Ortsbeauftragter von Balzhofen tritt nach mehr als 21 Jahren ab

Bühl (BNN) – Thomas Haunß prägte mehr als zwei Jahrzehnte lang als Ortsbeauftragter den Weg und die Geschicke von Balzhofen. Nun tritt er ab.

Seit Jahrzehnten ehrenamtlich aktiv: Jetzt will Thomas Haunß sein Amt in andere Hände legen. Foto: Ulrich Coenen/BNN

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Seit Jahrzehnten ehrenamtlich aktiv: Jetzt will Thomas Haunß sein Amt in andere Hände legen. Foto: Ulrich Coenen/BNN

„Ich gehe schon mit einer gewissen Wehmut“, sagt Thomas Haunß. Der 54-jährige Bankkaufmann tritt nach mehr als 21 Jahren als Ortsbeauftragter seines Heimatdorfes ab. „Es war keine spontane Entscheidung“, berichtet er. „Sie ist nach meinem 20-jährigen Dienstjubiläum gereift. Nach einer so langen Zeit gehört das Amt in andere Hände, damit sich neue Ideen entwickeln können. Nach einer gewissen Zeit im Amt entwickelt man einen Tunnelblick.“

Haunß ist parteilos. „Ich war sehr überrascht, als mich mein Vorgänger Rainer Götz im Jahr 2000 besucht hat, um mir seine Nachfolge anzubieten“, sagt er. Damals spielte Götz noch Tenorhorn im Musikverein, seine Freizeit war entsprechend knapp. Obwohl Balzhofen mit seinen nur 700 Einwohnern ein kleiner Bühler Stadtteil ist, stellt das Dorf gleich drei Stadträte. Das ist Rekord. Haunß hat aber nie daran gedacht, für den Gemeinderat zu kandidieren. Er könne sich mit keiner Partei zu 100 Prozent identifizieren, meint er. „Außerdem ist eine gewisse Neutralität in meinem Amt von Vorteil.“

Feuerwehrgerätehaus als wichtiger Meilenstein

Das vielleicht wichtigste Ereignis in der langen Amtszeit von Haunß ist der Neubau des Feuerwehrgerätehauses West am Dorfrand, das 2019 eröffnet wurde. „Bei Hilfsorganisationen muss man über den Tellerrand blicken“, meint Haunß. „Für den Bau des Feuerwehrgerätehauses in Balzhofen, das für alle westlichen Stadtteile zuständig ist, waren strategische Gründe ausschlaggebend. Es ging um die Ausrückzeiten.“ Entsprechend überrascht war der Ortsbeauftragte über die „politischen Wellen“, die das Projekt geschlagen hat. Haunß konstatiert: „Die Feuerwehr ist wichtig, der Standort ideal. Eigentlich darf es solche Diskussionen nicht geben.“

Ein weiteres Thema ist der Hochwasserschutz. „Der betrifft aber nicht nur Balzhofen, sondern alle Gemeinden in der Rheinebene“, räumt Haunß ein. „Es gab in den vergangenen Jahren viele kleinere Projekte, der große Wurf fehlt aber noch.“

„Balzhofener helfen sich gegenseitig“

Das wären aus Sicht von Haunß Rückhalteflächen im Einzugsgebiet des Sulzbaches. „Die Flächenversiegelung ist ein großes Problem“, sagt er. „Vor 30 Jahren gab es das Sasbacher Industriegebiet noch nicht. Ich staune immer, wie schnell die Bäche bei Starkregen anschwellen. Wir brauchen deshalb Rückhalteflächen, nicht nur Dämme.“

Ein „prägendes Erlebnis“ in seiner Amtszeit war für Haunß die Corona-Pandemie. „Das gesamte Dorfleben kam zu Erliegen“, erinnert er sich. Für die vier Dorfvereine war es eine schwierige Zeit. „Es ist aber kein Verein in seiner Existenz gefährdet, obwohl wegen der abgesagten Veranstaltungen Einnahmen weggebrochen sind“, sagt Haunß. Das führt er auf den Zusammenhalt der Bürger zurück. „Balzhofener helfen sich gegenseitig“, berichtet er.

Der scheidende Ortsbeauftragte ist glücklich, dass das Pfingstmusikfest in Balzhofen nach zweijähriger Unterbrechung wieder stattfinden darf. „Das ist das größte Zeltfest weit und breit“, sagt er. Alle Vereine und viele Bürger packen an, wenn der Musikverein vier Tage lang Tausende Gäste aus Mittelbaden bewirtet. „Ich bin sehr zufrieden, wie Balzhofen dasteht“, stellt Haunß fest. „Beim Pfingstmusikfest geht das nur, weil wir alle an einem Strang ziehen.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
8. April 2022, 08:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 42sec

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