Ottenau: Drei Eichen oder ein Bauplatz?

Gaggenau (tom) – Ein Haus bauen auf eigenem Grundstück in Ottenau, mehr will Norbert Hurrle eigentlich nicht. Doch das Wohlwollen bei der Stadtverwaltung für sein Vorhaben ist Ablehnung gewichen.

Modefotograf Norbert Hurrle auf seiner Wiese in Ottenau. Im Hintergrund die umstrittenen Bäume.  Foto: Thomas Senger

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Modefotograf Norbert Hurrle auf seiner Wiese in Ottenau. Im Hintergrund die umstrittenen Bäume. Foto: Thomas Senger

Eine Reihe von Bedenken sind es, die von der Stadt vorgetragen werden. Überzeugend findet sie Norbert Hurrle alle nicht. Besonders grotesk mutet ihm dies an: Erst auf seine Initiative hin sei ein neues Baugebiet im Oberen Hornbergweg, neben dem Friedhof, überhaupt aktuell geworden. Der daraus resultierende kleine Bebauungsplan hat auch gute Chancen, im beschleunigten Verfahren (Paragraf 13b Baugesetzbuch) realisiert zu werden – nur eben mittlerweile ohne Bauplatz für Hurrle.

Denn sein Grundstück grenzt an den Hornbergweg und dieser wiederum an alten Baumbestand. Dieser wird als „Wald“ bezeichnet, den Bäumen wird schutzwürdiger Status attestiert: Schließlich handelt es sich um drei rund 200 Jahre alte Eichen. Nicht zuletzt der Abstand zu Masten und Leitungen der Netze BW gilt als weiterer Verhinderungsgrund. Die drei Bauplätze, 0,24 Hektar sonnige Halbhöhenlage am Ortsrand, treffen eigentlich auf Wohlwollen der städtischen Planer, dies lässt bereits der verwaltungsübliche Jargon von der „Arrondierung des Siedlungsbereichs“ vermuten. Doch Hurrles Bauplatz droht im Abseits zu landen.

„Ich kann die Argumentationen nicht verstehen“

Als Diplom-Soziologe sind Hurrle sperrige Texte nicht fremd, doch mit den verwaltungsjuristischen Formulierungen aus den Ämtern tut er sich schwer: „Ich kann die Argumentationen nicht verstehen.“

Nach dem Studium der Soziologie und Politikwissenschaft hat sich Norbert Hurrle als Modefotograf einen Namen gemacht: Miami, London, Paris und zuletzt München sind seine Lebensstationen. In seinem Heimatort Ottenau würde er nun gerne ein Wiesengrundstück mit einem Wohnhaus bebauen. Doch die Perspektive für den Foto-Profi ist schlecht.

So werde einerseits ein Mindestabstand von Bäumen zur Überlandleitung gefordert. Dieser Abstand zu den Eichen werde aber von den Nachbarhäusern nicht eingehalten, argumentiert Hurrle und findet: Die Bäume müssten deshalb ohnehin weg. Laut Stadtverwaltung sei im vorliegenden Fall – nach Rücksprache mit Netze BW – ein geringerer Abstand zulässig. Dies führt dazu, dass sie als inakzeptable Gefahr für einen Neubau gelten, aber als tolerierbares Risiko für Bestandsgebäude.

Was ist, wenn ein Baum umstürzt?

Die drei Bäume sind noch kein Wald, sagt Norbert Hurrle. Fakt ist: Sie stehen direkt an der Straße und haben den Charakter von Straßenbegleitgrün; von einem Waldrand im landschaftsökologischen Sinne kann keine Rede sein. Die Stadtverwaltung verweist allerdings auf die Forstverwaltung.

Im Gemeinderat am Montag regte sich parteiübergreifend Unterstützung für Hurrle. Man müsse von den Totschlagargumenten wegkommen, waren sich die Fraktionschefs Andreas Paul (CDU) und Gerd Pfrommer (SPD) einig: „Man muss versuchen, Dinge möglich zu machen und nicht, Dinge möglichst zu verhindern.“ Für die Verwaltung entgegnete Kämmerer Andreas Merkel: Man könne nicht sehenden Auges in eine Konfliktsituation gehen. Wenn es durch die Bäume zu Personenschaden komme, müsse der zuständige Förster mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Erklärung Hurrles, einen Haftungsausschluss zu unterschreiben, ändere daran nichts.

Für Rosalinde Balzer (CDU) ist der Vorgang typisch fürs Gaggenauer Rathaus: „Man sucht nach Argumenten, wie man etwas verhindern kann. Das ist keine einmalige Geschichte.“ Dr. Heike Röhlen (Grüne) hielt entgegen: Noch im Bauausschuss sei man sich einig gewesen, lediglich das verkleinerte Baufenster zu akzeptieren – also ohne Platz für Hurrles Neubau. OB Florus nahm das Thema schließlich von der Tagesordnung. In einer der nächsten Sitzungen soll die Forstverwaltung zu dem Thema Stellung beziehen, hieß es gestern aus dem Rathaus.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
26. September 2021, 16:00 Uhr
Lesedauer:
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