Olympia-Boykott: Silber mit vierjähriger Verspätung

Offenburg (ket) – Nächster Teil der Olympia-Boykott-Serie: Arnulf Meffle ist mit den deutschen Handballern 1980 Favorit auf die Goldmedaille, wird aber jäh gestoppt. Das Happy End folgt vier Jahre später.

Arnulf Meffle (rechts) gewinnt 1984 in Los Angeles mit dem DHB-Team die Olympia-Goldmedaille. Foto: Archiv

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Arnulf Meffle (rechts) gewinnt 1984 in Los Angeles mit dem DHB-Team die Olympia-Goldmedaille. Foto: Archiv

Vielleicht war es ja auch ausgleichende Gerechtigkeit, zumindest gänzlich ausschließen sollte man das nicht. Die Handball-Nationalmannschaft der BRD hatte sich für die Olympischen Spiele 1984 zumindest rein sportlich schließlich gar nicht qualifiziert. Dass sie dennoch nicht nur nach Los Angeles flog, sondern am Ende sogar mit der Silbermedaille wieder nach Hause, hatte nicht zuletzt damit zu tun, dass ein Großteil der Ostblockstaaten die Spiele in den USA boykottiert hatte.

Weniger Wert kann das die Medaille nicht machen, auch für Arnulf Meffle nicht. Wenn man so will, hat sich der Mann aus Altenheim bei Offenburg nur geholt, was ihm vier Jahre zuvor zu holen nicht vergönnt war. Zu den Spielen in Moskau wären die Handballer aus der Bundesrepublik schließlich als Weltmeister angereist. 1978 in Kopenhagen hatten Meffle, Brand & Co. mit einem 20:19-Sieg gegen die Sowjetunion ziemlich sensationell den Titel gewonnen. „Damit gehörten wir auch bei den Olympischen Spielen zum Favoritenkreis“, erzählt Meffle.

Allein: Eine Mannschaft aus Westdeutschland trat in Moskau gar nicht an. Der Olympia-Boykott machte der Mannschaft von Bundestrainer Vlado Stenzel einen Strich durch die Medaillenrechnung. „Natürlich war der Ostblock damals ziemlich stark und hat vor Olympia nochmal aufgerüstet. Aber wir waren Weltmeister und in den zwei Jahren danach noch stärker geworden“, blickt Meffle auf die Ausgangslage zurück.

„Wir mussten es damals ausbaden“

Den Boykott kann er, wie die meisten Sportler, die von ihm betroffen waren, nicht nachvollziehen. „Natürlich war der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan eine üble Sache“, sagt der mittlerweile 62-Jährige. Aber zum einen habe das Fernbleiben nichts an der politischen Situation geändert, zum anderen habe der Boykott nicht zuletzt durch die Teilnahme westlicher Staaten wie Frankreich, Italien oder Großbritannien null Symbolwirkung gehabt. „Letztendlich mussten wir es damals ausbaden“, erinnert sich Meffle.

Wie groß die Enttäuschung über die Nicht-Teilnahme bei den deutschen Handballern damals war, zeigt nicht zuletzt, dass ein Teil der Spieler in Folge ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt gab, allen voran Heiner Brand, aber auch Kurt Klühspies, Manfred Hofmann und Rudi Rauer. Es war, wenn man so will, der Anfang vom Ende der 78er-Weltmeistermannschaft. Ein nicht kleiner Umbruch stand an.

Mehr Zeit fürs Studium

Ans Aufhören hat Meffle damals keine Sekunde gedacht. „Dafür habe ich mich viel zu jung gefühlt“, sagt er, gerade mal 23 Jahre war er schließlich alt. Sein Training zurückgeschraubt hat in den folgenden beiden Jahren aber auch er, schon um sein Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg forcieren zu können. „Für Olympia hätte ich ein Urlaubssemester nehmen müssen“, erinnert sich Meffle. So aber hatte er für Studium mehr Zeit denn je. 1981 bestand er das erste Examen, 1982 das zweite. In der Nationalmannschaft hat er in dieser Zeit nicht mehr gespielt. „Die vier Mal Training wöchentlich haben nicht gereicht, um da mitspielen zu können“, blickt Meffle zurück. Aus diesem Grund hat er auch die Teilnahme an der Heim-WM 1982 verpasst, auf Platz sechs landete die bundesrepublikanische Mannschaft damals.

Die Enttäuschung beim Titelverteidiger war groß. Weltmeistertrainer Stenzel musste gehen, Simon Schobel wurde sein Nachfolger. Unter ihm verpasste die deutsche Mannschaft 1983 mit Platz drei bei der B-WM auch die letzte Qualifikationsmöglichkeit für die Spiele im Los Angeles. Erst der Boykott des Ostblocks öffnete der BRD das Türchen zu Olympia – und Meffle jenes zurück in die Nationalmannschaft. Der Rechtsaußen hatte sein Studium mittlerweile erfolgreich abgeschlossen und wieder mehr Zeit fürs Training, prompt berief in Schobel – die beiden waren 1979 mit dem TuS Hofweier deutscher Vizemeister geworden – wieder in den DHB-Kader. Meffle feierte vor den Spielen in Los Angeles sein Comeback – und holte sich dort doch noch, was ihm vier Jahre zuvor verwehrt geblieben war.

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Erstellt:
13. Mai 2020, 20:45 Uhr
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