Ottenau: Die Eichen sollen nicht weichen

Gaggenau (tom) – Der Gemeinderat verhindert den Bau eines Wohnhauses in der Nähe eines Waldrands, obwohl dort bereits Häuser stehen.

Modefotograf Norbert Hurrle aus München auf seinem Grundstück in, das er bebauen möchte. Foto: Thomas Senger/Archiv

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Modefotograf Norbert Hurrle aus München auf seinem Grundstück in, das er bebauen möchte. Foto: Thomas Senger/Archiv

Auch zwei Tage nach der Entscheidung kann Norbert Hurrle den Gemeinderat nicht verstehen: Auf seine Initiative hin wird am Oberen Hornbergweg in Ottenau ein kleines Baugebiet von 0,24 Hektar verwirklicht – aber der einzige, der auf seinem Grundstück nicht bauen kann, das ist Norbert Hurrle. Denn sein Grundstück steht zu nahe am Waldrand.

Wenn er bauen wollte, müssten ein paar Eichen fallen – und dafür gab es im Gemeinderat keine Mehrheit. Wobei Hurrle gar nicht will, dass die rund 200 Jahre alten Bäume abgeholzt werden. Er würde sogar einen Haftungsausschluss unterschreiben, falls einer oder mehrere von ihnen auf sein Grundstück fallen würden.

Seit Monaten zieht sich das Verfahren um den Bebauungsplan – denn Hurrle fand im Bau- und Umweltausschuss und im Gemeinderat durchaus Fürsprecher. Letztlich hat es bei der Abstimmung am Montag für ihn nicht gereicht. Bei fünf Gegenstimmen und drei Enthaltungen wurde der Vorschlag der Stadtverwaltung angenommen: Im nun gebilligten Entwurf sieht der Bebauungsplan nur ein winziges Baufenster auf Hurrles Grundstück vor. Der Mindestabstand von 30 Metern zum Waldrand wird dadurch gewahrt. Aber es bleibt zu wenig Platz für Hurrle, um ein Haus zu bauen.

Die Verwaltung hatte für diese Sitzung allerhand Fachkompetenz aufgeboten: Umfangreich waren die Erläuterungen, die Markus Krebs für die Forstbehörde und Saskia Kindermann-Röhm vom Amt für Recht und Planen vorlegten.

Es gibt eine Reihe von ökologischen Gründen, die gegen eine Fällung sprechen. Und darauf würde es hinauslaufen müssen, wenn man auf Hurrles Grundstück bauen wollte. Da nütze es auch nichts, dass bereits Häuser unmittelbar neben den besagten Bäumen stehen – sprich: im Gefährdungsbereich. Denn diese Häuser genießen Bestandsschutz.

Dass es auch ohne Fällung gehen könne, darauf machte Andreas Paul (CDU) aufmerksam: Man könne durchaus Haftungsfreistellungen ins Grundbuch eintragen oder bestimmte Dachkonstruktionen vorschreiben. Es gehe doch darum, einen Mittelweg zu finden. Ein Kahlschlag sei ebenso wenig zielführend wie eine Ablehnung des Bauvorhabens.

Kontroverse im Plenum

Letztlich hätte, so argumentierte Bürgermeister Michael Pfeiffer, der Gemeinderat über das Fällen von Bäumen entscheiden müssen. Und darüber werde die Untere Naturschutzbehörde (Landratsamt) befinden. Wie viele Bäume es sein müssten, darüber herrschte Unklarheit. Man geht aber von 15 bis 20 aus.

Gerlinde Stolle kritisierte die Mehrheitsmeinung, die sich in der Diskussion abzeichnete: Mit dem Bauherrn habe man lange Zeit anders geredet, ihn sogar in seinem Wunsch bestärkt. Nicht zuletzt: Hurrle habe das Baugebiet angestoßen, „So kann man das nicht machen. Der tut mir leid.“

Armin Kellert (AfD) zeigte zwar Verständnis für Hurrle, „aber es wäre eine Schande, die sehr schönen Bäume wegen eines Grundstücks zu fällen.“ Emotional sprach sich Eric Peplau (Grüne) gegen einen Hieb aus: „Wir wissen, was es bedeutet, wenn wir Bäume fällen. Und nun möchtet ihr etwas total Wertvolles wegen eines Einzelnen opfern.“

Für Martin Hahn (FWG) gingen die Vorträge der Verwaltung in die falsche Richtung: „Wir haben jetzt eine Dreiviertelstunde gehört, was man nicht machen kann.“ Aber früher oder später werde man einige der Eichen ohnehin fällen, weil sie eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellten. Rosalinde Balzer (CDU) sah sich wieder einmal bestätigt: „Wir haben heute wieder nur Totschlagargumente gehört.“ Doch auch sie wolle „nicht wissen, warum etwas nicht geht, sondern wie etwas möglich werden könnte.“

Im BT-Gespräch konnte Norbert Hurrle am Mittwoch noch nicht sagen, wie es mit dem 1.300 Quadratmeter großen Grundstück weitergehen könnte. Werde er den Rechtsweg beschreiten? Hurrle: „Ich werde das erst mal sacken lassen. Aber es ist alles offen.“

Weiterer Bericht zum Thema.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
9. Dezember 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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