Ottersweier setzt auf Photovoltaik

Ottersweier (jo) – Kein anderer Ort der Region setzt so sehr auf die Photovoltaik wie Ottersweier mit seinen rund 6.400 Einwohnern.

Noch fehlt eine wichtige Komponente: Voraussichtlich erst ab Mai wird die Gemeinde Ottersweier Sonnenstrom von der A5 ins Netz einspeisen können. Foto: Joachim Eiermann

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Noch fehlt eine wichtige Komponente: Voraussichtlich erst ab Mai wird die Gemeinde Ottersweier Sonnenstrom von der A5 ins Netz einspeisen können. Foto: Joachim Eiermann

Zu drei bereits Strom produzierenden Anlagen auf Dächern gemeindeeigener Gebäude sollen in naher Zukunft vier weitere hinzukommen. Größter Coup ist jedoch der 750-Kilowattpeak-Solarpark an der Autobahn bei Unzhurst.

„Es funktioniert alles“, freut sich Krzysztof Grocholski, der zusammen mit fünf polnischen Landsleuten die Paneele mit insgesamt 2.056 Modulen für den Ravensburger Solarspezialisten Solmotion project aufgestellt, ausgerichtet und verkabelt hat. Insgesamt zehn Tage waren die Männer auf dem rund ein Hektar großen Eckgrundstück südlich der Acherner Straße (L87a) zu Gange. Sie haben ihren Job erledigt. Auch die Verbindungsleitung zum Stromnetz ist bereits gezogen. Letzteres war Aufgabe der örtlichen Baufirma PEKA, die den Kabelstrang zusammen mit dem Breitband im Eichelgartenweg verlegte.

Noch fehlt jedoch eine wichtige Komponente: die Übergabestation, um den sauberen Strom ins Versorgungsnetz einspeisen zu können. „Die Trafostation hat Lieferzeit“, nennt Bürgermeister Jürgen Pfetzer als Grund für die weitere Verzögerung, nachdem schon das Genehmigungsverfahren zur Geduldsprobe mutierte. Den Auftrag für die elektrotechnische Komponente, die ihren Platz am nördlichen Zipfel des eingezäunten Bereichs findet, hatte der Gemeinderat noch im alten Jahr an die Syna GmbH (Netztochter der Süwag Energie AG) vergeben.

Ab Mai wird Strom eingespeist

Im Mai soll es nun soweit sein und der erste Strom von der Sonnenwiese eingespeist werden können, hofft Pfetzer. Sofern die Pandemie es zulasse, sei eine offizielle Einweihung vorgesehen. Rund 550.000 Euro investieren die Gemeindewerke in ihr mit Abstand größtes regeneratives Energieprojekt, für das eine jährliche Stromausbeute von 765.000 Kilowattstunden prognostiziert ist. Dies entspricht einer Einsparung von rund 370 Tonnen Kohlendioxid bei einer Stromerzeugung durch fossile Brennstoffe (Bundesumweltamt, Stand 2017).

Darüber hinaus wird sich der lokale Beitrag zur Energiewende aller Voraussicht nach auch finanziell für die Gemeinde auszahlen. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung ergab eine Investitionsrendite von 7,8 Prozent per anno, beziehungsweise eine kaufmännische Rendite von 3,3 Prozent auf das eingesetzte Kapital nach Steuern. In 20 Jahren Laufzeit wird mit einem Gesamtüberschuss von 59.000 Euro kalkuliert.

Den Einstieg in die Photovoltaik hatte die Kommune auf den Dächern zweier Hallen und eines Kindergartens vollzogen. Zwischenzeitlich hat der Gemeinderat die Verwaltung mit vier neuen Projekten beauftragt: In Planung sind Anlagen auf zwei weiteren Kindergärten, einer Aussegnungshalle und dem Feuerwehrhaus. Für die Zeit nach der Realisierung sind bereits vier weitere Gebäude ausgeguckt.

Letzter Akt nach der Montage aller Paneelen: Krzysztof Grocholski überprüft die Funktion der Module. Foto: Joachim Eiermann

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Letzter Akt nach der Montage aller Paneelen: Krzysztof Grocholski überprüft die Funktion der Module. Foto: Joachim Eiermann

So gibt es ein klares Bekenntnis der Gemeinde, die örtliche CO2-Bilanz weiter zu verbessern. Seit dem Einstieg 2005 ins kommunale Energiemanagement für Gemeindeliegenschaften sei der Ausstoß des Treibhausgases um fast 60 Prozent reduziert worden, zieht der Bürgermeister Zwischenbilanz. „Wir investieren in die Digitalisierung unserer Gebäudeleittechnik und reduzieren den Energieverbrauch.“ Ein reiner Ökostrombezug sei seit Jahren selbstverständlich. „Bei der Beschaffung von Fahrzeugen und Geräten achten wir auf umweltschonende Antriebsarten.“

Regeneratives Nahwärmenetz geplant

Auf der Agenda steht zudem ein regeneratives Nahwärmenetz in einem größeren Bereich rund ums Rathaus. Erster Schritt hierfür ist ein Quartierskonzept „Ottersweier-Mitte“, für das inzwischen Mittel aus dem kfw-Programm „Energetische Stadtsanierung“ bereitstehen. Angelaufen ist auch die Fokusberatung der Energieagentur Mittelbaden, um zusammen mit interessierten Bürgern und Gewerbetreibenden Klimaschutz-Projekte umzusetzen. Eine Geste nur, aber auch ein kleiner Beitrag, ist das Verschenken heimischer Obstbäume. Jeweils einen Gutschein gibt die Gemeinde an ihre Häuslebauer und Eltern mit Neugeborenen aus. Gleichwohl: „Viele weitere Schritte müssen folgen, um die Klimaziele einhalten und die CO2-Emissionen eindämmen zu können“, so Pfetzer. Krzysztof Grocholski und seine Kollegen hatten bei ihrer Arbeit auf der grünen Wiese von den Auswirkungen des Klimawandels profitiert – angesichts ungewöhnlich milder Temperaturen für diese Jahreszeit. Baden zeigte sich ihnen ganz von der sonnigen Seite, der nächste Auftrag führt wieder in den kälteren Norden. „Aber jetzt ist erst einmal Urlaub.“ Ein paar Tage zuhause in Polen.

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Erstellt:
6. März 2021, 07:00 Uhr
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