Oropax - Testsieger der Doppeldeutigkeiten

Baden-Baden (baw) – Der teuflische Bruderzweikampf ist auch bei den Aufführungen von Oropax im Rantastic fester Bestandteil des Programms.

Das lustige Brüderpaar erfreut die spaßsüchtige Fangemeinde mit seiner „überraschend sinnlosen“ Wortakrobatik und den herrlich komischen Kostümen.  Foto: Wersich

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Das lustige Brüderpaar erfreut die spaßsüchtige Fangemeinde mit seiner „überraschend sinnlosen“ Wortakrobatik und den herrlich komischen Kostümen. Foto: Wersich

Wenn ein „Hallo, hallo, ich bin ein Mönch“ einen ganzen Saal zum Jubeln bringt und sich das Publikum vor Lachen körperlich zerwienert, dann sind echte Comedians auf der Bühne – und echte Fans unter den Zuschauern. So geschehen beim Auftritt des Freiburger Chaos-Theaters Oropax am Sonntag im Rantastic.

Die beiden Brüder Volker und Thomas Martins traten als Comedy-Duo Oropax gleich zweimal an diesem Tag auf, um den „schönen Schuppen Rantastic“ mit den insgesamt 400 verkauften Tickets und ihrem neuen Programm „Testsieger am Scheitel“ zu füllen. Bereits seit Anfang der 80er erfreut das lustige Brüderpaar die spaßsüchtige Fangemeinde mit seiner „überraschend sinnlosen“ Wortakrobatik und den herrlich komischen Kostümen, in die die beiden für ihre unterschiedlichen Rollen schlüpfen.

Duo bedient sich der Methode der gewaltfreien „Fisch“-Kommunikation

So eröffnete zur Erheiterung des Publikums gleich zu Beginn „Lady Thomas“ im barocken knallblauen Kleid die Show. Zusammen mit ihrem von ihrer Freizügigkeit wenig begeisterten Spielpartner machte sie sich auf die Suche nach dem „Sinn-von-Nie“ und fand ihn – wie soll es anders sein – in einer Sinfonie höchster Töne. Diese entlockten sich die beiden Wortgaukler wenn nötig auch durch das Zufügen von Schmerzen. Unter anderem erzeugt durch „Nachschlagen“ mit dem Duden, denn dafür sei er ja schließlich da.

Um die brüderlichen Hierarchien klarzustellen, bediente sich das Duo der Methode der gewaltfreien „Fisch“-Kommunikation. Wobei „barsches“ Verhalten und „grätige“ Reaktionen vermieden werden sollen, damit das Gegenüber auch mal als „toller Hecht“ gelobt wird und weitere Konflikte verhindert werden können. Der teuflische Bruderzweikampf war wie immer auch dieses Mal in den 90 Minuten ihres Programms fester Bestandteil. Da wurde die fehlende Kopfbehaarung des einen verglichen mit der mangelnden Intelligenz des anderen. Es wurde mit den heißesten Wortspielen jongliert, wobei der Plural von Globus mal schnell zu Globuli wurde und Worterfindungen wie „Schuhgrößenparität“ geboren wurden. Wobei es einfach und allein darum geht, dass das Alter die Schuhgröße einholt. Weitere Rollen wie die beiden holznagenden Bi-Bären aus den Rheinauen, die gerne mal ihre schlecht sitzenden Vorderzähne verschlucken und der Pannenhelfer in Sachen Farbanstrich „Un Malheur“ ließen kein Auge trocken.

Da wurde eine unscheinbare, weiß gestrichene Tür ganz schnell zum Dreh- und Angelpunkt in mehreren Nummern. Der Pannen-Maler bewarf sie mit Steinen und „da ist sie Tür-Kies“ oder sie wurde zum romantischen Sitzplatz für ein französisches Frühstück umfunktioniert, bei dem die Aussprache des Lautes „Sch“ zu extatischem Gestöhne führte. Wenn man da nicht „beim Zuhören schon mal Rechtschreibfehler macht“, so wurde auf der Bühne gewitzelt. Nicht fehlen durfte die mittlerweile nicht mehr wegzudenkende Rolle des Mönchs, der auf der Bühne „nichts verloren hat und folglich auch nichts findet“. Fest im Repertoire verankert treibt er mit seinem ewig dümmlichen „Hallo, hallo, ich bin ein Mönch“ sein Gegenüber fast in den Wahnsinn, bis er bei seinem Abgang aus der schlichten Holztüre eine schwindelerregende Drehtüre zaubert.

Als Dank: Autogrammkarten müssen selbst unterschrieben werden

Höhepunkte waren sicher der androgyne Friseur Andrew Gyn mit seinem versehentlich Intimhaar-transplantierten Kunden und zum Schluss der Auftritt des Harald Pinski, der als „Geh-Heim-Agent“ an einem ganz großen Geschäft arbeitet – der Mobiltoilette der nächsten Generation mit Datenfernübertragung. Die Zuschauer der ersten beiden Reihen, die dieses Mal aus hygienischen Gründen nicht wie sonst auch aktiv in die einzelnen Nummern mit einbezogen werden konnten, wurden tapfer von einem einzigen Gast aus Ottersweier vertreten. Zur Belohnung für seine geduldige Teilnahme und die Unterstützung des Comedy-Duos beim Frage- und Antwort-Pingpong wurde er zum Ende der Veranstaltung mit einer hygienisch sicher verpackten DVD und Autogrammkarten, „die er selber unterschreiben darf“, ausreichend belohnt. Mit einer abschließenden Danksagung an „die Verwandten des eigenen Bruders“ ist Oropax seit gestern spätestens auch verdientermaßen „Testsieger der Doppeldeutigkeiten“.

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Erstellt:
6. Oktober 2020, 14:18 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 58sec

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