Ortsdurchfahrt Hard wird saniert

Ottersweier (jo) – Es ist ein Straßenausbau unter schwierigen Bedingungen: Im Gemeinderat Ottersweier war die Ortsdurchfahrt Hard Thema. Ein durchgängiger Gehweg dort wäre ein teures Unterfangen.

Neue Fahrbahn, neue Wasserleitungen sowie Breitband und Gas: Die Ortsdurchfahrt Hard (Burg-Windeck-Straße) wird zur Großbaustelle. Foto: Joachim Eiermann

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Neue Fahrbahn, neue Wasserleitungen sowie Breitband und Gas: Die Ortsdurchfahrt Hard (Burg-Windeck-Straße) wird zur Großbaustelle. Foto: Joachim Eiermann

Schwerpunkt der Ratssitzung in Ottersweier am Montagabend war die Burg-Windeck-Straße, die Kreisstraße 3749 im Ortsteil Hard. Die Fahrbahn der zumeist schmalen Ortsdurchfahrt ist marode, einen Gehweg gibt es nicht, und die alte Wasserversorgung ist anfällig für Rohrbrüche. Die Bauarbeiten sind in diesem und im nächsten Jahr vorgesehen, dazwischen gibt es eine längere Pause.

Der Gemeinderat befasste sich mit dem neuesten Stand der Planung, in die mit dem Straßenbauamt des Landkreises, den Stadtwerke Bühl und dem Ortsbauamt gleich drei Behörden federführend involviert sind. Mit der Planung beauftragt ist das Laufer Büro Zink Ingenieure.

Im ersten Schritt soll, alsbald beginnend, die Versorgungsinfrastruktur erneuert und ausgebaut werden. Vorbehaltlich einer Zustimmung des Kreistags will der Landkreis von Frühjahr bis Sommer 2022 Phase zwei in Angriff nehmen: die Neugestaltung des Straßenraums. Beide Baustellen sind mit Vollsperrungen verbunden.

Corona verhindert Infoversammlungen

Da derzeit keine Infoversammlungen möglich sind, folgte das Gremium dem Vorschlag von Bürgermeister Jürgen Pfetzer, die Bürger per Anschreiben über die Planung zu informieren und dabei vier Ausbauvarianten zur Diskussion zu stellen.

Sofern gewünscht, seien auch Einzeltermine im Rathaus mit dem Kreisstraßenbauamt möglich. Der Gemeinderat werde abschließend einen Beschluss auf der Basis eingehender Hinweise, Anregungen und Mitteilungen fassen, so Pfetzer.

Bereits klare Präferenzen

Doch gibt es bereits klare Präferenzen: Thomas Marx, der Leiter des Kreisstraßenbauamts, favorisierte die finanziell günstigste Variante 4, weil sie zur Temporeduzierung beitrage und sich gut an die Weiterführung nach Waldmatt anschließen lasse. Linus Maier sprach von einer „Zangengeburt“, die CDU wolle weiterhin Tempo 30 und Sicherheit für Fußgänger. Er favorisierte ebenfalls Variante 4.

Auch Dieter Kohler (FWG) ließ durchblicken, diese „vernünftige Variante“ mitgehen zu wollen, ebenso Mario Panter seitens der Grünen. Die SPD priorisierte indes Variante 1 mit Gehsteig. „Wir finden es wichtig, dass alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden“, argumentierte Emile Yadjo-Scheuerer.

„Wir wollen keine Rennstrecke“

Bürgermeister Pfetzer hielt dagegen: „Wir wollen keine Rennstrecke“. Weil diese Variante technisch sehr aufwendig sei und eines Grunderwerbs in hohem Maße bedürfe, sei zudem eine Ausführung im Jahr 2022 unrealistisch. Thomas Metzinger (CDU) brachte einen Ausbau mit überfahrbarem Tiefbord ins Gespräch. Keinen Einfluss wird die Fahrbahnplanung auf die bereits in den nächsten Monaten anstehenden Bauarbeiten haben. Nachdem die Wasserleitung zunächst nur auf zwei Teilstrecken erneuert werden sollte, werden nach Rücksprache mit den Stadtwerken Bühl auch die beiden Stichstraßen des Zinkens einbezogen. Damit kann neben dem geplanten Breitbandausbau eine komplette Erneuerung der alten Wasserversorgung erfolgen, inklusive fragiler Gussleitungen, die schon mehrere Rohrbrüche verzeichneten. Entflochten werden auch die „verworrenen Verhältnisse“, wonach ein Teil der Harder Haushalte sein Wasser aus einer Leitung der Bühler Stadtwerke bezieht. Künftig werden alle Kunden auf Gemarkung Ottersweier von den Gemeindewerken bedient.

