Omikron-Welle erfasst Klinikum Mittelbaden

Baden-Baden/Rastatt (BNN) – Viele Beschäftigte in den Krankenhäusern und Pflegeheimen des Klinikums Mittelbaden sind infiziert oder in Quarantäne. Die Lage ist angespannt.

Belastung an der Grenze: Die Omikron-Welle bringt das Klinikpersonal bis an den Rand der Leistungsfähigkeit. Symbolfoto: Marcel Kusch/dpa

© Marcel Kusch/dpa

Belastung an der Grenze: Die Omikron-Welle bringt das Klinikpersonal bis an den Rand der Leistungsfähigkeit. Symbolfoto: Marcel Kusch/dpa

Die seit Wochen grassierende Omikron-Welle betrifft in den Krankenhäusern und Pflegeheimen des Klinikums Mittelbaden (KMB) nicht nur Patienten, sondern erfasst zunehmend auch das Personal. Viele Beschäftigte haben sich nach Auskunft von Thomas Iber vor allem in ihren Familien infiziert, weil Kinder und Jugendliche das Virus häufig aus Schulen und Kindergärten übertragen.

Die Zahl der Beschäftigten, die erkrankt sind oder sich in Quarantäne befinden, sei seit Wochen deutlich gestiegen, berichtet der Medizinische Geschäftsführer des Klinikums. Demnach befinden sich etwa 130 der insgesamt rund 3.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krankenstand. Neben Corona-Infizierten seien darunter auch Menschen mit anderen Erkrankungen.

Der Medizinische Geschäftsführer gibt noch keine Entwarnung

Der Anteil von gut vier Prozent beim Personalausfall liege wesentlich über dem üblichen Durchschnitt beispielsweise bei einer Grippewelle in den Jahren vor der Corona-Pandemie. Die beiden Akutkliniken in Baden-Baden-Balg und Rastatt seien ebenso betroffen wie die Pflegeheime in Trägerschaft des kommunalen Klinikverbunds.

„Wir haben nach wie vor ein starkes Infektionsgeschehen“, sagt Iber im Gespräch mit unserer Redaktion. Beim Personal habe die Welle vor einigen Tagen einen Höhepunkt erreicht und flache mittlerweile etwas ab. Der Medizinische Geschäftsführer gibt aber noch keine Entwarnung. Er rechnet den ganzen Februar über mit weiteren Schüben.

„Die Situation ist sehr angespannt. Alle arbeiten am Anschlag“, sagt Barbara Bernauer, die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats für das Klinikum Mittelbaden. Nach zwei Jahren Pandemie sei die körperliche und psychische Belastung des Personals enorm: „Bei vielen zehrt das an den Kräften.“ Dennoch hielten alle zusammen, um die akuten Engpässe zu kompensieren. Iber zufolge steht das Klinikum in direktem Kontakt mit dem Gesundheitsamt Rastatt, um sich zu wappnen, falls die Personalengpässe sich verschärfen sollten. Die Behörde kann dann in Einzelfällen Sonderregelungen verfügen.

Bei Personalengpässen können Sonderregelungen greifen

Das heißt: Die zehntägige Quarantäne eines positiv getesteten Mitarbeiters lässt sich auf sieben Tage verkürzen, wenn der Betroffene seit 48 Stunden keine Symptome zeigt und einen negativen PCR-Test vorweist. Solche Einzelfallentscheidungen können nach Ibers Ansicht dazu beitragen, die Personallage etwa in der Notfall-Ambulanz zu entspannen.

Bei den Patienten zeichnet sich noch keine Entspannung ab. Zu den Fällen auf der Corona- und der Intensivstation kommen Iber zufolge zunehmend Patienten, die nicht wegen Corona eingewiesen, aber infiziert sind. Er nennt als Beispiele Schwangere und Kinder sowie Patienten für die Innere Medizin oder die Geriatrie. Um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren, nehmen die Ärzte eine sogenannte Kohortierung vor. Das heißt, Infizierte liegen auf diesen Stationen in Zimmern getrennt von den übrigen Patienten.

Trotz der Personalausfälle seien die medizinische Behandlung in den Kliniken und die Betreuung in den Heimen gewährleistet, informiert das Klinikum. Ob die Impfpflicht für Pflegeberufe ab Mitte März zu einem massiven Engpass oder gar Notstand führen wird, ist Iber zufolge noch nicht absehbar: „Dazu ist es noch zu früh.“ Die Geschäftsführung sehe sich derzeit nicht in der Pflicht, ungeimpften Beschäftigten zu kündigen. Im Gegenteil: „Wir tun alles, um diese Menschen noch fürs Impfen zu gewinnen“, sagt der Medizinische Geschäftsführer.

Die Geschäftsführung des Klinikums wirbt fürs Impfen

Die Leitung setze auf eine „fürsorgliche Betreuung“ dieser Gruppe. In individuell geführten Gespräche gehe es darum, Risiken und Nutzen einer Impfung abzuwägen. Zudem mache das Klinikum bis Mitte März niedrigschwellige Impfangebote. „Für jeden, den wir damit erreichen, hat sich der Aufwand gelohnt“, sagt Iber. Die Betriebsratsvorsitzende Bernauer rechnet nicht mit einem Pflegenotstand. Die Impfquote beim Personal in den Kliniken und den Pflegeheimen sei sehr hoch.

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Ihr Autor

unserem Mitarbeiter Michael Rudolphi

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Erstellt:
7. Februar 2022, 07:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 58sec

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