Omikron hat sich rasant verbreitet

Stuttgart (bjhw) – Auch nach der ersten vollen Arbeitswoche des Jahres gibt es bei den Corona-Zahlen noch einige Unwägbarkeiten.

Inzwischen wird bei über 80 Prozent aller SARS-CoV-2-Diagnosen die Omikron-Variante nachgewiesen. Foto: Uwe Anspach/dpa

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Inzwischen wird bei über 80 Prozent aller SARS-CoV-2-Diagnosen die Omikron-Variante nachgewiesen. Foto: Uwe Anspach/dpa

Am Ende der ersten vollen Schul- und Arbeitswoche nach den Weihnachtsferien meldet das Landesgesundheitsamt (LGA)  9.824 Corona-Neuinfektionen in Baden-Württemberg in 24 Stunden. Damit ist die Sieben-Tage-Inzidenz von knapp 270 am 7. Januar auf 519,4 gestiegen.
Regelrecht explodiert sind die Zahlen mit einem Plus von 19.024 gemeldeten Erkrankungen von Mittwoch auf Donnerstag, was nach Angaben des LGA jedoch nicht den tatsächlichen Pandemieverlauf widerspiegelt. Vielmehr war die Meldesoftware nach einem Update gestört, deshalb musste nacherfasst werden. „Es ist aber darüber hinaus eine deutliche Steigerung durch die zunehmenden Omikron-Verbreitung zu beobachten“, sagt eine Sprecherin im Sozialministerium auf BT-Anfrage. Und die werde sich fortsetzen.

Wie belastbar sind die veröffentlichten Zahlen derzeit?
Das LGA gibt zwischen Montag und Freitag einen umfassenden und frei zugänglichen Tagesbericht heraus, in dem kreisscharf unter anderem Neuinfektionen, Todesfälle oder Inzidenz veröffentlicht werden. Alle Fachleute gehen aber von einer hohen Dunkelziffer an Ansteckungen ohne Symptome aus. Außerdem wurde seit Weihnachten, über die Feiertage und zum Jahresanfang deutlich weniger getestet. Schon allein deshalb ist die Lage nicht umfassend dargestellt. Selbst in der zweiten Woche des neuen Jahres ist die Zahl von PCR-Tests nach Ministeriumsangaben mit gut 140.000 deutlich niedriger als im vergangenen Herbst mit regelmäßig mehr als 200.000 PCR-Tests pro Woche.

Wie ist der Anteil der Omikron-Variante an den Ansteckungen?
Das Sozialministerium hat den Stand der Dinge bei allen Laboren abgefragt. Danach wird inzwischen bei über 80 Prozent aller SARS-CoV-2-Diagnosen die Omikron-Variante nachgewiesen. Auch der R-Wert, der ausdrückt, wie viele Menschen statistisch ein Erkrankter ansteckt, ist wieder über die kritische Marke von eins gestiegen. Die Zahl der wegen Corona intensiv Behandelten sinkt im aktuellen LGA-Bericht jedoch weiter auf 372. Das sind sechs Patienten weniger als am Vortag. Die Alarmstufe II löste der Wert von 450 Patienten aus.

Wie sehen die Prognosen aus?
Das Landratsamt Rastatt erklärt den sprunghaften Anstieg der Zahlen ebenfalls mit Omikron. „Wir gehen auch von einer weiterhin steigenden Tendenz aus“, so Sprecher Benjamin Wedewart. Für den Landkreistag warnt Hauptgeschäftsführer Alexis von Komorowski vor einer Belastung der Krankenhäuser, allerdings „nicht so sehr, wenn man den ersten hoffnungsvollen Meldungen aus den Intensivstationen bereits stärker betroffener Bundesländer vertrauen darf, im Bereich der Intensivbetten, sondern vor allem auch in den sonstigen Bereichen der ambulanten und stationären Versorgung“. Aus Kreissicht sei zudem bei allen Überlegungen zur sogenannten kritischen Infrastruktur an die Abfallwirtschaft oder den öffentlichen Verkehr, aber auch an die Gesundheitsämter zu denken.

Wann könnte die Alarmstufe II beendet werden?
Vorerst gelten alle Einschränkungen bis Ende Januar. Vor allem aus Gastronomie und Hotellerie kommt weiter Kritik. Das Festhalten an Alarmstufe-II-Maßnahmen und die damit verbundenen Einschränkungen müssten an objektiv nachvollziehbare, gut begründete Kriterien geknüpft sein, verlangt Dehoga-Chef Fritz Engelhardt. Und es müsse dargelegt werden, „welche Maßstäbe künftig für Corona-Maßnahmen im Land, also auch für mögliche Lockerungen, gelten sollen“.


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