Geplant ist den Ausführungen von Ortsbaumeister Christian Chromy zufolge, auch die teils schlappen Wasserdruckverhältnisse zu erhöhen und die Löschwasserversorgung zu verbessern. Insgesamt wird die Gemeinde geschätzt 380.000 Euro verbuddeln. Die Stadtwerke verlegen zeitgleich Gas und eine Glasfaserleitung nach Neusatz. Der Schmutzwasserkanal ist Eigentum des Abwasserzweckverbands Bühl, der Regenwassersammler gehört der Gemeinde. Chromy ging davon aus, dass nach einer Überprüfung mit Videokamera allenfalls eine punktuelle Kanalsanierung erforderlich wird.

Für die Übergangszeit nach Abschluss der Arbeiten im Straßenbett sei mit dem Landkreis eine provisorische Asphaltierung vereinbart. Einer solchen hätte es auch bei einer gemeinsamen Bauausführung bedurft, um die Andienung der Baustelle und die Zufahrt zu den Grundstücken zu ermöglichen, so Chromy. Pfetzer kritisierte die mangelnde Koordination gleichwohl als „unbefriedigend“.

Ortsdurchfahrt Hard: Vier Varianten zur Auswahl

Zwischen 1,4 und 2,7 Millionen Euro kostet der Ausbau der Ortsdurchfahrt Hard. Das Kreisbaustraßenbauamt zeigte vier planerische Möglichkeiten auf.

Variante 1 ist am großzügigsten geplant: Konstante Fahrbahnbreite von 5,50 Meter mit einseitigem Gehweg (mindestens 1,50 Meter) auf der Bergseite und gegenüberliegendem Schrammbord (50 Zentimeter). Der Ausbau beansprucht 7,50 Meter in der Breite. Erforderlich wäre somit ein erheblicher Eingriff in private Grundstücke und Vorgärten, bis hin zum Versetzen oder dem Bau neuer Stützmauern. Außerdem äußerte Bürgermeister Jürgen Pfetzer die Befürchtung, dass die Anordnung von Tempo 30 nach einer Beseitigung der Engstellen verkehrsrechtlich nicht mehr aufrecht zu erhalten sei. Variante eins ist die teuerste Lösung mit geschätzten Kosten von 2,7 Millionen Euro. Davon entfielen 1,3 Millionen Euro auf die Gemeinde (für Grunderwerb und Gehwegbau), abzüglich eines Zuschusses von 746.000 Euro aus der Landesgemeindeverkehrsfinanzierung.

Variante 2 stellt sich eine Million Euro preisgünstiger als Variante eins dar. Sie sieht eine durchgängige Fahrbahnbreite von 4,75 Meter mit beidseitigem Schrammbord von je 50 Zentimetern vor, stellenweise auch breiter. Auch diese Alternative bedarf des Erwerbs von Gelände, allerdings in geringerem Umfang. Für die Gemeinde fielen keine Kosten an, da kein Gehweg vorgesehen ist.

Farbgestaltung soll zu Geschwindigkeitsreduzierung beitragen

Variante 3 beschränkt sich auf den derzeit verfügbaren Straßenraum; ein Grunderwerb ist nicht vorgesehen. Bei beidseitigen Schrammborden von je 30 bis 50 Zentimetern ergäbe sich ein befahrbarer variabler Straßenraum von 4,10 bis 5,50 Metern Breite. Kosten für den Landkreis: 1,5 Millionen Euro.

Variante 4 geht von einer konstanten Fahrbahnbreite von 4,10 Meter aus, flankiert von zwei Regenrinnen und einem (je nach verfügbarer Fläche) an den Bestand angepassten Pflasterbelag für Fußgänger – alles nivelliert und damit für motorisierte Verkehrsteilnehmer bei Ausweichen im Gegenverkehr überfahrbar. Die Straße soll aufgrund einer auch farblich abgesetzten Optik der Randbereiche schmal wirken und so zur Geschwindigkeitsreduzierung beitragen. Die Kosten wurden mit 1,4 Millionen Euro berechnet, eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde entfällt hier ebenfalls.

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Erstellt:
5. Mai 2021, 14:00 Uhr
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