Ottersweier plant mit weiterem Solarpark

Ottersweier (jo) – Die Pläne für einen weiteren Solarpark in Ottersweier reifen. Der Gemeinderat stellt nach einer Potenzialanalyse die Weichen für ein Planungsverfahren.

Ottersweier will die Freiflächen-Fotovoltaik vorantreiben. Diese Aufnahme entstand beim Bau des Solarparks Eichelgarten an der A5 bei Unzhurst.  Foto: Joachim Eiermann

© jo

Ottersweier will die Freiflächen-Fotovoltaik vorantreiben. Diese Aufnahme entstand beim Bau des Solarparks Eichelgarten an der A5 bei Unzhurst. Foto: Joachim Eiermann

Nur wenige Monate nach der Realisierung des Solarparks Eichelgarten an der A5 bei Unzhurst erwägt die Gemeinde Ottersweier den nächsten Coup. Der Gemeinderat stimmte am Montagabend zu, in ein baurechtliches Planungsverfahren für weitere Fotovoltaik-Anlagen auf Freiflächen einzutreten. Gedacht ist an eine Finanzierung auch unter Bürgerbeteiligung.
Dafür im Auge haben Bürgermeister Jürgen Pfetzer und Rechnungsamtsleiter Alexander Kern vor allem Bereiche von minderer Bodenqualität. Pfetzer unterstrich: „Wir wollen keine wertvollen landwirtschaftlichen Flächen nutzen.“ Der Fokus der Potenzialanalyse richtet sich konkret auf fünf Grundstücke nördlich und südlich der Specklach-Siedlung in der Größe zwischen 1,5 und 4,3 Hektar. Vornehmlich handelt es sich dabei um Wiesen. Fünf der insgesamt 16,7 Hektar sind mit PFC geschädigt, knapp zwei Hektar sind „unbelastetes“ Ackerland. Nur eines der Grundstücke sei in Privatbesitz.

Rein theoretisch ließen sich auf den Flächen in der Summe jährlich rund 14 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen, legte Kern dar. Das entspricht dem 18-Fachen der Anlage bei Unzhurst. Vornehmlich geht es jedoch darum, durch mehrere potenzielle Standorte die Realisierungschancen für zunächst ein Projekt zu erhöhen. „Wir werden mit einem Flächen-Pool in die Fachgespräche mit den Behörden gehen“, kündigte Pfetzer an. Zu Beginn des neuen Jahres will er die maßgeblichen Stellen für einen Scoping-Termin an den Tisch holen. Von Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann (Grüne), der Mitte Juli symbolisch den Startknopf der Fotovoltaikanlage im Eichelgarten gedrückt hatte, erbat sich Pfetzer politische Unterstützung.

Für die planerische Entwicklung der ausgesuchten Flächen ist laut Kern von Kosten bis maximal 50.000 Euro auszugehen, die sich im Fall einer Realisierung refinanzieren ließen. Neben einer Schafbeweidung (wie bei den Solarmodulen nahe der A5) soll auch geprüft werden, ob die sogenannte Agri-Fotovoltaik zum Zug kommen könnte. „Da gibt es verschiedene Modelle“, zeigte Kern Bilder. Die Technologien ermöglichen die Ausbeute von Sonnenstrom unter Beibehaltung der Landbewirtschaftung mit Sonderkulturen oder Grünland. Eine weitere offene Frage ist das Konfliktpotenzial durch mögliche Überschwemmungen. Dass ein Teil der Flächen in der Überflutungszone für ein 50-jährliches Hochwasser liegt, schreckte Pfetzer nicht; das Problem sollte sich technisch lösen lassen.

Hoffnung auf neue Bundesregierung

Der Vorstoß der Gemeindeverwaltung beruft sich auf das im Juni vom Bundestag beschlossene neue Klimaschutzgesetz mit verschärften Vorgaben zur Reduktion der Treibhausgasemissionen. In Ottersweier müssten demnach noch 24.000 Megawattstunden konventionell erzeugter Strom durch eine klimaneutrale Alternative ersetzt werden. Bei der Suche nach geeigneten Standorten orientierte sich die Verwaltung an der technischen und wirtschaftlichen Realisierbarkeit; wichtig: Anschlussmöglichkeit ans Stromnetz in nicht allzu großer Distanz.

Das Gremium gab einstimmig grünes Licht. Mit den Argumenten, die angedachte Freiflächen-Fotovoltaik biete ein großes Potenzial und die eingesetzte Technik sei zudem reversibel, signalisierte Arnold Meißner die Zustimmung der CDU-Fraktion. „Die Energiewende muss in der Fläche vorangetrieben werden“, postulierte Dieter Kohler (FWG), nicht ohne die bislang langen Genehmigungsprozeduren zu beklagen: „Wir hoffen darauf, dass es mit der neuen Bundesregierung vorwärtsgeht.“ Für Nico Paulus (Grüne) war „extrem wichtig“, dass auch die Stromgewinnung auf Dachflächen weiter vorangetrieben werden. Emile Yadjo-Scheuerer (SPD) betonte, dass kein Investor, sondern die Gemeinde das Heft des Handels in der Hand halte und das Tempo bestimmen müsse. Susanne Vetter (FWG) machte sich für eine Fotovoltaik-Wand, kombiniert mit einem Lärmschutzschall entlang der Autobahn, bei Unzhurst stark. Die Verwaltung hatte dies ebenfalls erwogen, aber letztlich als technisch zu aufwendig und kostspielig verworfen. Pfetzer bedauerte: „Das ist nicht realistisch.“

Zum Artikel

Erstellt:
27. Oktober 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.