Ottersweier: Friedhöfe nehmen auch Sternenkinder auf

Ottersweier (jo) – Der Gemeinderat Ottersweier führt neue Grabarten auf den Friedhöfen in Ottersweier und Unzhurst ein. Die Verantwortlichen haben einen Kostendeckungsgrad von 50 Prozent im Blick.

Künftig zehn verschiedene Begräbnisarten: Blick auf den Friedhof und die Einsegnungshalle in Ottersweier. Foto: Joachim Eiermann

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Künftig zehn verschiedene Begräbnisarten: Blick auf den Friedhof und die Einsegnungshalle in Ottersweier. Foto: Joachim Eiermann

Auf den Friedhöfen in Ottersweier und Unzhurst können künftig auch Sternenkinder bestattet werden. Der Gemeinderat stimmte der Einrichtung sogenannter Schmetterlingsgräber zu. Außerdem ebnete er den Weg für Urnenbeisetzungen unter Bäumen. Damit erweitern sich die Bestattungsmöglichkeiten auf beiden Friedhöfen auf jeweils zehn verschiedene Arten.

Vorwiegend nachgefragt wurde im Jahr 2020 das Urnengrab bei 13 von insgesamt 27 Todesfällen. Hinzu kamen sechs Bestattungen in Urnenstelen (Kolumbarien), berichtete Thomas Doninger. Der stellvertretende Amtsleiter (Zentrale Steuerung und Finanzen) stellte dem Gremium in öffentlicher Sitzung zudem die komplexe Gebührenkalkulation für das Bestattungswesen vor, erstellt von der Allevo Kommunalberatung aus Obersulm. Nach 143.400 Euro Defizit zwischen 2017 und 2019 und einer Kostendeckung von lediglich 45 Prozent lauteten die Vorgaben des Gemeinderats an den Gutachter: 50 Prozent Kostendeckung bei der Grabnutzung, 100 Prozent bei den Bestattungsgebühren. Zugrunde gelegt wurde auch ein neuer kalkulatorischer Zinssatz von 2,5 statt zuvor vier Prozent. Ergebnis: Einzelne Leistungen werden mit der neuen Gebührensatzungsänderung für die Zeit von 2022 bis 2025 billiger, viele andere erhöhen sich; insgesamt wird es teurer.

Dienstleistungen im Bestattungswesen mit hohen Kosten verbunden

„Das Sterben muss man sich leisten können“, kommentierte Mario Panter (Grüne) zwar leicht sarkastisch, sprach aber von einer „fairen Sache“, schließlich seien Dienstleistungen im Bestattungswesen mit hohen Kosten verbunden. „Wir sind gut aufgestellt“, befand Linus Maier (CDU) – auch mit Blick auf eine „bürgernahe Friedhofsverwaltung“. Dieter Kohler (FWG) hob hervor, dass Friedhöfe auch „Begegnungsräume“ seien und schloss sich Maiers Dank an die dort ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger an. Herta Finkbeiner-Schilling (SPD) kam auf den Wandel der Bestattungskultur zu sprechen und hob die Bedeutung des Schmetterlingsgrabs zur Trauerbewältigung junger Eltern hervor.

Neu in die Satzung aufgenommen wurde zudem die Möglichkeit, dass Hinterbliebene ein Grab vorzeitig auflösen können – bis zu zwei Jahre vor Ablauf der Ruhezeit. Dies jedoch ohne den Anspruch auf eine Gebührenerstattung, wie Bürgermeister Jürgen Pfetzer deutlich machte.

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Erstellt:
10. November 2021, 14:00 Uhr
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