Optimistische Töne

Baden-Baden (kie) – Das Festspielhaus startet Anfang Juli unter anderem mit einem Beethoven-Zyklus in den Präsenzbetrieb. Bei den Beteiligten sind Optimismus und Vorfreude auszumachen.

Anfang Juli wird Yannik Nézet-Séguin, Musikchef der New Yorker Metropolitan Opera, an der Oos das Chamber Orchestra of Europe dirigieren. Foto: Uli Deck/dpa

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Anfang Juli wird Yannik Nézet-Séguin, Musikchef der New Yorker Metropolitan Opera, an der Oos das Chamber Orchestra of Europe dirigieren. Foto: Uli Deck/dpa

Von einem „fast historischen Datum“ spricht Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa bei einem Pressegespräch im Vorfeld des ersten Teils der Sommerfestspiele: Erstmals nach fast einem Jahr spreche man endlich nicht mehr über Corona, sondern über Musik. Die Vorfreude auf den Beethoven-Zyklus, der vom 2. bis 10 Juli in Baden-Baden aufgeführt werden soll, ist groß: „Es ist ein wundervolles, besonderes Projekt für mich“, sagt etwa Yannick Nézet-Séguin, Musikchef der New Yorker Metropolitan Opera, der das Chamber Orchestra of Europe an der Oos dirigieren wird.

Stampa fügt an, dass er „einfach nur beeindruckt“ sei: Von der Passion des Orchesters und des Dirigenten – und vom Festspielhaus selbst: Obwohl das Projekt wegen der nach wie vor eingeschränkten Besucherzahlen eine „enorme finanzielle Herausforderung“ sei, „war es nie eine Frage, das zu machen“, so Stampa sichtlich bewegt.

Auch die Koordination der europa- beziehungsweise weltweit tätigen Künstler hat viele Mühen gekostet. „Wir haben monatelang nicht miteinander gespielt. Jetzt geht es tatsächlich erst mal nur darum, dass wir uns in Baden-Baden treffen. Das ist schon die größte Herausforderung“, sagt Enno Senft, Stimmführer Kontrabass des Orchesters, und während des digitalen Gesprächs aus England zugeschaltet. Rund drei zusätzliche Wochen müssten beispielsweise in seinem Fall wegen der Quarantäneregelungen eingeplant werden. Doch es herrscht Optimismus: So merkt etwa Nézet-Séguin an, der aus Kanada am Gespräch teilnimmt: „Wir sollten nach vorne schauen und nicht zurück.“

Beethoven als „Corona-Opfer“

Ein wenig Zurückschauen will das Festspielhaus dann aber doch, denn „Beethoven ist ein Corona-Opfer“, wie Stampa anfügt. Das Beethoven-Jahr 2020 anlässlich seines 250. Geburtstags, fiel bekanntlich größtenteils aus.

Nun werden in insgesamt vier Konzerten alle neun Symphonien im Festspielhaus aufgeführt – allerdings nicht chronologisch. Es gehe ihm darum, etablierte Ordnungen zu durchbrechen und Kontraste in der Komposition deutlich werden zu lassen, beispielsweise zwischen dem Beginn und dem Ende des Zyklus, erklärt Nézet-Séguin. Er empfinde es als „symbolisch“, dass es nun an der Oos mit Beethoven beginne – Menschlichkeit und die Möglichkeit, alles zu besiegen, seien als Motive in seiner Musik angelegt.

„Der Zyklus ist auch eine körperliche Herausforderung“, gibt Senft aus Sicht des Orchesters außerdem zu bedenken. Elf Tage inklusive Aufnahmen stünden zur Verfügung. Doch auch für das Chamber Orchestra sei das Projekt eine Herzensangelegenheit: „Baden-Baden bedeutet so viel für uns. Dieses Projekt muss einfach stattfinden“, betont der Kontrabassist.

Ein weiteres Highlight erwartet die Besucher zudem am 3. Juli. Dann wird die Mezzo-Sopranistin Joyce DiDonato von Nézet-Séguin am Flügel zu Schuberts „Winterreise“ begleitet. Die Idee dazu kam den beiden Musikern während eines früheren Gastspiels in Baden-Baden – genauer gesagt im Brenners, wie der Dirigent im Pressegespräch verrät. Endlich komme die Kooperation zurück nach Baden-Baden.

Das Festspielhaus startet nun mit dem „ersten wirklichen Aufschlag“, so Stampa. Im Anschluss folgt Ende Juli das Mariinsky Theater unter Valery Gergiev und mit der Puccini-Oper „Tosca“. Dabei wird es am 24. Juli auch einen Livestream in den Kurgarten geben – unter welchen Bedingungen, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.

Nun heißt es aber ohnehin erst einmal hoffen: „Ich bete jeden Tag, dass es stattfinden kann“, sagt Stampa zum Beethoven-Zyklus. „Wenn die ersten Takte im Festspielhaus erklingen, kann ich wahrscheinlich nur losheulen“, vermutet der Intendant.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
16. Juni 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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