Ortenaukreis erreicht kritische Marke

Offenburg (ab) – Der Ortenaukreis empfiehlt seinen Kommunen ab sofort Beschränkungen bei privaten Feiern. Grund ist, dass bei der Zahl der Corona-Infektionen ein erster Warnwert erreicht worden ist.

Vor allem durch private Feiern sind die Corona-Infektionen zuletzt angestiegen – auch im Ortenaukreis. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa

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Vor allem durch private Feiern sind die Corona-Infektionen zuletzt angestiegen – auch im Ortenaukreis. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa

Der Ortenaukreis hat eine kritische Corona-Marke erreicht: Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz belief sich am Donnerstag auf 35,92 und überschritt damit den ersten Warnwert von 35 – die Inzidenz beziffert, wie viele Neuinfektionen es in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Im Ortenaukreis mit seinen rund 430.000 Einwohnern waren in dieser Zeit insgesamt 155 neue Fälle registriert worden, davon 23 von Mittwoch auf Donnerstag.

Das Landratsamt empfiehlt nun den Kommunen des Kreises, ab sofort die Teilnehmerzahlen für private Feiern wie Hochzeiten und Geburtstagsfeiern in öffentlichen Räumen (wie Restaurants oder gewerbsmäßig vermieteten Räumen) auf maximal 50 Teilnehmer zu beschränken. In privaten Räumen solle die Beschränkung bei maximal 25 Teilnehmern liegen, so die Empfehlung.

„Wahrung der Verhältnismäßigkeit“

„Wir stehen im engen Austausch mit unseren Städten und Gemeinden und haben das Infektionsgeschehen genau im Blick“, wird Landrat Frank Scherer in einer Pressemitteilung zitiert. „Zuletzt ging es ganz wesentlich auf größere private Feiern zurück. Da diese im ganzen Kreis stattfinden, ist das Risiko für weitere Infektionsausbrüche hoch, deshalb empfehlen wir eine Obergrenze für private Feiern.“ Die Empfehlung ermögliche den Kommunen eine differenzierte Vorgehensweise „unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit“.

Insbesondere eine Hochzeitsfeier Ende September in Lahr hatte eine erhebliche Anzahl von Neuinfektionen und Quarantänemaßnahmen nach sich gezogen. Von den bisher 1.745 nachweisbaren Corona-Infektionen im Ortenaukreis (Stand Donnerstag, 14 Uhr) entfällt auch der größte Teil auf Lahr (233), gefolgt von Offenburg (220), Kehl (200) und Appenweier (104). Im Ortenaukreis gibt es 51 Städte und Gemeinden. Genesen sind gemäß einem wissenschaftlichen Schätzungsmodell 1.397 Patienten (Stand Mittwoch, 14 Uhr), gestorben 126.

Keine kritische Lage am Ortenau-Klinikum

Im Ortenau-Klinikum ist derweil die aktuelle Situation nicht kritisch. Konkrete Zahlen zu Covid-19-Patienten nennt das Klinikum zwar nicht – aber zumindest erklärt Sprecher Christian Eggersglüß auf BT-Anfrage, dass die Zahl in den vergangenen beiden Wochen „unverändert gering“ geblieben sei. Das Ortenau-Klinikum halte derzeit insgesamt 75 Intensivplätze, darunter 47 Beatmungsplätze, bereit. Es stünden täglich freie Beatmungsplätze „in hoher Zahl“ zur Verfügung – und das sogar, obwohl die Plätze nicht ausschließlich für Covid-19-Patienten reserviert sind. Darüber hinaus könnte das Klinikum Eggersglüß zufolge bei einem eventuellen Anstieg schwerer Covid-19-Erkrankungen „sehr schnell und flexibel“ zusätzliche Beatmungsplätze errichten – so könne man innerhalb von 14 Tagen die Zahl von 120 entsprechende Plätzen erreichen.

Im Ortenaukreis werden die Verantwortlichen nun hoffen, dass mit den empfohlenen Anti-Corona-Maßnahmen ein weiterer starker Anstieg der Fallzahlen verhindert werden kann. Denn sollte die Sieben-Tage-Inzidenz bei 50 ankommen, wäre der nächste Warnwert erreicht – mit weiteren Einschränkungen für die Bevölkerung.

Ihr Autor

Armin Broß

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Erstellt:
8. Oktober 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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