Online Schiedsrichter werden

Baden-Baden (ket) – Der Südbadische Fußballverband startet in der kommenden Wochen seinen ersten Schiedsrichter-Neulingslehrgang, der ausschließlich online über die Bühne geht.

Jugendliche ab 13 Jahren können am Online-Schiedsrichter-Neulingslehrgang des SBFV teilnehmen. Foto: Prang/GES

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Jugendliche ab 13 Jahren können am Online-Schiedsrichter-Neulingslehrgang des SBFV teilnehmen. Foto: Prang/GES

„Ich finde es klasse“, sagt Bernhard Zerr – und es ist dies das ziemlich dicke Lob an seinen Schiedsrichterkameraden Ralf Brombacher. Der ist Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses des Südbadischen Fußballverbands (SBFV) und hatte nicht nur „eine wunderbare Idee“, wie er selbst findet, sondern sich umgehend an die Umsetzung eben jener gemacht. Auf der Homepage des Verbands wird dafür geworben. Seit ein paar Tagen werden dort die Teilnehmer und Teilnehmerinnen für den ersten Online-Schiedsrichter-Lehrgang im SBFV gesucht.

„Der aktuelle Stillstand auf den südbadischen Fußballplätzen hat den Verbandsschiedsrichterausschuss dazu bewogen, erstmals einen bezirksübergreifenden Online-Schiedsrichter-Lehrgang anzubieten“, heißt es dazu passend. „Wir möchten die fußballlose Zeit nutzen und allen Interessierten die Möglichkeit bieten, sich auf den neuesten Stand des Regelwerks zu bringen. Wir hoffen auf viele Anmeldungen und freuen uns über jede und jeden, der im Anschluss die Schiedsrichterei als längerfristiges Hobby für sich entdeckt!“, wird Ideengeber Brombacher ergänzend zitiert.

Prüfung am 4. Mai

Schon ein paar Tage später lagen über 20 Anmeldungen vor. „50 Teilnehmer hatten wir uns als Ziel gesetzt. Wenn es am Ende 40 sind, sind wir auch mehr als zufrieden“, stellt Südbadens oberster Schiedsrichterboss fest. Das erste „Webinar“, wie Brombacher die einzelnen Lehrgangsabende nennt, findet bereits kommenden Montag statt. Am 4. Mai steht die Abschlussprüfung an.

Aber geht das überhaupt: online Schiedsrichter werden? Für Bernhard Zerr, einst Bundesliga-Schiri und mittlerweile Schiedsrichter-Obmann des Fußballbezirks Baden-Baden, gibt es daran nicht den Hauch eines Zweifels. „Das sind genau die gleichen Kurse mit den gleichen Inhalten, wie wir sie sonst an der Sportschule Steinbach abhalten“, sagt Zerr. Nur dass der jeweilige Referent, die sechs Bezirkslehrwarte teilen sich die einzelnen „Webinare“ untereinander auf, und die Teilnehmer nicht zusammen in einem Raum sitzen, sondern zu Hause vor ihren Computern, Tablets oder Smartphones samt dazugehöriger Kamera und ihr Web-Seminar als eine Art Online-Konferenz erleben. „Beim ersten Mal gibt es eine kleine Begrüßung, dann eine kleine Einführung, dann geht’s auch schon los“, erzählt Zerr – und zwar mit den Fußball-Regeln eins, zwei, drei, vier und sechs, die hernach im Selbststudium nachgearbeitet und vertieft werden sollen. Die dazugehörigen DFB-Lehrmaterialien, also Regelwerk, Powerpoint-Präsentationen und Videofilmchen, sind über die SBFV-Schiedsrichter-Cloud abrufbar. Im nächsten „Webinar“ können zunächst Fragen zu den Inhalten des vorangegangenen Online-Lehrabends gestellt werden, bevor die nächsten Regeln an der Reihe sind. Insgesamt acht „Webinare“ à 90 Minuten umfasst der digitale Neulingslehrgang. „Wer dann noch jeweils zwei Stunden in die Nachbereitung investiert, sollte gut durchkommen“, umreißt Brombacher den zeitlichen Aufwand. Am Ende steht eine theoretische Prüfung, die ebenfalls online stattfindet. „Ich gehe davon aus, dass jene, die an dem Kurs teilnehmen, so ehrlich sind und die Fragen ohne fremde Hilfe beantworten“, sagt Zerr. Sollte es wider Erwarten anders sein, entlarve sich das später schnell.

Wahrheit liegt auf dem Platz

Die Wahrheit liegt schließlich auf dem Platz, auf den es für die Schiri-Novizen, wie bei den konventionellen Lehrgängen auch, erst nach der ganzen Theorie-Paukerei geht – und in diesem speziellen Fall, wenn wieder Fußball gespielt werden darf.

Mit der Unterstützung eines Paten sollen die Neulinge dann ihre Platzreife erlangen. „Beim ersten Spiel begleitet der Neuling den Paten und bekommt von diesem gezeigt, wie man sich als Schiedsrichter vor, während und nach dem Spiel verhält“ sowie welche administrativen und formalen Dinge zu erledigen sind. Beim nächsten Mal begleitet der Paten den Neuling, um zu beobachten, was der schon richtig und noch falsch macht. Drei bis fünf Spiele umfasst diese Begleitphase für gewöhnlich. Dann wird es Zeit, dass der Neuling ganz alleine und ohne seinen Paten im Hintergrund seine erste Partie als Unparteiischer leitet. Und zwar ganz real. Auf’m Platz!

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Erstellt:
16. April 2020, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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