irgendwann irgendwo gebuzzert wird. Oder eine häufig rätselhaft besetzte „Jury“ begutachtet, bewertet und heiter witzelt, während vorne jemand steht, der Angst hat, dass er es nicht auf den „Hot-Seat“, in den Recall oder die Liveshows schafft.

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Erstellt:
17. Dezember 2020, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 17sec

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