Ordnungsämter im Landkreis Rastatt am Limit

Kuppenheim (ar) – Immer neue Corona-Verordnungen und Hygienekonzepte führen zu deutlich erhöhtem Arbeitsaufwand und Überstunden in den Ordnungsämtern der Region

Fabienne Armbruster (rechts), Sachbearbeiterin im Ordnungsamt Kuppenheim, und ihre Kollegin Rebecca Maksimovic aus dem Sachbereich Kindergärten und Schulen (links) sind mehr als sonst gefordert. Foto: Anne-Rose Gangl

© ar

Fabienne Armbruster (rechts), Sachbearbeiterin im Ordnungsamt Kuppenheim, und ihre Kollegin Rebecca Maksimovic aus dem Sachbereich Kindergärten und Schulen (links) sind mehr als sonst gefordert. Foto: Anne-Rose Gangl

Zeit zum Durchatmen finden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ordnungsämtern der Städte und Gemeinden im Kreis seit Monaten kaum. Der Kampf gegen das Coronavirus hat auch ihre Arbeit verändert und stellt sie immer wieder vor neue Herausforderungen. „Zu unserer eigentlichen Arbeit kommen wir erst am Nachmittag, wenn überhaupt“, sagt Fabienne Armbruster, Sachbearbeiterin im Fachbereich Bürgerdienste und Bildung der Stadt Kuppenheim.

Zu den eigentlichen Aufgabengebieten des Ordnungsamts gehören die Überwachung des ruhenden Verkehrs, die Ausstellung von Plakatiererlaubnissen, die Genehmigung von Veranstaltungen und Festen, die Planung von Jahrmärkten und dem Weihnachtsmarkt, Stellungnahmen zu straßenverkehrsrechtlichen Anordnungen und die Ahndung von Ordnungswidrigkeiten. Für diesen Aufgabenbereich ist seit Anfang des Jahres Fabienne Armbruster zuständig, der vier Gemeindevollzugsbedienstete mit insgesamt 23 Wochenarbeitsstunden zur Seite stehen. Einen normalen Arbeitsalltag gibt es aber seit dem Ausbruch der Pandemie nicht mehr.

„Wir haben uns mit der sechsten Verordnung der Landesregierung zur Änderung der Corona-Verordnung zu befassen“, sagt Peter Müller, Fachbereichsleiter Bürgerdienste und Bildung. Ein bis zwei Stunden täglich müsste man sich damit beschäftigen, um sich auf den neuesten Stand zu bringen und die Flut an Informationen von Städte- und Gemeindetag zu lesen. Oftmals kämen die neuen Anordnungen am späten Abend oder am Wochenende. „Die aktuelle Verordnung kam am Sonntagmittag, und schon am Montag um acht Uhr riefen die ersten Betroffenen bei uns an“, berichtet Müller.

Die Liste an Aufgaben ist lang, die er und Fabienne Armbruster aufzählen können. Das Besorgen von Masken, Desinfektionsmitteln und Schutzhandschuhen sind dabei die kleinsten. Die Corona-Verordnungen müssen veröffentlicht und kontrolliert, Vereine, Bürger und Geschäfte müssen informiert werden. Hygienekonzepte für Trauerfeiern müssen erstellt werden, aber auch für Vereine und deren Trainingsbetrieb.

Belastung sinkt auch nach dem Lockdown nicht

Doch nicht nur während des ersten und jetzt zweiten Shutdowns ist das Ordnungsamt gefordert. „Die Belastung war nach dem Wiederhochfahren des Lebens nach der ersten Welle genauso hoch“, sagt Müller und erinnert unter anderem an die Wiederöffnung der Kindergärten und Schulen, für die strenge Hygienekonzepte erarbeitet werden mussten.

Seit dem Ordnungsamt weitere Aufgabenfelder von Bund und Land zugeteilt wurden, wird Fabienne Armbruster von Rebecca Maksimovic aus dem Sachbereich Kindergärten und Schulen unterstützt. Eingebunden in den Verwaltungsberg sind Bürgermeister Karsten Mußler und die Sachgebiete Standesamt, Kindergärten- und Schulbetreuung. „In unserem Ordnungsamt haben sich schon Hunderte von Überstunden angehäuft“, beklagt Mußler die Aufgabenhäufung. Denn nicht nur die genannten Aufgaben mussten erfüllt werden. Verantwortlich sind die Kommunen nun auch für alle Reiserückkehrer aus Risikogebieten, die vom Ordnungsamt kontrolliert werden müssen. Bisher haben in Kuppenheim 195 Bürger eine Aussteigekarte und ihr Testergebnis vorgelegt.

Doch damit nicht genug; seit 1. Oktober müssen die Kommunen die Einhaltung der 14-tägigen Quarantäne überprüfen. „Wir bekommen täglich vom Gesundheitsamt eine Liste mit 20 bis 100 Personen, die zu einer positiv getesteten Person Kontakt hatten, manchmal mit Zeitverzögerung, aber dennoch müssen wir die Anordnung für die Quarantäne ausstellen und persönlich zustellen“, sagt Armbruster. Allein im Oktober wurden 241 Anordnungen zugestellt, in den Rescue-Desk des Landratsamts eingepflegt und überprüft. Am Mittwoch mussten 93 Kontaktpersonen angeschrieben werden. Gemeldet waren in Kuppenheim 22 Infizierte.

Ausgestattet mit FFP2-Maske und Handschuhen besucht Gemeindevollzugsbedienstete Marianne Glatt die in Quarantäne befindlichen Bürger. „Die Leute sind sehr verständig, denn jeder will, dass das mal ein Ende nimmt“, sagt sie.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.