Ottersdorfer Stickerei sorgt für die besondere Note

Rastatt (sawe) – Die Firma Krumm in Ottersdorf hat sich mit Stick, Druck und Flock auf hochwertige Veredelung von Textilien und Promotion-Ware spezialisiert. Eine BT-Stippvisite.

Blick auf eine Stickmaschine mit großen Garnrollen: Hier wird gerade ein Handtuch mit einem Namen versehen. Foto: Sabine Wenzke

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Blick auf eine Stickmaschine mit großen Garnrollen: Hier wird gerade ein Handtuch mit einem Namen versehen. Foto: Sabine Wenzke

Auf mehreren Ständern hängt Bekleidung, Handtücher und T-Shirts sind fein säuberlich in Regalen gestapelt, Kappen und Tassen in Vitrinen angeordnet. Allerdings handelt es sich hier nicht um einen Textilwarenladen, wie der erste Blick vermuten lässt, sondern um eine Stickerei – und damit um eine Branche, die es in der Region nur noch selten gibt. Wenn die Textilien das Haus verlassen, dann sind sie entweder bestickt, mit Nieten, Swarovski-Kristallen und Strass veredelt oder individuell bedruckt.

Die Stickerei Krumm in Ottersdorf hat sich auf hochwertige Veredelung von Textilien im geschäftlichen Umfeld sowie für Vereine und Privatpersonen spezialisiert. Inhaberin und Geschäftsführerin ist Rosmarie Moser, die vor mehr als zwei Jahrzehnten ihr Hobby zum Beruf gemacht hat. Vor fünf Jahren verlagerte sie ihr Geschäft von Rastatt ins Ried, weil sie dort größere Räumlichkeiten anmieten konnte: Neben dem Laden befinden sich Produktionsraum und Büro sowie im Keller ein Lagerraum.

Kundschaft aus der Region und dem ganzen Bundesgebiet

Sechs Hochleistungs-Stickmaschinen, die in Verbindung mit einer effizienten EDV-Organisation stehen, sowie eine Transferpresse mit Flock-, Flex- und Sublimationsdruck gehören zur Werkstatt, in der die Aufträge der regionalen und bundesweiten Kundschaft nach vorgegebenen Motiven oder als Eigenkreationen erfüllt werden.

„In der Puncherei setzen wir Logos und andere Vorlagen in Stickdaten um“, erläutert die 57-Jährige. Sechs Mitarbeiterinnen sind in Teilzeit beziehungsweise als Hilfskräfte tätig. Vormittags hilft noch Mosers Tochter mit. Ob Werbe-Logo, Monogramm, Schriftzug auf Polo-Shirt, Kappe, Mütze, Handtuch, Bademantel oder andere Frotteewaren – sie alle erhalten durch die Veredelung eine besondere Note. Gestickt werden kann mit bis zu 15 Farben in einem Motiv. „Dabei werden nur Garne verwendet, die allesamt reißfest, koch- und lichtecht sind“, hebt Moser hervor. Gewählt werden kann aus insgesamt 300 Farben. Und wer noch keine Stickmotiv-Idee für sein Projekt hat, darf sich etwas Passendes aus vorrätigen Designs aussuchen.

Vereine zählen zum Kundenstamm

Vereine aus der gesamten Region zählen zum treuen Kundenstamm – so werden etwa T-Shirts für Gruppen bedruckt. Auch bei Reitclubs und -ställen ist die Stickerei gefragt, die unter anderem Satteldecken und Schabracken für edle Reitpferde veredelt und ihnen damit eine besondere Note verleiht. Und auch für Berufsbekleidungsgeschäfte wird viel gefertigt, berichtet Moser.

Das kleine Unternehmen arbeitet mit namhaften Textilherstellern zusammen und bietet Textilien für Promotion, Freizeit, Sport und Beruf. Derzeit kann aus über 15 Kollektionen für Babys, Kinder, Damen und Herren gewählt werden. Des Weiteren gibt es Accessoires für Mensch und Tier (Hunde, Katzen, Pferde), trendige Werbeartikel und Geschenkideen. Personalisiert werden die Waren bereits ab einem Stück bis hin zur mehrteiligen Kollektion.

Inhaberin Rosmarie Moser in ihrem Laden: Im Hintergrund sind die Druckmaschinen zu sehen. Foto: Sabine Wenzke

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Inhaberin Rosmarie Moser in ihrem Laden: Im Hintergrund sind die Druckmaschinen zu sehen. Foto: Sabine Wenzke

Angefangen hatte alles vor rund 20 Jahren, erzählt Rosmarie Moser, die gelernte Arzthelferin ist. Als ihre beiden Kinder noch klein waren, schaffte sie sich eine kleine Näh- und Stickmaschine an, bestickte T-Shirts für Kindergeburtstage mit Namen oder einem individuellen Motiv und landete mit diesen Geschenken stets einen Volltreffer. „Es kam gut an und sprach sich rum“, erinnert sich die Geschäftsfrau. Ihr Sohn spielte damals in einem Verein und sie wurde gefragt, ob sie Sweat- und Poloshirts mit dem Vereinsemblem besticken könnte. Das machte sie auch, aber es war mühsam mit der kleinen Maschine: „Ich bin stundenlang daran gesessen.“ Als der nächste Verein anfragte, kaufte sie sich die erste größere Maschine.

Umzug in die Rheinau als neuer Impuls

Und so ging es dann weiter und richtig los mit ihrem neuen Metier, als sie vor 20 Jahren nach Rastatt in die Rheinau zog. Es wurden weitere Maschinen angeschafft und Rosmarie Moser produzierte fleißig im Keller des angemieteten Reihenhauses. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Aufträge, der Platz wurde zu eng: „Der ganze Wohnraum stand voller Kartons“, erinnert sie sich schmunzelnd. Da kam es wie gerufen, dass sie vor fünf Jahren die Räumlichkeiten des früheren Fernsehgeschäfts Süß in der Rheinstraße 11 in Ottersdorf anmieten konnte, von dem sie auch die Ladeneinrichtung übernahm. Dass sie nun Schaufenster hat, freut die 57-Jährige besonders. Denn manche Kunden hätten in der Rheinau doch etwas Scheu davor gehabt, einfach in einem Privathaus zu klingeln.

Auch kurz vor dem Lockdown war noch einiges los im Laden: Waren wurden gebracht, Pakete abgeholt. Ein Mann hatte ein einzelnes T-Shirt mit individuellem Druck bestellt, das er verschenken will: „Es ist genauso geworden, wie ich es mir vorgestellt habe“, bestätigt er strahlend. Das Geschäft sei oft sehr stressig, erzählt Moser, den Schritt in die Selbstständigkeit habe sie allerdings nie bereut. Die Auftragslage sei gut, die Arbeit mache Spaß. „Und wenn ich sehe, wie sich die Kunden über das Ergebnis freuen, dann freut mich das auch.“

Ihr Autor

Sabine Wenzke

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Erstellt:
18. Januar 2021, 08:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 24sec

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